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Wermelskirchen
Vater rettet Tochter vor den Flammen

Brand in Wohnhaus in Wermelskirchen
Brand in Wohnhaus in Wermelskirchen FOTO: Teifel
Wermelskirchen. Bei einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus an der Berliner Straße sind Sonntagfrüh zwei Menschen verletzt worden. Das Gebäude ist nicht mehr bewohnbar. Auch ein Nachbarhaus wird vorläufig gesperrt. Von Udo Teifel

Als die Feuerwehr eintrifft, schlagen die Flammen aus dem Dachstuhl, Fensterscheiben im ersten Obergeschoss sind geplatzt, so dass Luft ans Feuer kommt und den Brand erst richtig entfacht. Mit der Drehleiter rettet die Feuerwehr einen Vater und seine Tochter - sie sind nicht mehr vom ersten Obergeschoss ins Treppenhaus gekommen. Fünf andere Personen schaffen es eigenständig, sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen.

Raphael Guckelsberger lehnt am Jägerzaun und schaut fünf Stunden nach Ausbruch des Brandes den Nachlösch- und Aufräumarbeiten der Feuerwehr zu. Er hat diese blaue Krankenhaus-Kluft an, die Nase ist verklebt, die Hand verbunden: Brandverletzungen dritten Grades, ebenso am Bein. "Ich habe es knisterngehört wie in einer Popcorn-Maschine", erzählt er. Er geht vom Souterrain in die obere Etage an der Küche vorbei. Dort schlagen ihm die Flammen entgegen und fügen im Brandverletzungen zu. "Ich habe ich nur laut Feuer geschrien, damit meine Lebensgefährtin und die Kinder unten die Wohnung verlassen."

Er ist hoch ins Schlafzimmer und weckt seine zehnjährige Tochter. Beide können nur noch zum Fenster raus, wo gerade die Drehleiter ausgefahren wird. "Meine Tochter war ganz ruhig", erzählt er. Sie ist mit ihrer Klasse jüngst zu Besuch bei der Feuerwehr gewesen und erklärt ihm, wie man richtig in den Korb steigt. Beide werden ins Krankenhaus eingeliefert - Guckelsberger mit schweren Brandverletzungen, die Tochter mit Verdacht auf Rauchvergiftung.

Ursula Küchelmann im Nachbarhaus hört es ebenfalls knistern, weckt ihren Mann Frank, der nachschaut und ebenfalls Brandgeruch ausmacht, dann die Feuerwehr alarmiert und die anderen Bewohner aus den Betten holt. Küchelmann erinnert sich noch ans Jahr 1980: Da brannte das Gebäude schon einmal — Ausgangspunkt damals war eine Kissenproduktion hinter dem Gebäude.

Die Feuerwehr Wermelskirchen löst sogenannten Vollalarm aus - da eineinhalb Löschzüge parallel zu einem Brand nach Dabringhausen ausrücken (siehe Box), wird Remscheid zur Hilfe geholt. Die Berufsfeuerwehr sowie die Freiwillige Feuerwehr rücken mit 25 Männern und der Drehleiter an. Einsatzleiter Ingo Mueller: "Der Brand schlug schnell vom ersten Obergeschoss ins zweite und dann in den Dachstuhl, zumal ein Holzbalkon brannte und die Flammen über den Sims das Dach entzündeten."

Die Feuerbekämpfung erfolgt ausschließlich von den Drehleitern und C-Rohren von außen, da die Zwischendecken aus Holz sind und ein Betreten unmöglich macht. Entsprechend wird in dem mehrstündigen Einsatz viel Wasser in das brennende Haus gepumpt. "Wir haben die beiden Nachbarhäuser retten können", bilanziert Mueller zufrieden. Mit Wärmebildkameras wird nach Glutnestern gesucht. Es sind aber keine gefunden worden.

Die Kriminalpolizei hat das Haus Berliner Straße 80 vorläufig gesperrt. Die Brandursache ist unklar. Fachleute werden den Brandort in den nächsten Tagen untersuchen. Auch das rechte Gebäude darf vorläufig nicht betreten werden: Der Giebel des ausgebranntes Hauses droht einzustürzen. "Der würde auf das Flachdach treffen und bis unten durchschlagen", sagte Mueller.

Quelle: RP