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Wermelskirchen
Verliebt in ein Land der Gegensätze

Wermelskirchen: Verliebt in ein Land der Gegensätze
Clarissa Schauff hat sich in die Volksrepublik China verliebt, sieht das Reich der Mitte allerdings nicht durch eine rosarote Brille. FOTO: privat
Wermelskirchen. Clarissa Schauff studiert ab September an der Renmin-Universität in Peking. Erst im Frühjahr hat die 24-jährige Wermelskirchenerin die chinesische Hauptstadt besucht - und ist von dem pulsierenden Leben begeistert. Von Stephan Singer

"Ich habe mich in das Land verliebt", sagt Clarissa Schauff, die ab September für ein Jahr in China an der Renmin-Universität in Peking studiert. Damit erfüllt sich für die 24-Jährige aus Tente ein Traum. Sie blickt allerdings "keinesfalls durch eine rosarote Brille", verrät die Wermelskirchenerin.

China ist die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt. Nicht umsonst gibt es ein Sprichwort in Asien: "Wenn der chinesische Drache erwacht, erzittert die Welt! "Genau das wird natürlich kontrovers diskutiert", sagt Schauff. Für die Studentin liegt aber genau darin auch der Reiz. "Ich stelle mich gerne auf etwas völlig Anderes ein. Dort fragt man sich als West-Europäer schon manchmal, ob man von einem anderen Stern ist", sagt Schauff und lacht. Erst im Frühling dieses Jahres hat sie das chinesische Peking besucht, wohnte für drei Wochen bei einer über das akademische Auslandsamt vermittelten, einheimischen Familie und absolvierte in der Zeit einen Sprachkursus. Die Studentin will ihr Interesse, ihr Engagement und ihre Neugierde "gerne teilen": "Das ist ungeheuer spannend", sagt sie.

Bereits im Alter von nur elf Jahren lernte Schauff das asiatische Leben kennen: Damals verschlug es Vater Hans-Ingo Schauff als Diplom-Ingenieur für zwei Jahre nach Malaysia, wo die Elfjährige auf eine deutsche Schule ging. "In dieser Zeit haben wir die meisten Länder Südostasiens und Ozeaniens bereist", erinnert sich Schauff und fügt hinzu: "Im Urlaub genießt man vor allem das Positive." Ihre Mutter Martina Fanter-Schauff ergänzt: "Wir West-Europäer sollten vor Ort besser in die chinesische Mentalität einsteigen. Dann können wir wirtschaftlich voneinander profitieren."

Der Mentalitäts-Unterschied und die "reiche Kultur des Landes" machen für Schauff das Faszinierende an China, wo etwa Kaffee als Luxusgut gilt, aus. Begeistert und enthusiastisch berichtet sie von ihren Eindrücken aus dem Reich der Mitte: "Die Produktzyklen in China sind viel schneller als hier. Deshalb sind dort unter anderem Elektrowaren viel günstiger. Handys werden nach einem halben Jahr weggeschmissen und durch neue Modelle ersetzt, weil das nicht teuer ist. Die Mieten in den Großstädten sind dagegen hoch und steigen."

So sei der "Downtown"-Bereich von Peking vollkommen vom westlichen Lebensstil geprägt. Verlasse man aber die Stadt, verändere sich das Bild schlagartig: "Ich habe mich gefühlt, als komme ich aus der Zukunft in die Vergangenheit. In den lauten Großstädten, in denen ein sehr abwechslungsreiches Leben herrscht, regiert das Geld. Auf dem Land herrschen ärmliche Verhältnisse. Das ist nicht vergleichbar mit Wermelskirchen, wo in der Innenstadt mehr los ist und es in Tente ruhiger wird, aber der Lebensstandard sich nicht grundlegend ändert."

Und noch eine Beobachtung aus China geht Schauff nicht mehr aus dem Kopf: "In Peking stehen Gebäude mit tollen Fassaden, wahnsinnig schicker Lobby und toll gestaltetem Erdgeschoss. Daraus kann man jedoch keine Schlüsse für das gesamte Gebäude ziehen, denn es kann sein, dass die Wohnungen auf der zehnten Etage völlig abgewohnt sind."

Und auch an "Kleinigkeiten" aus dem Alltag hat sich die Studentin inzwischen gewöhnt: "In China lässt man immer einen kleinen Rest auf dem Teller, um dem Gastgeber zu zeigen, dass das Essen gereicht hat - und man satt ist." Für Schauff ist das Leben in China ein "faszinierendes Erlebnis". Europa und Asien könnten viel voneinander lernen: "In China ist es nicht besser oder schlechter, aber völlig anders!"

Quelle: RP
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