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Wermelskirchen
Viele Unfälle entstehen aus Unsicherheit

Wermelskirchen: Viele Unfälle entstehen aus Unsicherheit
In Halzenberg verunglückte am vergangenen Sonntag ein Motorradfahrer aus Köln schwer - er befindet sich mittlerweile aber nicht mehr in Lebensgefahr, teilt die Polizei mit. FOTO: Joachim Rüttgen (Archiv)
Wermelskirchen. Im ersten Halbjahr 2015 gab es kreisweit 44 Unfälle mit Motorradfahrern - zuletzt wurden zwei Biker auf Landstraßen in Wermelskirchen schwer verletzt. Die Polizei rät Kradfahrern, in jedem Jahr ein Fahrsicherheitstraining zu machen. Von Tim Kronner

Wenn am Wochenende die Sonne scheint, holen Zweirad-Fans ihre Motorräder raus und begeben sich auf die kurvigen Straßen im Bergischen Land. Doch viele der Biker sind ungeübte Hobby-Fahrer, die schnell einfache Fehler machen. An den vergangenen beiden Wochenenden ereigneten sich zwei Unfälle auf Landstraßen in Wermelskirchen, bei denen Motorradfahrer schwer verletzt wurden. "Als Motorradfahrer fängst du wirklich jedes Jahr neu an. Die meisten Unfälle sind nicht die Schuld von Rasern, sondern entstehen wegen unsicherer Fahrweise", erklärt Gert Bellmann, Leiter der Führungsstelle Verkehr der Kreispolizei.

Nachdem vor zwei Wochen eine Frau aus Monheim mit ihrem Motorrad auf der L 101 in Luchtenberg schwer verunglückt war, krachte es am vergangenen Sonntag auf der L 409 in Halzenberg - ein Kradfahrer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik geflogen. In einer Rechtskurve, die sich im zweiten Drittel noch mal zuzieht, kam der Fahrer in den Gegenverkehr. Die Art des Unfalls ist laut Bellmann typisch. "Die Unfallursache war eine Fehlerkaskade. Das heißt: Der Fahrer nahm die Kurve zu eng und erschrak, da es noch einen Knick weiter nach rechts ging. Als ihm dann auch noch ein Auto entgegenkam, fuhr er direkt darauf zu. Wir sagen immer 'Der Blick führt die Bewegung'", erläutert Experte Bellmann, der genau diese Strecke am Wochenende noch selbst gefahren war.

Bei dem Verunglückten handelt es sich nicht um einen Raser, stellt er klar. Die Geschwindigkeit sei moderat gewesen, zudem sei bei der Auswertung der Bilder noch etwas Anderes aufgefallen. "Der Hinterreifen war an den Seiten noch drei Zentimeter unbenutzt. Das heißt, dass der Fahrer selten in Schräglage fährt. So ist er natürlich ungeübt in Kurven, die das erfordern", erklärt Bellmann. Viele Fahrer würden in Rechtskurven nämlich instinktiv innen fahren - auch aus Angst vor dem Gegenverkehr. Doch gerade das sei falsch. "Man sollte in einer Rechtskurve links am Mittelstreifen starten, um sich alle Optionen offen zu halten. Auf veränderte Kurvenverläufe kann man so schneller reagieren, weil die Sicht besser ist", betont Bellmann.

Um das richtige Fahrverhalten zu üben, empfiehlt der Polizist und Kradfahrer die Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings. Dort werden die Fahrkenntnisse aufgefrischt, damit die Fahrer gut vorbereitet in die Motorradsaison starten. Bellmann: "Das Sicherheitstraining im Frühjahr ist ein Muss für jeden Fahrer. Man muss als Anfänger nach der Winterpause erst mal wieder üben, bevor es auf die Straße geht."

Trotz der teilweise schweren Unfälle in diesem Jahr ist der Trend positiv. Im ersten Halbjahr 2015 gab es nach Angaben der Polizei 44 Unfälle mit Motorradfahrern, im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es noch 63. Das liegt auch an den Maßnahmen der Polizei. Die Beamten setzen vor allem auf Prävention - zum Beispiel mit der Aktion "Kaffee statt Knöllchen". Dabei werden Motorradfahrer ohne repressive Kontrolle angehalten, um mit ihnen über ihre Fahrweise zu sprechen. "Pro Termin reden wir ungefähr mit 100 Fahrern. Der Großteil ist touristisch orientiert und nimmt das sehr positiv an", sagt Bellmann. Bei den Rasern helfe allerdings nur "knallharte Repression" durch Radarwagen, Laser und Video-Motorrad.

Quelle: RP
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