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Wermelskirchen
Vier Alternativen nach Geburtshilfe-Aus

Wermelskirchen. Nach Schließung der Geburtshilfe am Wermelskirchener Krankenhaus sitzt der Schock bei Betroffenen tief. Werdenden Eltern stellt sich nun die Frage, wo der Nachwuchs geboren werden soll. Die BM zeigt die nächsten Möglichkeiten auf. Von Markus Plüm

Glaubt man den Aussagen der Betroffenen, war die Geburtshilfe am Wermelskirchener Krankenhaus sehr beliebt. Klein, intim, familiär eben. Viele haben ihren Nachwuchs gern an der Königsstraße zur Welt gebracht. Personal und Ärzten wurde vertraut - mitunter das Wichtigste bei der Entscheidung für den Geburtsort.

Nun sind es noch knapp zwei Wochen, dann wird es nicht mehr möglich sein, im hiesigen Krankenhaus zu gebären. Denn am Donnerstag verkündete die Klinikleitung das Aus der Geburtshilfe ab April. Zu wenige Geburten, zu hohe Kosten. Ein Aufrechterhalten des Betriebs zumindest bis zum Sommer mache keinen Sinn, hieß es.

Das trifft vor allem diejenigen, die unmittelbar von der Schließung betroffen sind: Hebammen, Mitarbeiter und insbesondere werdende Eltern. Denn einige müssen nun eigentlich fast blind entscheiden, wem sie die Geburt ihres Kindes anvertrauen. Im Umkreis von 25 Kilometern gibt es vier Alternativen, die möglicherweise in Frage kommen (siehe Grafik). Einige Gebärende wird es aber bestimmt auch noch weiter aus Wermelskirchen hinaus ziehen.

Egal wo es letztendlich hingeht, die aktuelle Situation ist nicht zufriedenstellend, wenn nicht sogar frustrierend. "Bei mir und meinen Müttern sind am Donnerstag viele Tränen geflossen. Die Endgültigkeit der Entscheidung und vor allem der naheliegende Zeitpunkt haben uns einfach nur in einen Schock versetzt", sagt Grit Adler, die nun 26 Jahre lang als Hebamme in der Wermelskirchener Geburtshilfe gearbeitet hat. "Ich hatte noch Geburten direkt Anfang April, die Frauen müssen sich jetzt innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Geburtsort suchen. Das plötzliche Aus der Station ist eine total verantwortungslose Entscheidung."

Noch schlimmer werde es dadurch, dass Adler ihren Patientinnen selbst zu keiner Alternative raten könne. "Ich kenne die Gegebenheiten an den anderen Häusern ja auch nicht. Ich kann meinen Patientinnen nur sagen: Macht euch so schnell wie es geht ein Bild vor Ort." Die Verunsicherung sei aber greifbar, viele hätten bestimmte Häuser in der näheren Umgebung schon ausgeschlossen. "Alle sind sprachlos, aber irgendwie müssen wir jetzt improvisieren", sagt Grit Adler.

Es ist eine Situation eingetreten, die ihrer Meinung nach aber auch leicht hätte vermieden werden können. "Ich habe den Verantwortlichen im Krankenhaus Wermelskirchen bereits im November angekündigt, dass ich ab Sommer 2016 erst einmal eine Pause machen möchte. Man wusste also, dass es bei den Hebammen zu Engpässen kommen wird. Aber warum lässt man dann nicht einfach alles bis Sommer weiterlaufen? Warum jetzt so plötzlich? Wir fühlen uns alle wie in den Hintern getreten."

Vor allem, weil auch sie nun vor einer ungewissen Zukunft stehe. "Mir fehlen bis Sommer jetzt 18 Geburten. Ich weiß auch nicht wirklich, wie es für mich weitergehen soll. Aber mir wurde von Krankenhausseite nur gesagt: ,Das ist jetzt halt so'."

Quelle: RP
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