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Wermelskirchen
Vortrag über "Elendsflüchtlinge" schockiert

Wermelskirchen. Bernd Baumgarten lebt seit 2011 im Kosovo. Im Gemeindehaus berichtete er von der dramatischen Lage vor Ort. Von Walter Schubert

Pfarrerin Cornelia Seng begrüßte die Besucher im Gemeindehaus mit einem Zitat aus dem 3. Buch Mose: "Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer und du sollst ihn lieben wie dich selbst". Anschließend fügte sie hinzu: "Beim Umgang mit Flüchtlingen sind wir weit davon entfernt. Und noch weiter weg sind wir bei den Menschen, die aus den Balkan-Staaten kommen". Es gibt, nach ihrer Ansicht, eine verstärkte Qualitätsordnung. Wer kein Bleiberecht bekommt, findet keine Wohnung, keine Arbeit und der Schulbesuch lohnt sich nicht, da die Flüchtlinge ja nicht lange bleiben. Bernd Baumgarten, Geschäftsführer der Diakonie im Kosovo, berichtete über die Situation im Balkanland. Rund 30 Zuhörer kamen, um den Auslandsbericht des Referenten zu hören.

Die Diakonie im Kosovo wurde 2007 gegründet, seit 2011 lebt Baumgarten dort. Er erlebt die Situation hautnah und die Bilder und Berichte sind erschreckend. "15 Jahre nach Ende des Balkankriegs und sieben Jahre nach der Unabhängigkeit ist die Not dort noch größer", sagte er. Viele hätten nur einen Euro pro Tag zur Verfügung und jeder Müllcontainer würde 30-mal pro Tag untersucht, auf der Suche nach Flaschen, Dosen, Metall oder Lebensmitteln. "Der Kosovo hat die jüngste Gesellschaft in Europa und die jungen Menschen sind ohne jegliche Perspektive", sagte Baumgarten. Die Arbeitslosigkeit dort liegt bei 60 Prozent, bei den Minderheiten sogar bei 98 Prozent.

Baumgarten sagte: "Wer nichts hat, kann auch nichts verlieren und macht sich auf den Weg. Es sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, es sind Elendsflüchtlinge". Doch die Balkan-Staaten gelten als sichere Herkunftsländer und deshalb dürfen die meisten hier nicht bleiben. Baumgarten nennt ein Beispiel: "Eine junge Frau wird mit ihrer Tochter zurückgeschickt. Irgendwann steigt sie aus dem Bus und da ist nichts. Kein Geld, keine Wohnung, keine Arbeit, keine medizinische Versorgung - einfach nichts."

Einen wichtigen Beitrag gegen dieses Elend leistet die Diakoniestation im Kosovo. Mit Kindergarten, Schule und vor allem mit Ausbildungsmöglichkeiten. Es gibt Ausbildungen zum Elektriker, Heizungsbauer, Installateur, im Baugewerbe und im Schneiderhandwerk. Finanziert wird die Arbeit durch die Kindernothilfe, durch Brot für die Welt und Spenden aus Deutschland.

Zwischen der Diakoniestation im Kosovo und der Rheinischen Landeskirche, dem Kirchenkreis Lennep und der Gemeinde in Hilgen- Neuenhaus gibt es eine Kooperation. "Das Geld ist gut angelegt", sagte Baumgarten, "denn wer Arbeit hat, bleibt in seiner Heimat". Und so freute sich der Geschäftsführer der Diakonie im Kosovo über eine Spende von 1000 Euro, einem Anteil der Einnahmen des Kirchenbasars am Wochenende.

Quelle: RP
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