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Wermelskirchen
Wahlkampf in Wermelskirchen ohne Kampf

Wahl NRW 2017: Wahlkampf in Wermelskirchen ohne Kampf
Stefan Leßenich(M.) und Werner Allendorf von der CDU im Gespräch mit Andrea vom Stein. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Eine Woche vor der Landtagswahl in NRW präsentieren sich fast alle Parteien auch in der Stadt in der Öffentlichkeit - am vorigen Freitag auf dem Wochenmarkt und am Samstag vor dem Rathaus. Von Walter Schubert

Von Wahl-"Kampf" ist nichts zu spüren. Es geht ruhig zu in der Kleinstadt, und die meisten Bürger wissen offenbar schon, was sie wählen werden oder haben kein Interesse. Die Werbegeschenke werden meist gerne angenommen, doch bei den Infobroschüren heißt es oft: "Nein, danke!"

"Neue Wähler zu gewinnen ist sicher schwer. Aber wir müssen einfach immer wieder Präsenz zeigen", sagt Stefan Lessenich (CDU). Nach den aktuellen Umfragen liegen SPD und CDU im Land gleichauf, könnten aber mit einem kleineren Koalitionspartner keine Mehrheit bilden. "Es wird wohl auf eine Große Koalition hinauslaufen", heißt es unisono am CDU- und am SPD-Stand. Es komme nur darauf an, wer dann den Ministerpräsidenten stelle.

Begeisterung, Aufbruchstimmung oder der Wille, etwas Neues zu machen, ist nicht zu spüren. Das Wahlverhalten und die Informationen hingegen haben sich verändert. "Wir gehen auf fast 4000 Briefwähler zu", berichtet Theo Fürsich (SPD). Auch der "Wahlomat" im Internet ist ein Thema. Dabei sind 38 Fragen zu beantworten, wonach die größte Übereinstimmung mit einer Partei abzulesen ist. "Das ist eine spannende Sache. Und manchmal ist das Ergebnis überraschend", sagt Bärbel Schwarz.

"Früher habe ich mal eine Partei aus Überzeugung gewählt", erzählt eine 73-Jährige. "Dann habe ich diese Partei als ,kleineres Übel' gewählt, und heute erkenne ich meine Partei nicht mehr wieder. Die Unterschiede sind gering geworden."

Am FDP-Stand heißt es: "Die Stimmung ist besser als beim letzten Mal. Unser Kandidat Christian Lindner zieht", sagt Jürgen Manderla (FDP). Manfred Schawohl (AfD) berichtet dagegen von "Ablehnung, Beschimpfung, aber auch von guten Gesprächen und Diskussionen".

Die politisch Aktiven kennen sich seit Jahren, und auch viele Bürger sind persönlich bekannt. Für Andrea vom Stein ist die Sache klar: "Ich weiß, was ich wählen werde." Verraten tut sie's allerdings nicht. Auf Ablehnung und Unverständnis stößt bei vielen die TV-Diskussion der Kandidaten. "Wie die übereinander herfallen, ist wirklich nicht schön. Die benehmen sich ja wie die Kinder", sagt Marianne Heider und gesteht, dass sie noch überlegen muss, wem sie ihre Stimme geben wird.

"Habt Ihr auch Kulis?", fragt eine Frau, die mit ihrem Einkaufstrolley am SPD-Stand vorbeikommt. "Im Moment nicht, aber ich schenke Ihnen gerne eine Rose", sagt Norbert Galonska (SPD). "Nee, dann nicht", lautet die Antwort. "Da wird ein politisches Gespräch schwer", sagt Dirk Hohlmann (SPD) schmunzelnd.

Richard Kranz und Ralph Schemann (Grüne) sind dagegen erfolgreich bei der Verteilung von Blumen-Samen. Der wird gerne angenommen, doch wird damit eine Stimme gewonnen? Von der Partei "Die Linke" war weder am Freitag noch am Samstag jemand zu sehen.

Am Samstag, 13. Mai, einen Tag vor der Wahl, wollen alle noch einmal werben. "Das wird eine ganz enge Kiste", sagt Werner Allendorf (CDU), "und die Wahlbeteiligung wird auch wichtig sein".

Quelle: RP
 
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