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Wermelskirchen
Warda hilft als Dolmetscherin

Wermelskirchen: Warda hilft als Dolmetscherin
Warda Halimi-Aissat unterstützt Jaqueline Herzog vom DRK bei der Verständigung mit einem Flüchtling in der Mehrzweckhalle Dabringhausen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Die Firma Steinco hat ihre Mitarbeiterin Warda Halimi-Aissat freigestellt. So kann sie in der Flüchtlingsunterkunft helfen. Von Stephan Singer

Sklavisch sieht sie das Tragen des Kopftuchs nicht, aber in der Erstaufnahmeunterkunft trägt sie es aus Respekt vor den Flüchtlingen: Bereits seit der Ankunft der Menschen in der Mehrzweckhalle hilft Warda Halimi-Aissat, von allen nur Warda genannt, in der Erstaufnahmeunterkunft als Übersetzerin. Warda spricht nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Französisch und Arabisch inklusive diverser Dialekte. Anfangs basierte die Dolmetscher-Tätigkeit auf reiner Freiwilligkeit - Warda, die mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nachbarschaft der Halle lebt, hatte sich zehn Tage Urlaub genommen, um helfen zu können. Jetzt hat sie ihr Arbeitgeber, die Firma Steinco, für ein halbes Jahr freigestellt, zahlt dennoch ihr Gehalt für diese sechs Monate weiter. Diese Bezüge erstattet die Stadt Wermelskirchen dem Unternehmen.

"Das ist ein nicht selbstverständliches Engagement. Wir hatten Not. Nachdem die zehn Tage Urlaub abgelaufen waren, hätte Warda wieder zur Arbeit gemusst und hätte hier gefehlt. Nach nur wenigen Telefonaten fanden wir diese Lösung", lobt der Beigeordnete Jürgen Graef die Flexibilität und Hilfsbereitschaft von Steinco. Darüber freut sich auch die Leiterin der Erstaufnahmeeinrichtung, Jacqueline Herzog vom DRK: "Als die zehn Tage zu Ende gingen, war ich panisch. Wir brauchen hier die Hilfe von Warda."

Die beiden Frauen sind zu einem effektiven Team zusammengewachsen. Was Graef als "Dream-Team" bezeichnet, beschreibt Herzog so: "Wir können zwischendurch auch einmal lachen." Und sie fügt schelmisch hinzu: "Hier in der Mehrzweckhalle organisieren zurzeit zwei Frauen die Abläufe, da sieht jeder, dass Gleichberechtigung in Deutschland herrscht."

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98 Prozent der Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle sind arabisch-sprachig, nur zwei Personen unter ihnen sprechen zumindest Englisch. Das macht deutlich, wie wichtig die Anwesenheit von Warda ist. "Alle kommen erst einmal zu mir. Ich gehe dann zu Jacqueline Herzog - und wir kümmern uns", fasst Warda ihre Arbeit zusammen. Es sind die vermeintlich kleinen Dinge des Alltags, die geregelt sein wollen: Kann ich noch eine Hose zum Wechseln bekommen? Wann kann ich meine Wäsche waschen?

Warda, die 1999 aus Algerien nach Wermelskirchen kam und inzwischen deutsche Staatsbürgerin ist, löst gerne die Probleme der Flüchtlinge: "Es gab zum Beispiel das Problem, dass sich hier gekaufte SIM-Karten nur mit einem deutschen Handy aktivieren lassen und erst dann umgesteckt werden können. Die Flüchtlinge haben aber nur Handys ihres Herkunftslandes. Also habe ich mit meinem Handy unzählige SIM-Karten aktiviert und diese dann in die Handys der Flüchtlinge eingesetzt."

Zu Gesprächen über die Alltags-Probleme hinaus kommt es kaum. Das hat zum einen mit Zeitmangel zu tun, zum anderen damit, dass sich die Flüchtlinge aufgrund ihres gemeinsamen Schicksals untereinander selbst stärken. Und sie wissen: In der Mehrzweckhalle sind sie nur auf der Durchreise, da ist kein Raum für engere Bindungen.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Die Firma Steinco plant jetzt die befristete Anstellung einer Arbeitskraft, um Warda, die in der Produktion arbeitet, zu ersetzen. "Wir sind immer bestrebt, in der Region zu unterstützen und zu fördern. Mit der jetzigen Lösung haben wir als Betrieb eine Sicherheit und können planen. Wir wollten und wollen einer mit so viel Herzblut engagierten Mitarbeiterin keine Steine in den Weg legen", betont Julius Teders von Steinco.

Quelle: RP
 
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