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Wermelskirchen
"Weißer Ring" unterstützt Kriminalitätsopfer in Not

Wermelskirchen. Geschieht eine Straftat, wird oft umfangreich über den Täter berichtet. Über die Opfer gibt es meist wenig zu berichten. "Manchmal ist es eine verkehrte Welt", sagt Renate Pfeiffer von der Hilfsorganisation "Weißer Ring". Die 71-jährige ist als Außenstellenleiterin für den Rheinisch-Bergischen-Kreis zuständig. "Während ein psychisch gestörter Täter sofort und umfänglich eine Behandlung und Therapie erhält, müssen die Opfer um die Hilfe kämpfen. Die Hilfe für den Täter ist für ihn auch noch kostenlos, sie wird durch Steuergelder finanziert". Opfer müssen sich erst einmal melden und einen Hilfsantrag stellen. Und erst bei Bedürftigkeit setzt eine Hilfe ein. "Allein die Beerdigungskosten für ein Gewaltopfer können eine Familie ruinieren", sagt Pfeiffer.

Seit 17 Jahren arbeitet sie für den Verein und verfügt über viel Erfahrung. "So 16 Morde werden wohl dabei gewesen sein", sagt sie. Seit 2015 gibt es das Gesetz zur Opferhilfe. Dadurch sei die Arbeit besser geworden, sagt Pfeiffer, und auch die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniere gut. "Je nach Fall vermitteln die Beamten die Opfer an uns". Ist eine Hilfsbedürftigkeit festgestellt, gibt es "Hilfeschecks" für kostenlose Erstberatungen durch einen Anwalt, eine rechtsmedizinische Untersuchung oder eine psychologische Beratung. Die ehrenamtlichen Helfer leisten menschlichen Beistand und begleiten die Betroffenen zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. In bestimmten Fällen werden Anwaltskosten und Erholungsmaßnahmen übernommen und finanzielle Unterstützungen zur Überbrückung tatbedingter Notlagen geleistet.

Wie bei fast allen Vereinen fehlt es an Nachwuchs. "Seit dem es keine 'Nur-Hausfrauen' mehr gibt, ist es schwierig geworden", sagt Pfeiffer. "Heute sind ja alle beruflich komplett eingebunden, da bleibt kaum Zeit". Nach einer Ausbildung, die in mehreren Seminaren stattfindet, treten die neuen Mitarbeiter ihren Dienst an. "Learning by doing, wir nehmen sie an die Hand", sagt Pfeiffer und ist froh, dass sie ganz aktuell eine mögliche Nachfolgerin einarbeiteten kann.

Jedes Jahr am 22. März findet der "Tag der Kriminalitätsopfer" statt. Damit erinnert der Verein an die durch Kriminalität und Gewalt geschädigten Opfer.

Kontakt Außenstelle Bergisch Gladbach, Renate Pfeiffer, Tel. 02202 9263967. Kostenloses Opfer-Telefon 116 006. www.weisser-ring.de

(wsb)
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