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Wermelskirchen
Weniger Gemeindeglieder, weniger Pfarrer

Wermelskirchen. Gemeindeversammlung: Evangelische Kirchengemeinde Wermelskirchen blickt in die Zukunft. Es gibt größere Bezirke. Von Theresa Demski

Die Zahlen der Gemeindeglieder sinken. Das ist nicht neu. Wie die Evangelische Kirchengemeinde in Wermelskirchen damit ab 2020 umgehen will, aber schon. Während der Gemeindeversammlung in Tente stellte Presbyteriumsvorsitzende Almuth Conrad gemeinsam mit ihren Kollegen Ideen für die Zukunft vor und bat um Rückmeldung der Gemeinde. Zusammengefasst: Die Menschen werden mit weniger Pfarrern und größeren Bezirken leben müssen.

"Die Neuerung der Strukturen ist nötig", schickte Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski den Gesprächen voraus. Kraftvoll und im Vertrauen auf Gott, nicht kopflos und mutlos ginge man sie an. Und das Presbyterium sei sich bewusst, dass Veränderungen oft schmerzvoll, aber eben auch unumgänglich seien.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Aktuell gehören 9716 Gemeindeglieder zur Kirchengemeinde. Auf die fünf Bezirke fallen 4,25 Pfarrstellen. Im Westen ist Pfarrer Ulrich Seng zuständig, im Norden Pfarrer Volker Lubinetzki, im Osten Pfarrer Hartmut Demski und Pfarrer Manfred Jetter, in Hünger Almuth Conrad und in Tente Sabrina Frackenpohl-Koberski. Aktuell ist die Pfarrstelle in Tente zu 50 Prozent, die im Nordbezirk zu 75 Prozent besetzt. Das Presbyterium geht davon aus, dass 2020 noch 9250 Menschen in Wermelskirchen der Kirchengemeinde angehören. Dazu kommt, dass etwa um die gleiche Zeit Pfarrer Ulrich Seng und etwas später Pfarrer Hartmut Demski in den Ruhestand gehen. "Außerdem erreicht weniger Geld aus dem Topf der Kirchensteuer unsere Gemeinden", erklärte Lubinetzki. Ein finanzielles Problem kommt also hinzu.

Folgende zwei Ideen liegen auf dem Tisch - beide gehen davon aus, dass die Stelle von Ulrich Seng im Westbezirk nicht wieder besetzt wird, Tente und der Nordbezirk aber auf 100 Prozent aufgestockt werden. Es bleiben vier Pfarrstellen. Und die könnten folgendermaßen verplant werden: Die erste Variante sieht einen Stadtbezirk mit 6000 Mitgliedern und zwei vollen Pfarrstellen vor, dazu einen Bezirk "Burg und Hünger" mit 1900 Gemeindegliedern und Tente mit 1300 Gemeindegliedern. "Problematisch würde dann die faire Arbeitsverteilung", erklärte Lubinetzki. Denn die vier Pfarrer hätten verschieden große Bezirke zu betreuen.

Die zweite Variante sieht eine völlig neue Aufteilung in vier gleich große Bezirke mit jeweils 2300 Gemeindegliedern vor: Der Nordbezirk würde bestehen bleiben, zum Ostbezirk kämen Teile des Westbezirks hinzu. Die meisten Straßenzüge des ehemaligen Westbezirks würde aber Tente übernehmen, während der Bezirk Hünger weitestgehend bestehen bliebe. "Wir können uns vorstellen, dass diese Variante bei den Menschen in der Gemeinde zu Unwohlsein führen könnte", räumte Lubinetzki ein, "denn viele müssten ihren Bezirk wechseln."

Die große Entrüstung allerdings blieb aus. "Darüber sind wir erleichtert", erklärte Conrad später. Viele Gemeindeglieder würden heute bereits über die Grenze der Bezirke hinaus denken und Angebote annehmen, stellte sich im Gespräch heraus. Und auch mit Blick in die Zukunft würden diese Grenzen an Wichtigkeit verlieren. "Wir sind ja schließlich noch nicht am Ende der Entwicklung", stellte ein Besucher fest.

Gottesdienststätten müssten erreichbar bleiben, wünschten sich die Zuhörer und schnitten damit auch die sensible Frage an, ob alle Gemeindehäuser und Kirchen künftig erhalten werden können. Und klar wurde auch: Die strukturelle Debatte soll eine inhaltliche begleiten. Wie soll das Profil der Gemeinde künftig überhaupt aussehen?

Quelle: RP
 
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