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Wermelskirchen
Wenn Schafe zum Spiegel des Ichs werden

Wermelskirchen: Wenn Schafe zum Spiegel des Ichs werden
Simon Offermann hat die Schafe im Griff, Frank Doll beobachtet ihn im Vordergrund. FOTO: schütz/Meurs
Wermelskirchen. Wipperfürther Unternehmerinnen bieten tiergestützte Teambildung- und Kommunikationstrainings an. Dafür gehen sie eine Kooperation mit Mareike und Frank Doll in Wermelskirchen-Haarbach ein. Es ist ein ganz besonderes Training. Von Stephan Singer

Eine Handvoll Schafe entlang eines mit Pylonen abgesteckten Quadrats auf einer Weide führen oder die Tiere in ein Pferch treiben - das sind Vorhaben, die aus der Entfernung kinderleicht wirken. Aber: Schafe können einen Haken wie ein Kaninchen schlagen und sind schwups am anderen Ende der Wiese. Diese unerwartet behände Schnelligkeit erlebten die acht Teilnehmer des Team- und Kommunikationstrainings in Haarbach auf dem Hof von Mareike und Frank Doll. Eingeladen hatten dazu Jasmin Neumann und Jennifer Rada von der in Wipperfürth ansässigen Firma "FerLyNo". Am Seminartag ging es dabei natürlich nicht um das Erlernen des Schäfer-Handwerks, sondern um das Erleben und Erfahren des eigenen Ichs durch den Umgang mit den Tieren, um die Frage: Wie wirke ich auf die Tiere, kann ich mein Verhalten entsprechend steuern und anpassen, um ohne zwischenzeitliche Frustration zum Ziel zu gelangen? Die Schafe werden beim Team- und Kommunikationstraining so zum Spiegel des Ichs der Teilnehmer.

Körpergröße, Ausstrahlung oder Art der Bewegungen sind Faktoren, die die Wirkung auf die Schafe offenkundig bestimmten. So mussten einige Teilnehmer einen deutlich größeren Abstand zu den Tieren einhalten, andere konnten ihnen deutlich näher auf die wollige "Pelle" rücken, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

"Bei der Teambildung geht es um die Entwicklung vom Ich zum Wir. Jeder Einzelne muss dazu auch besonnen den Punkt überwinden, an dem er meint, es klappt nicht", beschreibt Jennifer Rada. Beim Training üben die Teilnehmer erst einmal einzeln, die Schafe zu kontrollieren, ruhig zu halten und durch ein Tor zu führen, bevor es in einem zweiten Schritt an die Aufgabe geht, dass Teilnehmer gemeinsam als Team die gewünschten Ziele bei den Tieren erreichen: Wer übernimmt die Rolle des Schäfers, wer die der Schäferhunde?

Jennifer Rada (28 Jahre) und Jasmin Neumann (25 Jahre) lernten sich bei der Ausbildung zur Therapiehundeführerin kennen. Mit ihren Tieren arbeiten sie unter anderem in den Krankenhäusern in Schwelm und Wipperfürth. Das Teambildungs- und Kommunikationstraining soll nun das Angebot ihrer Firma erweitern. Dazu kooperieren sie mit den Wermelskirchenern Mareike und Frank Doll, die auch Züchter der Australian Working Kelpies, der Therapiehunde, sind. Tiergestützte Methoden zur Bewältigung von Dyskalkulien, zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit oder Logopädie gehören genauso zum Angebot von "FerLyNo" wie Bewegungstherapien oder die Behandlung von psychischen Erkrankungen. Die Teambildungs- und Kommunikationsseminare richten sich in erster Linie an Unternehmen und sollen so oft stattfinden, wie es die Nachfrage hergibt.

Bei der Trainingspremiere gehörte die 32-jährige Alexandra Müsch aus Neuss zu den Teilnehmern: "Mich hat die Neugier hierher getrieben." Die Grafikerin und bekennende Tierliebhaberin stellte fest: "Man macht sich vorher einen Plan, muss dann aber schnell wechseln können und flexibel auf die Schafe reagieren - das nehme ich für mich mit!"

Frank Doll lobte Teilnehmerin Lena Peitler: "Es sah fast aus, als würde sie mit den Schafen tanzen. Sie hat sich sehr zurückhaltend verhalten und ihr Ziel quasi zur Idee der Schafe werden lassen", sagte er nach dem Training.

Quelle: RP
 
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