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Wermelskirchen
Wermelskirchen hatte Sturm-Glück gehabt

Wermelskirchen: Wermelskirchen hatte Sturm-Glück gehabt
Umgeknickt wie ein Streichholz: Neben solchen Windbrüchen wie hier im Bereich Lüffringhausen gab es auch einzelne Windwürfe - Bäume fielen samt Wurzelteller um. Solveig Pudelski FOTO: Solveig Pudelski
Wermelskirchen. Schäden im Wald halten sich nach Angaben des Revierförsters noch in Grenzen. Große Nachfrage nach Brennholz. Von Solveig Pudelski

Noch vor wenigen Wochen glich der Waldspaziergang einem Hürdenlauf - auf vielen Wegen lagen nach dem Orkan "Friederike" dicke Äste, entwurzelte Bäume oder Stämme, abgebrochen wie ein XXL-Streichholz. In Baumkronen hing abgebrochenes Astwerk - als ob ein Zyklon im Wald gewütet hätte. Doch verglichen mit anderen Regionen hatte Wermelskirchen noch Glück.

"Insgesamt betrachtet, sind wir noch einmal glimpflich davongekommen", resümiert Stefan Springer, Revierförster in Wermelskirchen. Nach Friederike hieß es für ihn im ersten Schritt, eine Schadensaufnahme zu erstellen - beim Durchschreiten der Wälder - und außerdem für die Verkehrsicherheit zu sorgen. Die Forstbehörde hatte zunächst dringend von Waldbesuchen abgeraten. Inzwischen wurde das Betretungsverbot aufgehoben, weil die Wege wieder frei sind - teilweise liegen die Stämme gekürzt für Kaminbesitzer zum Abholen bereit.

"Das Telefon stand nicht still. Viele Waldbesitzer wünschten eine Beratung und eine Beurteilung der Schäden", beschreibt Springer die Reaktionen nach dem Sturm. Und viele Anrufer erkundigten sich, ob sie die umgeknickten Stämme als Brennholz kaufen könnten. Insgesamt fielen nach Schätzungen des Revierförsters rund 500 Festmeter Holz an. "Alle Baumarten sind vertreten." Angesichts einer Waldfläche von insgesamt 3165 Hektar sei das ein geringer Sturmschaden. "Es gab kleinere Einzelwürfe und Windbruch", sagt Springer. Als Wurf gilt, wenn ein Baum samt Wurzelteller umfällt, was auf dem durchgeweichten Boden zum Zeitpunkt der Sturms häufiger passierte als bei anderen Stürmen. Im Bereich Kolfhausen und Bechhausen/Eschhausen war ein Laubwald komplett umgefallen. Viele private Waldbesitzer suchen nun die Beratung des Experten: Welche Baumarten kann ich pflanzen? Setze ich auf natürliche Waldverjüngung? Was kann ich vorbeugend gegen solche Sturmschäden unternehmen? Eine Standardantwort gibt es nicht.

Zum letzten Punkt merkt Stefan Springer an, dass eine Kontrolle und Pflege der Bäume ratsam ist. "Fäulnis oder ein angerissener Stamm haben einen Einfluss auf die Standfestigkeit der Bäume", sagt Springer. Wer ihn oder einen anderen Fachmann mit der Beurteilung der Bäume und der entsprechenden Dokumentation auftragt, hat im Schadensfall bessere Karten, weil er nachweisen kann, dass der Baum kerngesund war.

Vor einer Wiederaufforstung rät der Revierförster, bei der Wahl der Baumarten den Standort zu berücksichtigen: Süd- oder Nordhang? Ist eine Wasserlauf in der Nähe? Wie ist der Boden? Buche, Eiche, Ahorn aber auch Roteiche, Douglasie, Edelkastanie und Kirsche gedeihen in der Regel gut.

Wer jetzt einen schönen Buchenstamm im Wald liegen sieht und sogleich an ein knisterndes Feuer im Kamin denkt, muss zuerst den Vertrag über den Holzkauf unter Dach und Fach bringen - es einfach mitzunehmen, wäre Diebstahl. Revierförster Stefan Springer versteht seinen Job als Dienstleistung und übernimmt diesen Part, den er dem Holzkunden selbstverständlich in Rechnung stellt. Dazu gehört die Begutachtung und das Vermessen des Holzes, Aufsetzen des Kaufvertrages und zum Teil auch die Einweisung vor Ort. Wichtig für alle Interessenten: Die Käufer müssen nicht nur den sogenannten Kettensägen-Führerschein vorweisen, ehe sie das Holz zerkleinern, sondern auch die entsprechende Schutzausrüstung besitzen und die Sicherheitsvorschriften kennen. Vor dem schönen Kaminabend wartet harte, handfeste Arbeit auf den Holzkäufer.

Quelle: RP
 
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