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Eric Weik
"Wermelskirchen ist auf einem guten Weg"

Eric Weik: "Wermelskirchen ist auf einem guten Weg"
Zu Besuch in der alten beruflichen Heimat: Eric Weik vor dem Rathaus. Eine Langfassung des Interviews gibts online: www.rp-online.de/wermelskirchen FOTO: Moll
Wermelskirchen. Eric Weik spricht über die ersten Monate nach seiner Amtszeit als Bürgermeister, über Nachfolger Rainer Bleek und über seine Beziehung zu Wermelskirchen. "Ich finde, dass die Menschen mich jetzt positiver wahrnehmen", sagt der 45-Jährige.

Herr Weik, wie fühlt es sich an, vor dem Rathaus als Privatperson zu stehen und nicht mehr als Bürgermeister?

Weik Es ist komisch. Ich bin ein paar Mal ums Rathaus herumgegangen und habe mir die Baustelle angesehen. Diese Fassade macht mir immer noch ein ungutes Gefühl und ein schlechtes Gewissen, denn ich war daran mitbeteiligt, dass es bislang mit der neuen Fassade noch nicht geklappt hat. Das ist echt schade. Allerdings erlebe ich immer wieder auch schöne Dinge, wenn ich in Wermelskirchen bin.

Zum Beispiel?

Weik Ich stehe kurz vor dem Stadtcafé, da winkt bereits jemand und grüßt. Viele Leute sprechen mich auf der Straße an und fragen, wie es mir geht. Und sie sehen echt so aus, als würden sie sich freuen, mich zu sehen. (lacht) Ich fühle mich wirklich immer noch sehr wohl und willkommen in Wermelskirchen. Ich habe das Gefühl, die Menschen nehmen mich jetzt positiver wahr.

Wie schwer ist Ihnen der Abschied gefallen?

Weik Ganz ehrlich? Nicht schwer. Ich habe die Entscheidung, als Bürgermeister aufzuhören, bewusst getroffen, habe mir das lange überlegt und mich lange auf den letzten Tag als Bürgermeister vorbereitet. Elf Jahre waren eine lange Zeit, für mich war es genau der richtige Zeitpunkt, etwas Anderes zu machen. Der Job bei der IHK in Bochum ist genau das, was ich machen wollte.

Wie sehr unterscheidet sich Ihr neuer Job vom Amt des Bürgermeisters?

Weik Er ist nicht völlig anders. Auch die IHK ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, viele Abläufe sind ähnlich. Auch die IHK nimmt öffentliche Aufgaben wahr und befindet sich zwischen Dienstleister und hoheitlicher Behörde.

Für wie viele Mitarbeiter sind Sie bei der IHK verantwortlich?

Weik Ungefähr 60, also deutlich weniger als in der Stadtverwaltung von Wermelskirchen, wo etwa 400 Mitarbeiter tätig sind. Ich werde bald alle IHK-Mitarbeiter mit Vor- und Nachnamen kennen – das war in der Stadtverwaltung nicht zu schaffen.

Wie haben Sie sich in Ihrem neuen Job zurechtgefunden?

Weik Ich bin heute noch damit beschäftigt, neue Leute kennenzulernen. Die Region ist groß, der Kammerbezirk reicht von Herne über Bochum bis Witten und Hattingen. Etwa 700.000 Menschen leben in der Region, es sind vier große Stadtverwaltungen und entsprechend auch viele Fraktionen in den Stadträten, dazu ein Polizei- und Regierungspräsidium. Bei vielen neuen Kontaktpersonen habe ich mich bereits vorgestellt, einige fehlen noch. Ich muss aber auch diese Städte kennenlernen und ein Gefühl dafür entwickeln, wo die Probleme sind, woran es hakt und wo man anpacken muss. Das ist ähnlich wie im Job als Bürgermeister. Ich profitiere viel von den Erfahrungen, die ich in Wermelskirchen gemacht habe.

Sind die Arbeitstage kürzer?

Weik Ja, das sind sie. Die regelmäßigen politischen Sitzungen am Abend und die vielen Wochenend-Termine fallen weg. Das ist angenehm.

Konnten Sie schon eigene Ideen einbringen?

Weik Ich bin in ständigem Austausch mit den Stadtoberhäuptern und Politikern in den Städten. Natürlich sind sie an meiner Meinung interessiert, weil ich von außen komme und sicherlich einen anderen Blick auf die Themen habe. Ich stoße auf offene Ohren.

Wie oft sind Sie noch in Wermelskirchen?

Weik Ich habe Freunde hier, außerdem lebt ein Teil meiner Familie hier – von daher bin ich mindestens einmal pro Woche hier. Wermelskirchen ist mir nicht aus den Augen und auch nicht aus dem Sinn.

Wie gut haben Sie sich privat in Bochum eingelebt?

Weik Sehr gut. Wir sind ja bereits im vergangenen Sommer umgezogen, fühlen uns in Bochum pudelwohl. Mitten in der Stadt zu wohnen, zwei Minuten von der U-Bahn-Station entfernt, viel Trubel in der Stadt – das gefällt mir sehr gut. Ich genieße das Leben in der Großstadt.

Aber es ist ein totaler Kontrast zum Leben im beschaulichen Wermelskirchen...

Weik So klein ist Wermelskirchen auch nicht, es gibt in NRW viele Städte, die kleiner sind. (lacht) Aber natürlich ist es noch mal ein großer Unterschied zwischen Bochum und Wermelskirchen, weil dort das Angebot, etwa an Gastronomie oder Kultur, einfach viel größer ist.

Und in Bochum spielt jemand, der ein öffentliches Amt bekleidet, eine viel kleinere Rolle, oder?

Weik Definitiv. Und das genieße ich auch. Ich kann in Bochum unerkannt durch die Fußgängerzone gehen. Das war hier natürlich nicht möglich, hier konnte ich nicht privat sein.

Was gibt es in Bochum nicht, dafür aber in Wermelskirchen? Was vermissen Sie?

Weik Die Nähe zu den Menschen gibt es in Bochum nicht – im positiven und auch negativen Sinne. Hier kennen sich die Menschen untereinander, sie halten zusammen, das ist in einer Großstadt nicht so ausgeprägt. Ein Beispiel war das Finale um den WDR2-Tag mit 3000 Menschen auf dem Schwanenplatz, dieser Zusammenhalt war der Wahnsinn. Die Nähe als Bürgermeister zu den Menschen hat mir hier immer gut gefallen, obwohl ich hier in der Öffentlichkeit nie der Privatmann Eric Weik sein konnte.

Wermelskirchen hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt – würden Sie dieser Aussage zustimmen?

Weik Ja, definitiv. Ein Beispiel dazu ist mir gerade auf der Telegrafenstraße aufgefallen: Vor dem Drogeriemarkt stehen Straßenmusiker mit Geigen und machen Musik, sie unterhalten die Menschen, die vorbeigehen oder gegenüber draußen vor dem Café sitzen. Das wäre früher bei den schmalen Gehwegen gar nicht möglich gewesen. Durch den Innenstadtumbau hat Wermelskirchen viel gewonnen, bei schönem Wetter hat es sogar etwas italienisches Flair. Das gefällt mir sehr gut. Die Stadt hat sich positiv entwickelt.

Wie nah sind Sie noch dran am Geschehen in der Stadt, zum Beispiel in der Politik?

Weik Ich lese Zeitung und bin über die großen Themen informiert. Ein paar sind ja leider immer noch dieselben wie vor zehn Jahren, zum Beispiel die Diskussionen über den gegenläufigen Radverkehr. Ich habe aber keinen Kontakt mehr zu Politikern aus dem Stadtrat.

Stehen Sie denn noch in Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern?

Weik Ja, zu einigen sogar. Und das soll auch so bleiben. Wir telefonieren oft und tauschen uns aus, und wenn ich Zeit habe, trinke ich auch mal einen Kaffee mit den ehemaligen Kollegen im Rathaus.

Fragt man Sie auch noch um Ihre Meinung zu aktuellen Themen?

Weik Ab und zu ist das wirklich der Fall. Da werde ich gefragt, wie ich mich in der einen oder anderen Situation verhalten würde.

Wie bewerten Sie die politischen Dauerthemen wie Radverkehr, Kunstrasen oder Brandschutz?

Weik Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich zu diesen Themen keine Bewertung abgebe – und dabei bleibt's auch. (lacht)

Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen haben Sie bis zum Schluss begleitet und sich mit aller Kraft dafür eingesetzt. Wie sehen Sie die Entwicklung in den vergangenen Monaten?

Weik Die Integration klappt sehr gut. Ich bin froh und auch stolz, dass sich die Bürger so verhalten. Die Kommunikation der Stadtverwaltung bei diesem Thema war von Anfang an gut. Ich habe natürlich von meiner beruflichen Erfahrung profitiert. Vor zehn Jahren wäre ich nicht so sensibel und souverän gewesen. Mein Nachfolger setzt diesen Weg jetzt fort, das finde ich gut.

Wie schätzen Sie die ersten Monate von Rainer Bleek als Bürgermeister ein?

Weik Ich finde, dass er die Sache gut macht. Er setzt andere Akzente als ich, aber das soll ja auch so sein – er ist schließlich auch ein ganz anderer Typ als ich.

In politischen Sitzungen gab es zuletzt auch ein paar kritische Stimmen über Ihre Arbeit als Bürgermeister, zum Beispiel beim Thema Brandschutz oder Kunstrasen. Wie gehen Sie damit um?

Weik Ich habe das nicht mitbekommen. Mein Verhältnis zu vielen Stadtratspolitikern ist hinreichend bekannt, daran hat sich nichts geändert. Ich bin Überzeugungstäter, habe bestimmte Dinge verhindert oder auch gefördert, weil ich daran geglaubt habe. Bei den genannten Themen denke ich, dass ich aus damaliger Sicht richtig gehandelt habe.

Was machen Sie am 26. August um 16 Uhr?

Weik Ich weiß, worauf Sie hinauswollen: Ich kann mir gut vorstellen, zur Kirmes nach Wermelskirchen zu kommen. Freitags zum Fassanstich werde ich aber definitiv nicht da sein. Ich will Rainer Bleek nicht die Show stehlen, so etwas macht man nicht. Außerdem sehe ich gerade im Kalender, dass die IHK am 26. August einen Betriebsausflug macht – und zwar nicht nach Wermelskirchen. Ich freue mich aber darauf, während der Kirmes ein Bier zu trinken und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Sebastian Radermacher führte das Gespräch.

Quelle: RP
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