| 18.24 Uhr

Ehepaar in Wermelskirchen erschossen
Verdächtige gesteht Tötung – Anwohner legen Kerzen nieder

Wermelskirchen: Jägerin (45) erschießt Paar in Wohnung
Wermelskirchen: Jägerin (45) erschießt Paar in Wohnung FOTO: teleact Arbabha
Wermelskirchen. Die 45-jährige Verdächtige hat zugegeben, am Freitag ein Paar erschossen zu haben, deren Mieterin sie war. Ein Freund des verstorbenen Mannes berichtete unserer Redaktion von Streitereien im Vorfeld der Tat. Anwohner legten in ihrer Trauer Blumen und Kerzen nieder.  Von Klas Libuda und Sebastian Radermacher

Die bislang tatverdächtige 45-jährige Frau hat zugegeben, am Freitagabend einen 62-jährigen Mann und seine 47-jährige Lebensgefährtin in einem Haus in Pohlhausen erschossen zu haben. Das bestätigten am Montag auf Anfrage sowohl Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer, als auch Dr. Karl-Christoph Bode, Anwalt der 45-Jährigen.

"Sie bereut ihre Tat sehr – und sie braucht Hilfe", sagte der Anwalt, der nach eigener Aussage am Samstag und Sonntag intensiv in Kontakt mit der 45-Jährigen stand. Die Frau wurde am Montag in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Eine Sachverständige habe bei der 45-Jährigen eine "wahnhafte Störung" festgestellt, teilte Ulrich Bremer mit. Dass eine Räumungsklage die Jägerin zu ihrer Tat motiviert habe, wie in den vergangenen Tagen in Pohlhausen zu hören war, bestätigte der Oberstaatsanwalt nicht. "Über die Motivlage kann man zurzeit nur spekulieren", sagte Bremer. Möglicherweise sei die Tat auch "irrational" motiviert. Bremer: "Das ist alles noch Gegenstand der Ermittlungen."

"Polizei bereits mehrfach vor Ort"

In der Redaktion meldete sich am Montag ein Mann aus dem unterfränkischen Landkreis Miltenberg, der sich als bester Freund des getöteten Mannes bezeichnete. "Wir kamen beide aus derselben Heimatstadt und kannten uns schon seit der Schulzeit." Er berichtete unter Tränen, dass es bereits im Vorfeld des Tötungsdeliktes zu Streitereien zwischen der 45-Jährigen und dem Paar gekommen sei. "Die Polizei war vor der Tat bereits mehrfach vor Ort. Ich weiß, dass die Einsätze auch dokumentiert wurden", berichtete der Mann. Oberstaatsanwalt Bremer bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion: "Es hat dort bereits Auseinandersetzungen gegeben." Details nannte er nicht.

Er sei optimistisch, dass die 45-Jährige ihr Einverständnis für eine psychiatrische Untersuchung geben wird, aus der dann hoffentlich hervorgeht, was sie zu der Tat bewogen hat. "Es kann noch etliche Wochen dauern, bis ein Ergebnis vorliegt", sagte Bremer.

Der Mann aus Niederfranken bezweifelt zudem, dass die Frau psychisch in der Lage war, überhaupt eine Waffe besitzen zu dürfen. Der Oberstaatsanwalt sagte, dass man bei den Ermittlungen darauf ein Augenmerk legen werde. Er stellte aber klar: Für das Erteilen oder das Entziehen einer Waffe sei nicht die Staatsanwaltschaft zuständig.

Auch zu Wochenbeginn waren die Anwohner in Pohlhausen fassungslos. "Entsetzen und Unglaube" herrsche unter ihren Kunden, sagte Dorfladen-Besitzerin Karla vom Stein. "Der erste Schock ist vorbei, aber das wird noch lange Thema bleiben." Am Morgen waren in ihrem Dorfladen alle Zeitungen ausverkauft. Die Menschen wollten wissen, was in ihrer Nachbarschaft vor sich ging. "Es ist eigenartig, wenn so etwas plötzlich im direkten Umfeld passiert", sagte eine Kundin.

An der Paulusstraße war am Montag Ruhe eingekehrt. Zwischenzeitlich waren noch einmal Spurensicherer am Tatort. Vor der versiegelten Haustür des getöteten Paares legten Anwohner Blumen und Kerzen nieder. Ein Sondereinsatzkommando hatte die Tatverdächtige vor Ort festgenommen, nachdem sie sich am Telefon einer Bekannten anvertraut hatte. Die Frau lebte als Mieterin im Haus des Paares.

Die Ermittlungen liegen in der Hand der Kölner Oberstaatsanwaltschaft und einer dortigen Mordkommission. Das Kommissariat Opferschutz der Kreispolizei Rhein-Berg bietet seine Hilfe an, sollten Anwohner die Geschehnisse nicht verarbeiten können.

Die Opferhilfe Weißer Ring mit Sitz in Bergisch Gladbach, die auch für Wermelskirchen zuständig ist, bietet ebenfalls ihre Unterstützung an. "Wir werden uns nicht aufdrängen", sagte Leiterin Renate Pfeiffer und fügte an: "Wir wollen niemandem unsere Hilfe aufzwingen." Angehörige sowie unmittelbar betroffene Anwohner aus Pohlhausen, die Unterstützung wünschen, können sich aber direkt mit dem Weißen Ring in Verbindung setzen unter Tel. 02202 9263967.