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Wermelskirchen
Wermelskirchener bekunden Mitgefühl

Wermelskirchen: Wermelskirchener bekunden Mitgefühl
Etwa 35 Wermelskirchener bekundeten gestern Mittag mit einer Schweigeminute auf dem Loches-Platz ihre Trauer und ihr Mitgefühl. Klaus Flanhardt (r.), Vorsitzender des AK Loches, hatte spontan zu dieser kleinen Kundgebung aufgerufen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Etwa 35 Menschen drücken auf dem Loches-Platz während einer Gedenkminute nach den Terroranschlägen in Paris Trauer und Mitgefühl aus. Kirchenglocken läuten, ein Bus bleibt während dieser Minute mitten auf der Straße stehen. Von Sebastian Radermacher und Stephan Singer

Punkt 12 Uhr, gestern Mittag: Das öffentliche Leben rund um den Loches-Platz kommt für eine Minute zum Erliegen. Das Läuten der Glocken der katholischen Kirche an der Kölner Straße sowie der evangelischen Stadtkirche am Markt ist zu hören. Ein Bus der RVK-Linie 260 bleibt vor dem Hotel Zur Eich mitten auf der Straße stehen, dahinter weitere Autos. Kein Fahrer hupt, es ist ruhig. Für einen kurzen Augenblick. Auf dem Loches-Platz haben sich etwa 35 Wermelskirchener eingefunden. Sie sind dem europaweiten Aufruf gefolgt und drücken mit dieser Gedenkminute nach den Terroranschlägen in Paris ihre Trauer und ihr Mitgefühl aus.

So gedenkt die Region der Opfer in Paris FOTO: dpa, mjh wst

Klaus Flanhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises (AK) Loches und sein Stellvertreter Jean-Pierre Grangeret haben gestern Morgen spontan einen Aufruf zu dieser kleinen Kundgebung auf dem Loches-Platz gestartet - per Rundmail an die Mitglieder des Arbeitskreises und auch öffentlich über das soziale Netzwerk Facebook. "Wir wollten auf diese Weise noch einmal ein Zeichen setzen und unser Mitgefühl zum Ausdruck bringen", betont Flanhardt. "Wir sind hier zusammengekommen, um der vielen Opfer zu gedenken. Und wir wünschen den Menschen in Frankreich viel Kraft und Stärke, damit sie diese schwierige Zeit überstehen." Während die Menschen auf dem Loches-Platz die Köpfe senken und schweigen, halten Flanhardt und weitere Trauernde zwei französische Flaggen (Trikolore) in den Händen.

Der Vorsitzende des AK Loches hat gestern Kontakt aufgenommen zu Georgette Audebert, der Präsidentin des Partnerschaftskomitees in Loches, und im Namen des gesamten Wermelskirchener Arbeitskreises Anteilnahme und Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. "Sie ist selbst direkt betroffen von den Anschlägen in Paris", erzählt Flanhardt bei der spontanen Kundgebung auf dem Loches-Platz. "Eines ihrer Enkelkinder war in dem Café, als sich dort einer der Anschläge ereignete. Dem Enkelkind ist zum Glück nichts passiert, es konnte sich in Sicherheit bringen", sagt Flanhardt.

Titelseiten: So reagiert die Weltpresse auf den Terror in Paris FOTO: kiosko.net

Was in dem Gespräch mit Georgette Audebert deutlich geworden sei: "Die Stimmung in Frankreich ist überall sehr getrübt, die Trauer groß", sagt Flanhardt und fügt an: "Auch unsere Freunde aus Loches kommen jetzt gerade zu einer Gedenkminute vor dem dortigen Rathaus zusammen."

In der übrigen Wermelskirchener Innenstadt scheinen am Mittag nur wenige von der europaweiten Gedenkminute etwas mitbekommen zu haben. Trotz des unüberhörbaren Glockengeläuts fahren die Autos wie immer über die Telegrafenstraße, Lieferanten bringen ihre Waren in den Handel, aus einem Transporter ist wegen einer heruntergelassenen Scheibe laute Schlagermusik zu hören. Das Bürgerzentrum präsentiert sich ohne Trauerbeflaggung, was vielleicht für ein wenig mehr Aufmerksamkeit gesorgt hätte. Am Amtsgericht hängen die Flaggen auf halbmast. Die Politessen des Ordnungsamtes gehen in der City weiter ihrer Arbeit nach.

Für den Wermelskirchener Thomas Coen, der an seinem Imbisswagen auf dem Loches-Platz täglich viel von der Stimmung in der Stadt mitbekommt, ist dies kein Wunder: "Das Beste, wie wir dem Terror Einhalt gebieten können, ist weiterzumachen und weiterzuleben wie bisher. Wir müssen den Terror im Alltag ignorieren, wie man es mit einem dickköpfigen Kind macht", sagt er. "Wir als im Moment nicht unmittelbar Betroffene dürfen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken - was nicht heißt, dass ich nicht schrecklich finde, was in Paris passiert ist. Viele Wermelskirchener denken so, das bestätigt sich in den vielen Gesprächen, die ich führe."

Quelle: RP
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