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Birgit Ludwig-Schieffers
Wichtige finanzielle Hilfe für Kinder

Wermelskirchen. Der Verein "Radieschen" blickt in diesem Jahr auf sein zehnjähriges Bestehen zurück. Von Anfang an im Vorstand mit dabei ist Birgit Ludwig-Schieffers. Die Geschäftsführerin spricht über die Entwicklung des Vereins, die Aufgaben und den Zeitaufwand.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Entstehung von "Radieschen"?

Ludwig-Schieffers Zu dieser Zeit war ich noch im Jugendamt der Stadtverwaltung tätig. Eine Kollegin kam zu mir und erzählte, dass eine Dame für Wermelskirchener Kinder spenden wolle, damit diese gut versorgt sind. Wir wussten anfangs nicht so wirklich, wie sich solche Möglichkeiten kanalisieren lassen. Also habe ich darüber mit dem damaligen Bürgermeister Eric Weik gesprochen - wir haben die Idee zu dem Verein entwickelt.

Es sollte zunächst allen Kindern der Zugang zum Mittagessen im Rahmen der Offenen Ganztagsschule (Ogata) gesichert werden...

Ludwig-Schieffers Genau. Der Elternbeitrag zum Besuch der Ogata staffelt sich nach Einkommensgruppen. Nichtsdestotrotz konnten sich manche Eltern die Kosten für das Mittagessen - zwischen 35 und 50 Euro monatlich - nicht leisten. Wir haben die Schulen befragt, die uns direkt Fälle meldeten. Dank einer 10.000-Euro-Spende eines Wermelskirchener Unternehmens und einer 5000-Euro-Spende von der Ortsgruppe des Kinderschutzbundes hatten wir das Startkapital, um von Beginn an zu unterstützen. 2007 finanzierten wir das Ogata-Mittagessen für 38 Kinder. Diese Zahl stieg dann stetig. 2010 kamen Mittagessen in Kindertagesstätten hinzu, 2011 übernahmen wir die Kosten für Mittagessen von 125 Jungen und Mädchen in Wermelskirchen.

Seit 2012 ist das Bildungs- und Teilhabe-Gesetz (BuT) in Kraft. Dadurch übernimmt die öffentliche Hand die Kosten für die Mittagsessen bedürftiger Kinder oder auch den Mitgliedsbeitrag in einem Sportverein. "Radieschen" gibt es aber immer noch...

Ludwig-Schieffers Das BuT hilft, aber eben nicht immer. Deshalb haben wir unseren Vereinszweck breiter aufgestellt. Ein Kind, das Fußball oder Tennis spielen will, braucht nicht nur den Vereinsbeitrag, sondern auch die Schuhe oder den Schläger. Manche Eltern liegen mit ihrem Einkommen knapp über der Bemessungsgrenze und bekommen daher durch BuT nichts, brauchen aber für die Förderung ihres Kindes dennoch Geld. Da setzt "Radieschen" an - stets weniger projektbezogen. Uns geht es um das einzelne Kind, das aus Wermelskirchen stammen muss. Und nach wie vor unterstützen wir hier 15 Kinder mit 5500 Euro jährlich für deren Mittagessen.

Der Bedarf ist da und kommt auch bei "Radieschen" an?

Ludwig-Schieffers Es lief in den ersten zwei Jahren nach 2012 etwas schwierig an. So etwas muss sich herumsprechen. Seit den vergangenen 24 Monaten läuft es besser.

Wer wendet sich in Wermelskirchen wie an "Radieschen"?

Ludwig-Schieffers Mal sind es die Eltern direkt, mal ist es der Übungsleiter eines Vereins oder zum Beispiel der Musikschule. Wenn mich eine Anfrage erreicht, fülle ich ein Formblatt aus und gebe eine Einschätzung ab. Diese leite ich an den "Radieschen"-Vorsitzenden Rainer Bleek und dessen Stellvertreter Jochen Bilstein weiter. Wir sprechen unter Umständen darüber, geben alle unser "Ok" - dann überweise ich den Förderbetrag. Wir holen uns aber immer die Bestätigung eines Dritten ein, zum Beispiel die des Sportvereins, wenn es um Sportausrüstung geht.

Das klingt nach viel Arbeit.

Ludwig-Schieffers Ich übe für "Radieschen" ein Ehrenamt aus und mache das in meiner Freizeit. Durch die geregelten Strukturen hält sich der Aufwand in Grenzen und ist leistbar. Es hilft natürlich, dass ich durch meine beruflichen Erfahrungen ein Gespür für Notlagen habe, den Verwaltungsapparat kenne und weiß, wo gesetzlich nichts drin ist.

Wo ziehen Sie Grenzen?

Ludwig-Schieffers Wir zahlen nicht die komplette Skifreizeit, aber eben wohl den Skianzug, der einem Kind zur Teilnahme fehlt.

Nehmen Sie die Eltern mit in die Pflicht?

Ludwig-Schieffers Aktuell steht unser Zirkusprojekt in den Herbstferien an. 50 Prozent der Gesamtkosten dafür trägt "Radieschen" sowieso. Die andere Hälfte muss über die Teilnahmegebühr von 65 Euro pro Kind hereinkommen. Wir haben 90 Plätze und gehen davon aus, dass es ausverkauft sein wird. Melden sich Eltern und sagen, dass sie sich beispielsweise 130 Euro für zwei Geschwisterkinder nicht leisten, aber wohl 80 Euro zahlen können, übernehmen wir den Rest.

Der Verein "Radieschen" überprüft aber keine Einkommen der Eltern , oder?

Ludwig-Schieffers Nein. Wir handeln auf Treu und Glauben. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren nicht einmal den Eindruck gehabt, dass wir über den Tisch gezogen wurden.

STEPHAN SINGER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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