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Wermelskirchen
„Wir brauchen mehr Dauerparkplätze“

Wermelskirchen: „Wir brauchen mehr Dauerparkplätze“
Der Technische Beigeordnete von Wermelskirchen, Dr. André Benedict Prusa. FOTO: Moll, J�rgen
Wermelskirchen. Der Technische Beigeordnete Dr. André Benedict Prusa über den Durchgangsverkehr auf der Telegrafenstraße, Parkplätze und das Thema Radverkehr.

Herr Dr. Prusa, es wird zurzeit viel über die Verkehrssituation in der Innenstadt diskutiert – wünschen Sie sich manchmal, dass die Telegrafenstraße gar nicht existieren würde?

Prusa Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Telegrafenstraße ist eine der attraktivsten Bereiche in Wermelskirchen. Mich wundert, dass sie als ein so großes Problem dargestellt wird. Die Straße ist relativ komplex, teilweise mit Allee-Charakter und einem einheitlichen Ausbau-Status. Wenn ich Bilder von früher sehe, muss ich sagen: Da hätte doch niemand durchgehen wollen.

Es gibt aber Probleme auf der Telegrafenstraße.

Prusa Ja, die Verkehrsregelung macht teilweise Probleme. Viele denken, eine Planung wie in der Telegrafenstraße ist eine tote Materie, das stimmt aber nicht: Die Straße ist wie ein Patient. Wir müssen uns bei der Verkehrsplanung klar machen, dass wir in einen "lebenden Organismus" eingreifen. Wenn man so denkt, wundert man sich nicht, dass es dort Probleme gibt. Es verändern sich viele Dinge im Laufe der Zeit: das Verkehrsaufkommen, das Einkaufsverhalten oder zum Beispiel die Größe der Autos. Letzteres wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen, wenn es um die Breite der Parkplätze geht. Nehmen wir die Bushaltestelle am Rathaus als Beispiel für die Verkehrslage.

Was ist daran problematisch?

Prusa Viele wissen nicht, dass man dort 15 Meter vor und nach der Haltestelle nicht parken darf. Oft stehen Autos in diesem Bereich – dann wird es problematisch, weil der lange Gelenkbus einscheren muss. Er ragt dann zu weit auf die Straße – und wenn gegenüber ein Auto hält, geht nichts mehr. Wenn sich alle regelgerecht verhalten, passiert dort nichts. Das ist aber oftmals nicht der Fall.

Wie gehen Sie mit der Problematik um?

Prusa Wir können versuchen, die Parksituation mit Verkehrszeichen zu regeln. Es gibt zum Beispiel Kurzzeitparkplätze für maximal 30 Minuten oder eine Stunde, um Einkäufe in der Telegrafenstraße erledigen zu können. Und wir erlauben den Autofahrern, dass sie auf beiden Seiten am Straßenrand halten dürfen – auf dem Gehweg darf aber kein Auto stehen.

Bei vielen Autofahrern wird aus dem Halten aber ein Parken...

Prusa Das ist leider so. Rechtlich muss man beim Halten im Auto sitzen bleiben, man darf es nur zum Be- oder Entladen verlassen, und der Kofferraum muss offen sein. Wenn man aussteigt und in ein Geschäft geht, ist es Parken – und das ist verboten. Parken ist nur auf den dafür gekennzeichneten Flächen erlaubt. Die Frage ist: Muss man als Verkehrsplaner deswegen in Panik verfallen? Ich denke nicht.

Sondern?

Prusa Ich denke, dass man den Leuten Zeit geben sollte, um sich an die Situation zu gewöhnen. Und dann muss man alles noch mal analysieren. Das Halten am Rand und auch das Weiterdrehen der Parkscheibe hat sich in Wermelskirchen in den vergangenen Jahren eingebürgert. Dass das rechtlich nicht korrekt ist, ist klar. Wenn Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts diese Vergehen ahnden, gibt es die ausgefallensten Ausreden.

Was könnte die Stadt machen?

Prusa Die Politessen könnten die Parkdauer kontrollieren, indem sie die Position der Ventile notieren – dann sehen sie, ob das Auto die ganze Zeit dort stand. Auf dieses Vorgehen verzichten wird aber. Und wird stocken auch kein Personal auf, um mehr zu kontrollieren. Will jemand so viel Unfrieden bei einer Sache, die sich einspielen muss? Die Autofahrer machen ja nichts Schlimmes, sie wollen sich nur versorgen. Wir wollen ja, dass es in der Innenstadt brummt, da können wir jetzt nicht nur über die Folgen klagen.

Wo ist der Knackpunkt in der Telegrafenstraße?

Prusa Eine Situation darf es auf keinen Fall geben: Die Durchfahrt darf wegen haltender Fahrzeuge nicht blockiert werden, wenn Rettungsfahrzeuge dort herfahren müssen. Es gibt Lösungsansätze, die man abwägen muss: Eine Möglichkeit wäre auf beiden Seiten ein absolutes Halteverbot. Dann gäbe es aber das Problem, dass Leute nicht mal eben vor den Geschäften halten – und auch die Zulieferer der Händler dürften nicht mehr halten. Wir müssten dann Ladezonen an anderen Stellen schaffen, diese würden wiederum die Blockparkbuchten beeinträchtigen. Und die Zulieferer müssten mit geschlossenen Behältern über die Straße gehen. Das würde gegen ein Halteverbot sprechen.

Der gegenläufige Radverkehr hätte auch einen Einfluss.

Prusa Das ist richtig. Die härteste Variante wäre sicherlich eine Fahrradstraße. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir in Wermelskirchen schon so weit sind. Die Fahrradstraße würde dafür sorgen, dass die das Geschwindigkeitsniveau gesenkt würde, was ich gut fände. Ich bezweifle aber, ob die Autofahrer im Bergischen darauf eingestellt sind, konzentriert hinter einem Radfahrer herzufahren. Denn bei einer Fahrradstraße hätten Radfahrer immer Vorrang. Und die fahren nicht immer schnurstracks durch die Stadt. Fakt ist: Radfahrer müssen auch Rücksicht nehmen.

Wie sehen Sie die Variante mit einem Radfahrstreifen?

Prusa Dieser hat einen so hohen Schutzstatus für Radfahrer, dass wir im Prinzip ein absolutes Halteverbot für Autos hätten. Dann gäbe es wieder das Problem mit den Ladezonen. Das große Rätsel wird sein: Würden sich die Bürger – vor allem die älteren Menschen – daran gewöhnen, nach links zu schauen, bevor sie über die Straße gehen. Und genau das haben sie in der Vergangenheit nicht gemacht. Das haben wir ein Jahr lang beobachtet. Wir wollen die Telegrafenstraße als verkehrsberuhigte Geschäftsstraße, in der sich die Menschen tummeln. Die große Herausforderung wird sein, das zu kombinieren. Deswegen möchte ich der Politik die Entscheidung nicht vorwegnehmen.

Würde der gegenläufige Radverkehr den Durchgangsverkehr reduzieren?

Prusa Ich denke, es würde zwei Verdrängungseffekte geben: Zum einen würden mehr Autos auf den Brückenweg ausweichen. Zum anderen würden womöglich die Einzelhändler kritisieren, dass die Kunden verdrängt werden. Das Einkaufsverhalten in der Telegrafenstraße ist einfach geprägt von Autofahrern, die dort halten und ihren täglichen Bedarf erledigen – und nicht von Menschen, die am Loches-Platz parken und zu Fuß losgehen.

Wie sehen Sie die aktuellen Routen für Radfahrer über den Brückenweg und die Kölner Straße?

Prusa Der Brückenweg ist eine unbefriedigende Lösung. Der Radfahrer wurde aus der Not gedrungen auf diese Entlastungsstraße gedrängt. Das ist verkehrstechnisch machbar, aber man sieht, dass Rad- und Autofahrer nicht richtig harmonieren. Die Kölner Straße empfinde ich gar nicht als so schlecht. Es geht zwar steiler bergab, aber das ist im Bergischen Land nicht unüblich. Es wird keine partiellen Eingriffe beim Thema Verkehr mehr geben, sondern es wird der Verkehrsentwicklungsplan aktualisiert, in dem die Gesamtsituation bewertet wird.

Wären die Kölner Straße und der Brückenweg als Routen hinfällig, sollte sich die Politik für den gegenläufigen Radverkehr in der Telegrafenstraße entscheiden?

Prusa Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich persönlich würde dann den Brückenweg als Route für Radfahrer streichen. Die Kölner Straße könnte als Alternative für Radfahrer bleiben, die nicht durch die Telegrafenstraße fahren möchten.

Viele Bürger kritisieren, dass der gegenläufige Radverkehr jetzt wieder aufgegriffen wird, obwohl es einen politischen Beschluss dagegen gibt.

Prusa Die Menschen, die sagen, dass das Thema doch eigentlich gegessen ist, haben zunächst einmal recht. Unabhängig davon kann man diese Situation aber verkehrstechnisch noch mal diskutieren. Das muss aber keine Auswirkungen haben. Es geht um die These, dass der Radverkehr besonders wertvoll ist für die Telegrafenstraße. Die Radfahrer haben dort eine besonders hohe Aufenthaltsqualität. Dass es bei dem Thema in der Bevölkerung unterschiedliche Meinungen gibt, ist normal.

Wie viel Zeit wird vergehen, bis die nächsten Schritte in Sachen Verkehr in der Innenstadt in Angriff genommen werden?

Prusa Im Gesamtpaket Planung mit Umsetzung sicherlich fünf Jahre. Bis sich alles eingespielt hat, werden etwa zehn Jahre vergehen.

Gibt es rund um die Telegrafenstraße genügend Parkplätze?

Prusa Theoretisch ja, praktisch nein. Es gibt etwa rund 2000 Parkplätze in der Innenstadt, aber in der Praxis findet man oft keine Plätze. Es gibt erfreulich viele Arbeitsplätze in der City, die Arbeitnehmer nutzen natürlich die verfügbaren Dauerparkplätze. Der Bedarf liegt bei ungefähr 400 Dauerparkplätzen. In diesem Bereich müssen wir nachbessern. Wir brauchen weitere Parkplätze.

Haben Sie Pläne für weitere Parkplätze?

Prusa Ja. Auf dem Loches-Platz werden etwa 20 Parkplätze hergerichtet, die Arbeiten beginnen im April. Und in zwei bis drei Monaten wird neben der Feuerwache an der Dresslerschen Halle eine Fläche als Schotterparkplatz hergerichtet.

Wie sieht es mit dem Parkhaus im ehemaligen Kaufpark aus?

Prusa Wir haben probiert, das Parkhaus auszukoppeln, um weitere Parkplätze anbieten zu können. Die Umsetzung hätte von den Kosten her auch gepasst. Trotzdem wird dieser Plan wahrscheinlich scheitern, da der Eigentümer mittlerweile in Verhandlung mit einer Immobilienfirma steht, die das Parkhaus wohl selbst nutzen möchte.

Sebastian Radermacher führte das Gespräch.

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