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Wermelskirchen
Wirtschaft: Brexit wäre ein Rückschlag

Wermelskirchen. Die Wermelskirchener Wirtschaft hat enge Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien. Dorthin werden aus NRW jährlich Waren im Wert von 14 Milliarden Euro exportiert. Bei einem EU-Austritt der Briten drohen Umsatzeinbußen. Von Tim Kronner

Heute ist es soweit: In Großbritannien gehen die Menschen zu den Wahlurnen, um über die Zukunft ihres Landes abzustimmen. Die Briten müssen in diesem Referendum entscheiden, ob sie in der Europäischen Union bleiben oder den Weg des sogenannten Brexit gehen wollen. Falls Großbritannien aus der EU austreten sollte, wären die Folgen für die deutsche Wirtschaft nicht absehbar. Wegen dieser Unsicherheit sind auch die Wermelskirchener Unternehmen, die international agieren, von der Idee eines Brexit wenig begeistert. "Das wäre ein Rückschlag, den man im Moment noch nicht beziffern kann", sagt Stefan Fröhlingsdorf, Vertriebsleiter International bei Tente-Rollen.

Denn der global agierende Rollenhersteller pflegt starke wirtschaftliche Beziehungen nach England. "Deshalb beunruhigt mich diese Entwicklung natürlich", erklärt Fröhlingsdorf. Die Welt würde von einem Brexit aber nicht untergehen. Tente könne die Verluste auffangen. "Wir sind international stark aufgestellt", betont der Vertriebsleiter.

Genau beobachtet wird das heutige Referendum auch bei der Firma Interroll. Das Unternehmen hat zwar keine eigen Fertigung in Großbritannien, ist aber seit vielen Jahren auf dem Markt aktiv. "Wir verfolgen die Abstimmung natürlich, warten aber erstmal das Ergebnis ab", sagt Pressesprecher Erwin Teichmann. Ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens könnte sich zwar wirtschaftlich bemerkbar machen, Angst um seinen Arbeitsplatz muss bei Interroll aber niemand haben. "Dieses Szenario wird mit Sicherheit nicht eintreten", sagt Teichmann.

Bei der IHK Köln hofft man, dass die Briten in der EU bleiben. "Da geht es uns nicht anders als dem Rest der Wirtschaft. Wir hoffen, dass es nicht zum Brexit kommt", sagt Eva Babatz, die das Wirtschaftsgremium Wermelskirchen betreut. Sie hat mit den Unternehmern der Region gesprochen und weiß, dass diese gegen den Brexit sind. Das bestätigt auch Christoph Hanke, stellvertretender Geschäftsführer des Bereiches "International" bei der IHK Köln. "Eine Umfrage der Deutsch-Britischen Handelskammer hat ergeben, dass 80 Prozent der Mitglieder gegen den EU-Austritt Großbritanniens sind", berichtet Hanke. Denn Großbritannien sei ein wichtiger Partner - nur in die USA und nach Frankreich werden mehr Waren aus NRW exportiert. "Wenn es zum Brexit kommt, erwarten wir starke Umsatzeinbußen und den Rückgang von Investitionen für alle international tätigen Unternehmen aus NRW", sagt Hanke.

Nach dem möglichen Brexit könnte es Jahre dauern, bis sich die Situation wieder beruhigt hat. "Es ist völlig offen, wie sich der Handel mit einem Großbritannien außerhalb der EU gestalten würde. Die Folgen würden uns mit Sicherheit die nächsten zwei bis fünf Jahre zu schaffen machen", erklärt Hanke. Zölle könnten die Waren für beide Seiten teurer machen, und Währungsschwankungen würden für Probleme sorgen. "Wermelskirchen hat zwar eine starke Industrie, aber die Folgen eines Brexit sind trotzdem schwer abzuschätzen", sagt Hanke.

Bei der Firma Steintex macht man sich langfristig gesehen keine großen Sorgen. "Wir haben gute gewachsene Kontakte nach England. Ich glaube nicht, dass die über Nacht zusammenbrechen", sagt Geschäftsführer Walter vom Stein. Trotzdem sieht er im Falle eines Brexit Schwierigkeiten auf sein Unternehmen zukommen. "In der praktischen Umsetzung gäbe es natürlich einige neue Hürden", meint vom Stein. "Wenn eine Geliebte auszieht, gibt's immer erstmal Schmerz", beschreibt er. Das größte Problem sieht er aber weniger für die Wermelskirchener Wirtschaft, als für ganz Europa. "Wir dürfen unsere Vielfalt und unseren Zusammenhalt nicht aufgeben - das ist unsere Stärke. Um diese nicht zu gefährden, sollte Großbritannien in der EU bleiben", sagt vom Stein.

Quelle: RP
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