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Wermelskirchen
Wohnraum für Ältere ist kaum bezahlbar

Wermelskirchen: Wohnraum für Ältere ist kaum bezahlbar
Gibt es in der Innenstadt von Wermelskirchen noch bezahlbaren Wohnraum für Senioren? Darüber wurde im Haus der Begegnung diskutiert. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Der politische Frühschoppen im Haus der Begegnung beschäftigte sich gestern Mittag mit einem Thema, das sehr viele Interessierte anlockte. Von Bernd Geisler

Dass sich für das Thema "Bezahlbares Wohnen für Senioren" im Haus der Begegnung viele interessieren, liegt auf der Hand. Kein Wunder also, dass der politische Frühschoppen gestern Vormittag viele Besucher anlockte. Wer sich gleichwohl davon eine aktuelle Verbesserung seiner momentanen Wohnsituation versprochen hatte, ging mit einem langen Gesicht nach Hause. Eingeladen hatten die Moderatoren Klaus Flanhardt und Hartmut Lürtzing Podiumsgäste aus Wermelskirchen, die dieses Thema von verschiedenen Seiten beleuchten konnten: Brigitte Krips (Caritas), Martin Bosbach (Vorsitzender Ausschuss für Bau und Umwelt), Rolf Körschgen (Bauunternehmer) und Andreas Weger (Gemeinnütziger Bauverein).

Fazit: Für alle Senioren barrierefreie Wohnungen in Stadtnähe und zu den billigen Mieten des sozialen Wohnungsbaus zu schaffen, ist schlichtweg unmöglich. Von der Stadtnähe ganz zu schweigen, rechnete Körschgen anhand eines selbst finanzierten barrierefreien Gebäudes an der Thomas-Mann-Straße vor, dass nach etwa 33 Jahren die reinen Investitionen ohne Zinsen durch die Miete pro Quadratmeter von 5,25 Euro abgegolten sind. "So verbrennen Sie Geld", sagte er. Was ist also zu tun? Man müsse die Politik (Bund, Land und Kommunen) zusammen mit der Wirtschaft und auch mit den Senioren (Mehrgenerationenhaus) an einen Tisch bringen, hieß es. Das klang nach nicht realisierbarer, grauer Theorie. Die vom Land zur Verfügung gestellten Mittel reichten dafür auch nicht aus. Sie berücksichtigten etwa überhaupt nicht die steigenden Nebenkosten (2. Miete).

"Und was heißt eigentlich bezahlbar?", fragte Krips. Einen groben Anhaltspunkt liefern dazu Mietpreisobergrenze und zur Verfügung stehende Rente (siehe Kasten). Ist das für Wermelskirchen realistisch? Grundstücke der Stadt gäbe es, sagte Bosbach. Aber, ob sie auch dafür benutzt werden, läge "an der politischen Entscheidungsfindung". Die Alternative: Alte bestehende Gebäude renovieren und barrierefrei umbauen? Erster Nachteil: Natürlich befinden sich diese Gebäude nicht unbedingt in Innenstadtnähe. Zweites Problem: Die sich stetig ändernden, zu beachtenden Energiespar-Verordnungen verteuern die (Um-)Baukosten. "Wenn ich an diese Verordnungen denke, schwillt mir der Kamm", sagte Körschgen. Viele seien unsinnig: Was auf der einen Seite gespart würde, wie etwa durch zusätzliche Wärmedämmung, müsste auf der anderen Seite mehrfach wieder ausgegeben werden, zum Beispiel durch neue Lüftungssysteme.

Aus der Praxis schilderte auch Weger. Der Bauverein habe 50 Wohnungen renoviert. Die durchschnittlichen Kosten dafür lagen zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Dieses Geld könne man nicht durch Mieten wieder hereinholen. Da sei Hilfe von außen nötig. Aber die sei nicht vorhanden. "Es fehlt das Geld." Einen kleinen Lichtblick gibt es für Mieter: Das Wohngeld sei seit 1. Januar angeglichen worden, sagte Krips. Es fehle nur noch die Verordnung. Bei der Diskussion über Mehrgenerationenhäuser und "Senioren-WGs" bestand schnell Einigkeit: Auf das menschliche Miteinander kommt es dabei an.

Quelle: RP
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