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Wermelskirchen
Zu viele Hindernisse im Dorf

Wermelskirchen: Zu viele Hindernisse im Dorf
Sieht optisch schön aus, doch die Stufen zum Dorfpark sind eine Barriere für Rollstuhlfahrer. Das stellten jetzt (v.l.) Klaus Schubert, Petra Sprenger und Rainer Blom fest. Beim Rundgang dabei waren auch Dezernent Stefan Görnert (hinter den Rollstuhlfahrern) sowie Christa Kaluscha, Benno Klinke und Werner Allendorf (verdeckt). FOTO: Peter meuter
Wermelskirchen. Senioren- und Behindertenbeirat starten Praxistest mit Rollstuhlfahrern in Dabringhausen. Von Walter Schulbert

Der Seniorenbeirat und der Beirat für Menschen mit Behinderung hatten zu einem Ortstermin in Dabringhausen eingeladen. Bei einem Spaziergang durch das Dorf zeigten sich viele Hindernisse.

Die Gesetzeslage ist klar: In Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention wird die Barrierefreiheit für bauliche Anlagen festgeschrieben. Das Land NRW hat sich dieser Umsetzung verpflichtet. Bei neuen Projekten gilt diese Regelung sofort, bei existierenden sollen sie in einem schrittweisen Prozess erledigt werden. Und selbst in einem kleinen Dorf, nur entlang der Ortsdurchfahrt Altenberger Straße, zeigten sich viele Missstände.

So zum Beispiel am Dorfpark: Eine kleine Rampe führt zum Dorfpark und die bauliche Ausführung ist in allen Punkten falsch. "Gepflastert, holprig, zu schmal und über sechs Prozent Steigung", so das vernichtende Urteil von Rollstuhlfahrer Rainer Blom. Selbst wenn er diese Hürde genommen hätte, käme er nicht weiter, da dann Stufen den Weg in den Park versperren.

"Wer baut so etwas?", fragte sich Werner Allendorf, Vorsitzender des Seniorenbeirates. "Das ist sicher zu einer Zeit entstanden, als das Bewusstsein für behinderte Menschen noch nicht so ausgeprägt war", sagte der neue Erste Beigeordnete Stefan Görnert. "Eine Entschuldigung kann es aber nicht sein", schob er gleich nach.

Doch auch recht neue bauliche Maßnahmen sind Hindernisse. Manchmal müssen Bürgersteige aufgerissen werden, um Strom-, Telefon- oder Wasserleitungen zu verlegen oder zu reparieren. "Kaputt repariert" lautete das Fazit beim Rundgang. Durch unprofessionelle Asphaltreparatur sind neue Kanten, Absenkungen oder Beulen im Dorf entstanden.

Am relativ neuen Kreisverkehr (Kreuzungsbereich Altenberger-/Strandbadstraße) sind bei jeder Straßenüberquerung Hindernisse eingebaut worden. Petra Sprenger quälte sich mit ihrem Rollstuhl über die Kanten. "Manchmal sind es nur ein paar Zentimeter, die mich scheitern lassen", sagte sie.

Noch schwieriger ist es für Klaus Schubert mit seinem Elektrorollstuhl. "Der ist einfach zu fahren mit dem Joystick, kippt aber leichter um als der normale Rollstuhl", erklärte Schubert den Nichtbehinderten in dieser Runde. Und so kann ein leicht abschüssiger Bürgersteig zur gefährlichen Falle werden. Sprenger schwärmt von London. "Diese Stadt ist komplett mit dem Rollstuhl befahrbar, alles ist eben, ohne Kanten und Stufen." So etwas wünscht sie sich natürlich auch in ihrer Heimatstadt für alle Rollstuhlfahrer.

Christine Beyer vom Sozialamt wies darauf hin, dass Bordsteine, Absenkungen und "spürbare" Trennungen von Bürgersteigen und Fahrbahnen für Menschen mit Sehbehinderungen wichtig sind. Für normale Fußgänger sei dies vielleicht etwas holprig, für Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen werde es schwierig, gefährlich und manchmal auch unmöglich. Doch das zeige sich nur in einem Praxistest vor Ort.

Die Beiräte planen weitere Begehungen im Ostviertel und in der Innenstadt. Rollstuhlfahrer Blom ist realistisch. "Man kann sicher nicht alles umbauen", sagt er. Warum Neues aber falsch gebaut wurde, versteht er nicht. "Es kostet nicht mehr,, wenn man es richtig macht."

Quelle: RP
 
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