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Sri-Lanka-Tagebuch
Zugfahrt nach Hause als kleines Abenteuer

Wermelskirchen. Alicja Salamon hätte vielleicht doch nicht den überfüllten Zug zur Feierabendzeit nehmen sollen.

Die Fahrt in vollen Zügen genießen? Davon kann nicht die Rede sein! Ich stehe eingequetscht zwischen Menschenmassen und versuche irgendwie, das Gleichgewicht zu halten. Wie sich herausstellt, ist es nicht die beste Idee, den Zug von Colombo in die 100 Kilometer entfernte Heimatstadt zu nehmen, wenn gerade Feierabendzeit ist. Schon beim Einsteigen gleicht das Betreten des Zuges eher einer Kampfveranstaltung, in der jeder versucht, als erstes in den Zug zu kommen.

Egal ob durch Tür oder Fenster, Hauptsache irgendwie hereinkommen und einen Platz ergattern. Mein Erfolg ist dabei eher mäßig, aber immerhin hänge ich nicht noch in der offenen Tür, wie manch anderer, als der Zug losfährt. Dafür ist es hier in der Mitte, zwischen den warmen und teilweise schwitzenden Körpern, sehr stickig und eng. Besonders als es anfängt zu regnen und entschieden wird, Fenster und Türen zu schließen, drohe ich das Bewusstsein zu verlieren.

Es ist kaum möglich, sich um die eigene Achse zu drehen, geschweige denn einen Schritt nach vorne oder hinten zu machen. Ich bereue, dass ich die Dritte statt der zweiten Klasse gebucht habe, denn dort hätte es wenigsten Ventilatoren gegeben. Nach etwa einer Stunde wird es endlich etwas leerer. Hält der Zug an und man möchte aussteigen, springt man einfach aus der Tür. Egal ob ein Bahnsteig vorhanden ist oder nicht. Um meine Lungen wieder mit Sauerstoff zu füllen, setze ich mich in die offene Tür und lasse mir den Fahrtwind um die Ohren pusten.

Draußen gibt es viel zu sehen, und die Menschen neben den Gleisen winken mir immer wieder zu. Jetzt beginnt die Fahrt doch noch ein Genuss zu werden. Die ganze Zeit ist das Meer zu sehen - und besonders, als die Sonne untergeht, ist die Aussicht wunderschön.

Quelle: RP
 
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