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Wermelskirchen
Zukunft des Inklusionsprojekts gesichert

Wermelskirchen. Der Stadtrat stimmt mit großer Mehrheit dafür, das Vorzeigeprojekt an den Schulen mit städtischen Haushaltsmitteln zu finanzieren. Damit können die Inklusionshelfer ihre Arbeit fortsetzen. Für 2017 wird es keine Landeszuschüsse geben. Von Sebastian Radermacher

Zahlreiche Lehrer, Eltern und Kinder können aufatmen: Die Inklusionshelfer an den Wermelskirchener Grundschulen und der Sekundarschule können ihre Arbeit über das laufende Schuljahr hinaus fortsetzen. Die Finanzierung für das kommende Jahr ist gesichert, der Stadtrat sprach sich mit großer Mehrheit dafür aus, für das Projekt 70.000 Euro aus dem Haushalt bereitzustellen.

Seit Mitte Februar stand das überaus erfolgreiche Projekt vor dem Aus, denn die Finanzierung über das laufende Schuljahr hinaus war nicht gesichert. Zum Hintergrund: Die Inklusionspauschale des Landes (56.000 Euro pro Jahr), die für das Projekt verwendet wird, war aufgebraucht. Die Stadt hatte vergebens nach anderen Fördermitteln gesucht, um die Lücke von 80.000 Euro für 2016 zu schließen. Die Lebenshilfe als Träger erklärte sich bereit, 10.000 Euro beizusteuern.

Nach einem positiven Votum im Schulausschuss musste nun der Stadtrat abschließend entscheiden, ob das Projekt mit Haushaltsmitteln finanziert werden soll. Da es sich nämlich bei diesem Projekt um eine freiwillige Leistung handelt, müssten eigentlich die 70.000 Euro an einer anderen Stelle im Haushalt eingespart werden. Es gab aber einen anderen Weg: Die Ratsmitglieder beschlossen, Inklusion als pflichtige Aufgabe und nicht als freiwillige Leistung zu betrachten - so müssen nun Haushaltsmittel zur Finanzierung des Projekts bereitgestellt werden.

Antragsteller Henning Rehse (WNKUWG) war zufrieden nach dem mehrheitlichen Ratsbeschluss. Und müsste der Kämmerer nun tatsächlich wegen dieses Beschlusses leichte Steuererhöhungen vornehmen, so würde seine Fraktion dies mittragen. Die Fortsetzung dieses Projektes sei es wert. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", betonte Rehse und fügte an: "Wir sind sehr glücklich, dass dieses Projekt am Leben bleibt."

Glücklich können nun auch etwa 1500 Kinder dieser Stadt sein, denn so viele profitieren von der Arbeit der Inklusionshelfer an den Schulen. Die Helfer geben den Schülern Orientierung (etwa auf dem Schulgelände oder dem Schulweg), sie sind eine emotionale Stütze in Krisensituationen, geben Anleitung zu sozialem Regelverhalten, sind vertraute Bezugspersonen, helfen bei der Bewältigung von Stress und fördern die Kontaktaufnahme zu Mitschülern.

Alle Beteiligten - dies wurde vor allem im jüngsten Schulausschuss deutlich - bewerten dieses Projekt positiv. Sie haben sich erfolgreich für die Fortsetzung eingesetzt.

Auch Sozialdezernent Jürgen Graef hatte sich für das Inklusionsprojekt stark gemacht. "Es wäre fatal, wenn es jetzt stirbt und im nächsten Jahr die Fördermittel fließen", hatte er gesagt. Bürgermeister Rainer Bleek geht zurzeit aber nicht davon aus, dass die Stadt 2017 Landeszuschüsse für das Projekt erhalten wird. "Ministerin Löhrmann hat mitgeteilt, dass sie dieses Projekt toll findet, dass das Land aber dafür kein Geld hat", sagte Bleek. Er ist der Meinung: "Dieses Projekt hätte vom Land finanziert werden müssen."

Die Arbeit der Inklusionshelfer sei enorm wichtig. Bleek: "Sie nehmen viel Druck von den Lehrern und sind wichtige Bezugspersonen für die Kinder." Daher sei es wichtig, das Projekt nun als Pflichtaufgabe zu bewerten und die Finanzierung auf diese Weise zu sichern. Er appellierte aber, künftig bei der Planung solcher Projekte vorsichtig zu sein, "vor allem, wenn es sich um Pilotprojekte handelt, deren Finanzierung für ein paar Jahre gesichert ist". Später blieben dann die Städte oftmals auf den Kosten sitzen.

Quelle: RP
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