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Niederrhein
16.000 Leute demonstrieren für fairen Stahl

Niederrhein. Beim Stahlaktionstag der IGM in Bruckhausen kamen Massen zusammen. Arbeiter aus ganz Deutschland reisten an. Von Carolin Skiba

Aus der Vogelperspektive muss das Spektakel besonders eindrucksvoll ausgesehen haben: Ein Meer aus roten IG-Metall-Mützen hat sich gestern Mittag anlässlich des Stahlaktionstages vom Beecker Markt zum Hauptgebäude der Thyssen-Krupp Steel Europe AG in Duisburg-Bruckhausen bewegt. Mit Trommeln und Trillerpfeifen machten die Demonstranten auf sich und ihre Forderungen aufmerksam.

"Sauberer Stahl ist unsere Zukunft" oder "Ohne Koks kein Stahl, ohne Stahl keine Arbeit, ohne Arbeit keine Zukunft" hieß es auf zahlreichen Schildern, die die Arbeiter in die Höhe reckten. An vorderster Front liefen Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und Lokalpolitiker wie Thomas Mahlberg (CDU), Mahmut Özdemir (SPD) und Bärbel Bas (SPD). Insgesamt 16.000 Menschen kamen gestern zusammen, um für eine sichere Zukunft der Stahlindustrie, für einen fairen Wettbewerb und gegen Dumpingpreise zu demonstrieren. Sowohl die geplante Verschärfung von Klimaschutzauflagen, als auch die Überschwemmung des Marktes mit Billigstahl aus China bereiten der gesamten Industrie in Deutschland Kopfzerbrechen. Doch anders als vor rund 30 Jahren, als es um die umstrittene Schließung des Werks in Rheinhausen ging, demonstrierten nun Arbeitgeber und Arbeitnehmer Seite an Seite. Und sie hatten sich Verstärkung geholt: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel standen auf der Bühne und sicherten den Arbeitern ihre Unterstützung zu. Genauso wie OB Sören Link: "Ich erwarte von der EU, dass sie dieses Signal wahrnimmt, es liegt auch in deren Interesse, dass wir Industriestandort bleiben."

Neben den prominenten Rednern waren es aber vor allem die Arbeiter, die dem Kampf für den Stahl ein Gesicht gaben. Thyssen-Krupp-Arbeiter Walter Ständler, 51 Jahre alt, zeigte sich hoffnungsvoll: "Ich wünsche mir, dass meine Kollegen und ich noch lang in der Industrie arbeiten können und dass die Politik sieht, dass wir schon jetzt den saubersten Stahl machen. Klimaschutz heißt auch, unseren Stahl zu schützen." Auch Ali Kurt, 39, hofft auf eine positive Zukunft: "Mein Bruder, mein Schwager, alle arbeiten in der Stahlindustrie. Es wäre eine Katastrophe, wenn es nicht weitergeht."

Thiemo Brenner, 28, sagt: "Diese Veranstaltung ist wichtig für uns, um ein starkes Signal zu setzen. Ich finde es toll, dass Kollegen von überall uns hier unterstützen." Vielerorts in Deutschland hatten sich gestern Stahlarbeiter auf den Weg nach Duisburg gemacht: Aykurt Can, 41, von Hoesch Hohenlimburg aus Hagen war mit Kollegen angereist: "Ist doch klar, dass wir die Duisburger unterstützen, das geht uns alle an. Wir brauchen den Stahl, so wie die ganze Welt ihn braucht." Den weitesten Weg hatte eine zehn Mann starke Gruppe aus Friesingen am Bodensee.

Quelle: RP
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