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Wesel/Hamminkeln
220 Bewerbungen und keine Lehrstelle

Wesel/Hamminkeln: 220 Bewerbungen und keine Lehrstelle
Leonie Marienbohm (links) und Jennifer Leyers geben die Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz nicht auf. FOTO: Warkentin
Wesel/Hamminkeln. Leonie Marienbohm aus Bislich und Jennifer Leyers aus Brünen suchen noch immer nach einem Ausbildungsplatz.

Nicht die Hoffnung verlieren. Auch wenn das nicht so einfach getan wie gesagt ist. Denn das Ausbildungsjahr hat begonnen, Leonie Marienbohm aus Bislich und Jennifer Leyers aus Brünen stehen aber noch ohne Stelle da. Und das trotz zahlreicher Bewerbungen und freiwilliger Praktika. Bislang wollte es für die beiden nicht klappen. Doch Leonie und Jennifer versuchen, ihren Optimismus nicht zu verlieren. "Nützt ja auch nichts", sagt Leonie. "Wir müssen weitersuchen, irgendwann werden wir etwas finden."

Die 21-Jährige kommt mit einem strahlenden Lächeln in den Raum, tritt selbstbewusst, freundlich und gut gelaunt auf. Keine Spur von Frustration, und das trotz unzähliger Absagen, die Leonie seit dem Sommer 2014 gesammelt hat. "Bei 220 Bewerbungen habe ich aufgehört zu zählen", sagt die Bislicherin. Auf nicht mal die Hälfte der Bewerbungen erhielt sie eine Reaktion. Bei wie vielen Vorstellungsgesprächen sie war? "Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr", gibt Leonie zu. "Es waren mehr als zehn." Vor dem ersten sei sie noch sehr aufgeregt gewesen, "aber mit der Zeit entwickelt man Routine, weiß, was erwartet wird und welche Fragen gestellt werden." Geholfen hat das bislang nicht. Woran es liegt, dass sie bisher keinen Erfolg hatte, kann sich Leonie selbst kaum erklären. "Vielleicht habe ich mich für das falsche Fach-Abi entschieden", mutmaßt die 21-Jährige. 2013 hat Leonie Marienbohm am Weseler Berufskolleg ihr Fachabitur im Bereich Soziales und Gesundheit gemacht, ging danach zum Nikolaus-Stift und begann den Bundesfreiwilligendienst, um vor einer Ausbildung Erfahrungen zu sammeln.

Eineinhalb Jahre betreute sie Senioren und erledigte organisatorische Aufgaben. "Ich habe während dieser Zeit gelernt, selbstständig und im Team zu arbeiten", sagt sie. Dabei sei auch der Wunsch entstanden, eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen oder Kauffrau für Büromanagement zu machen. "Ich möchte mein Organisationstalent nutzen und mit Menschen zusammenarbeiten", sagt Leonie. Bis sie eine Ausbildungsstelle findet, arbeitet sie nun aushilfsweise weiterhin im Nikolaus-Stift. "Denn einfach nur zu Hause rumsitzen, das ist nichts für mich."

Das möchte auch Jennifer Leyers nicht. Die 18-jährige Brünerin besuchte die Gesamtschule am Lauerhaas und erlangte am Berufskolleg ihre Fachoberschulreife mit dem Schwerpunkt Agrarwirtschaft, denn eine Arbeit, die mit Tieren oder Pflanzen zu tun hat, ist Jennifers Traum. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft, packte als junges Mädchen auf einem Pferdehof mit an und bekam dafür kostenlose Reitstunden. Jennifer absolvierte Praktika - über die Schule und freiwillig in den Ferien. Im Weseler Tierheim packte sie dabei ebenso mit an wie bei einer Tierärztin. In einem Floristik-Betrieb durfte sie zur Probe arbeiten. Um die 20 Bewerbungen hat die junge Frau aus Brünen geschrieben. "Ich befürchte, dass viele nur auf die Noten schauen statt auf den Menschen", glaubt Jennifer. "Und mit einem Durchschnitt von 3,5 und noch einer Lese- und Rechtschreibschwäche habe ich da oft schlechte Karten." Mittlerweile erwähne sie ihre Lese- und Rechtschreibschwäche schon in ihren Bewerbungen, "damit mögliche Arbeitgeber direkt Bescheid wissen." Jennifer hat sich geöffnet und bewirbt sich jetzt nicht mehr nur als Tierpflegerin, Gärtnerin und Floristin, sondern auch für Ausbildungen im kaufmännischen Bereich und als Verkäuferin. Mit Unterstützung ihrer Familie ist die 18-Jährige oft unterwegs und gibt Bewerbungen direkt in Unternehmen ab, um gleich einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Gerade gestern stellte sie sich wieder auf diese Weise in einem Betrieb vor - "vielleicht diesmal mit Erfolg", hofft Jennifer.

(gasch)
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