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Wesel
27 Lippe-Fische, aber störende Besucher

Wesel: 27 Lippe-Fische, aber störende Besucher
FOTO: Rupert Oberhäuser
Wesel. Der Lippeverband ist mit der bisherigen Entwicklung der neu gestalteten Flusslandschaft zufrieden, beklagt aber schädliches Treiben ungebetener Besucher im Naturschutzgebiet - zum Beispiel Hundehalter und Camper.

Die neugestaltete Lippemündung in den Rhein bei Wesel ist im Frühjahr 2014 offiziell eingeweiht worden. Seitdem lässt der Lippeverband in regelmäßigen Abständen die Flora und Fauna in der noch jungen Auenlandschaft untersuchen. Die Ergebnisse dieser sogenannten Monitorings sind äußerst zufriedenstellend: Bislang konnten laut Lippeverband unter anderem 27 Fisch-Arten im Bereich der Lippemündung nachgewiesen werden. Doch der Verband weist insbesondere Spaziergänger darauf hin, dass sich dieser Naturentwicklungsraum noch in der Findungs- und Veränderungsphase befindet - und dass abgesperrte Bereiche in jedem Fall zu respektieren sind.

Eine deutsche Nachrichtenagentur berichtete unlängst, dass auch der Lachs nun in der Lippemündung heimisch sei. Die Untersuchungen des Lippeverbandes können dies zwar leider (noch) nicht bestätigen, doch auch die anderen Fische brauchen sich nicht zu verstecken: Zander, Barbe und Flussbarsche sind nur einige der insgesamt 27 Fisch-Arten, die bis jetzt bei den Monitorings erkannt wurden. Ihren Weg nach Wesel haben aber auch Grundeln aus dem Schwarzmeer-Raum gefunden, die sonst nicht zu den üblichen Bewohnern der Lippe-Gewässer gehören.

Der aktuelle, sehr gute Zustand der Lippemündung ist dabei nur eine Momentaufnahme. Die Flora und Fauna in diesem Areal wird sich laut Lippeverband in den kommenden Jahren noch stark weiterentwickeln - und verändern. Knapp eineinhalb Jahre nach der Verlegung der Lippe zwischen B 8 und B 58 spricht der Verband daher noch von einer Findungs- und Veränderungsphase der Auenlandschaft. Aus diesem Grund sei es enorm wichtig, dass das neue Naturgebiet auch geschützt bleibt, denn häufiger hätten nun schon ungebetene Besucher die neue Lippeaue für ihre Zwecke entdeckt - und damit seien nicht die Schwarzmeer-Grundeln gemeint, sondern heimische Zweibeiner mit ihren Vierbeinern. Spaziergänger mit Hunden verkennen, dass der Lippe-Mündungsraum bereits seit 2009 größtenteils als Naturschutzgebiet festgesetzt ist und überdies unmittelbar an das europäische Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein grenzt. Lagern und Campen am neuen Ufer und Hunde unangeleint laufen zu lassen ist somit ebenso untersagt wie das Betreten der Flächen abseits der Wege. Wege sind in der eigentlichen Aue auch gar nicht vorhanden - mit Absicht.

"Der Lippe-Mündungsraum soll und muss den erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt ausgleichen, der mit der Lippeverlegung und der Trassierung der Südumgehung verbunden war und ist", erklärt der Verband. Zugleich biete sich hier eine wunderbare und einmalige Gelegenheit für Wissenschaftler und Mitarbeiter der Behörden, hautnah erleben und aufzeichnen zu können, wie die Besiedlung einer neugeschaffenen Aue durch die Pflanzen- und die Tierwelt erfolgt.

Bereits seit 2006 werden in diesem 142 Hektar großen Freilandlabor die Brutvögel erfasst, seit 2012 gehören auch die rastenden Wasservögel und die Wintergäste wie auch die Flora und Vegetation zum Untersuchungsprogramm. Auf die weiteren Entwicklungen darf man gespannt sein, zumal jedes Hochwasser die neue Lippeaue dynamisch umgestalten sowie für die Ansiedlung der einen und das Verschwinden anderer Tier- und Pflanzenarten sorgen wird. So erwartet man unter anderem die Ansiedlung von Röhrichten, Seggenrieder, schmalblättrigen Weiden und Pappeln. Entscheidend dafür, so der Verband, sei Ruhe - für alle Bereiche des Lippe-Mündungsraumes.

Quelle: RP
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