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Nach Säuberungsaktion in Wesel
50.000 Flecken statt Kaugummis in der Fußgängerzone

Nach Säuberungsaktion in Wesel: 50.000 Flecken statt Kaugummis in der Fußgängerzone
Die plattgetretenen Kaugummis sind deutlich zu erkennen. FOTO: Bauch
Wesel. Nur viereinhalb Wochen hat der städtische Betrieb ASG gebraucht, um gut 50.000 festgetretene Kaugummis mit heißem Wasser zu entfernen. Jetzt staunt Wesel über helle Flecken auf dem Pflaster. Das sei nur vorübergehend, sagt die ASG. Von Klaus Nikolei

Die Männer vom städtischen Betrieb ASG haben ganz schön Gas gegeben: Innerhalb von nur viereinhalb Wochen haben sie gut 50.000 festgetretene Kaugummis auf der Fußgängerzone mit Hilfe eines Heißwassergerätes mühsam von den Steinen gespritzt. Zurückgeblieben ist ein Muster, das an die Tarnung einer Giraffe oder auch an abstrakte Kunst erinnert. Denn da, wo bis vor kurzem die schäbigen Kaugummireste waren, befinden sich nun 50.000 helle Stellen. Mittlerweile macht in Wesel schon der Spruch die Runde, wonach "unsere Fußgängerzone Masern hat."

Wirklich Angst, dass das "Masern-Muster" nun dauerhaft die vergleichsweise neue Fußgängerzone ziert, muss niemand haben. Denn ASG-Betriebsleiter Ulrich Streich zeigt sich davon überzeugt, "dass spätestens in zwei bis drei Monaten die hellen Stellen verschwunden sind."

Obwohl die Stadt die Reinigungsaktion mit der Hochdrucklanze, die normalerweise zur Bekämpfung von Unkraut genutzt wird, mit einer Plakataktion und Aufklebern auf den Abfallsäulen zwischen Berliner Tor und Dom flankiert, sind an einigen Stellen schon wieder frisch ausgespuckte Kaugummis zu sehen. Das ärgert beispielsweise Wolfdietrich Degler, den Vorsitzenden der Weseler Werbegemeinschaft. "Ich haben den Eindruck, dass die Arbeit der ASG-Leute nicht wirklich gewürdigt wird", sagt er. Es sei für die Leute "ein Heidenaufwand gewesen, die Masse zu entfernen. Und jetzt gibt es schon wieder neue Kaugummiflecken - leider." Es dürfte also nicht lange allzulange dauern, und die Aktion muss wiederholt werden. "Ich sage mal, in zwei bis drei Jahren", schätzt Ulrich Streich. Dabei stützt er sich auf Erfahrungswerte von Kollegen in anderen Städten. In Gütersloh, beispielsweise, seien sogar teure Werbespots im Kino gelaufen, ohne dass die Aktion nachhaltig irgendeinen Nutzen gehabt hätte. Was aber tun, wenn man offensichtlich mit Aufklärungskampagnen, Bitten und Appellen an die Vernunft nicht ans gewünschte Ziel kommt? Hilft da nicht vielleicht ein Griff in die Tasche der Unbelehrbaren? Doch dazu müsste beispielsweise die Stadtwacht die Täter auf frischer Tat ertappen. Das ist allerdings noch nie passiert. Sagt jedenfalls Gerd Füting vom Weseler Ordnungsamt. Denn wer sein Kaugummi nicht ordnungsgemäß entsorgt, begeht einen Verstoß gegen die "ordnungsbehördliche Verordnung der Stadt Wesel", wie Füting erklärt. Im Paragrafen sechs ist ein "Verunreinigungsverbot öffentlicher Verkehrsflächen" verankert. Danach ist ein Wegwerfen unter anderem von Kaugummi außerhalb der Abfallbehälter nicht zulässig. Sollte jemand erstmals auf frischer Tat ertappt werden, würden 50 Euro fällig. Wiederholungstäter würden mit 100 Euro zur Kasse gebeten. "Die Sache ist uns wichtig, deshalb haben wir vor zwei Jahren die Summe von zehn auf 50 Euro heraufgesetzt." Dumm nur, dass noch nie jemand beim Kaugummiaussprucken erwischt wurde. Kein Wunder, sind doch die Stadtwacht-Mitarbeiter für jeden sofort an ihren Uniformen zu erkennen. Dass sie auch mal in Zivil unterwegs sind, wird auch künftig nicht der Fall sein. Denn, so Füting: "Die Stadtwacht dient den Bürgern ja auch als Ansprechpartner und soll deshalb jederzeit erkennbar bleiben."

Übrigens: Es gibt auch Stimmen in der Stadt, die nicht verstehen, warum der ASG eigentlich einen solchen Aufwand treibt. "In Hamburg", sagt beispielsweise ein Passant, "kleben Hunderttausende Kaugummis auf der Fußgängerzone - und niemanden stört's".

Quelle: RP
 
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