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Hamminkeln
90-Jährige strickt für Neugeborene

Hamminkeln. Maria Kopmann aus Mehrhoog strickt und strickt und strickt seit vielen Jahren für Neugeborene im Weseler Marien-Hospital. Heute feiert sie Geburtstag. "Hier ist meine Heimat", sagt die Jubilarin. Von Thomas Hesse

Wenn es sich Maria Kopmann in ihrem Lieblingssessel im Wohnzimmer gemütlich macht, geht es an die Arbeit. Wo andere Pause einlegen, lässt sie emsig die Stricknadeln klappern. Wollknäuel liegen bereit, farblich passend abgestimmt entsteht aus den Fäden Strickreihe und Strickreihe. Solche Handarbeiten kennt sie seit Jugendzeiten, sie gehen ihr wie selbstverständlich von der Hand. Auch im hohen Alter ist sie fingerfertig, dass man staunen muss. Stunde um Stunde strickt die Mehrhoogerin, deren Heimat seit 1957 die Straße Obbergshof ist, für die Neugeborenenstation im Marien-Hospital Wesel. Heute ruhen die Nadeln. Maria Kopmann wird 90 Jahre alt. "Wer kommt, der kommt", sagt sie. Es kommen bestimmt viele Gratulanten, denn sie ist bekannt im Ort. Am Sonntag wird mit 60 Gästen gefeiert. Leider nicht in Mehrhoog, weil im Dorf immer noch Räume für Feierlichkeiten fehlen, sondern in Bocholt. Zusammen mit Maria Winkelmann vom gleichnamigen Cafe fertigt Maria Kopmann seit vielen Jahren kleine Schlafsäcke, wärmende Höschen und winzige Socken an. Sie werden den Eltern übergeben, die mit ihren Neugeborenen die Station verlassen. Eine schöne Geste, die eine persönliche Note in den arbeitsreichen Klinikalltag bringt. Dank für die gute Stricktat gibt es nicht immer, aber die Stationsschwestern loben die emsigen Strickerinnen gerne. Das Geld für die Wolle spendet Maria Kopmann in eigener Sache. Ihre Tochter Marlies Heweling, die 36 Jahre auf der Neugeborenenstation gearbeitet hat, ist auf die Idee gekommen, dass ihre Mutter etwas für die neuen Erdenbürger tun könnte. Die beiden Seniorinnen suchten eine Aufgabe, bei der sie ihre Handarbeiten einbringen können. Für Maria Kopmann ist das Stricken schönes Hobby und sinnvolle Aufgabe zugleich. "Man muss aktiv bleiben. Wir mache das gerne und wollen weiterstricken, so lange die Hände gut funktionieren", sagt die 90-Jährige, die geistig rege und fit wie der sprichwörtliche Turnschuh wirkt. Von 10 Uhr am Vormittag bis abends um 21 Uhr fliegen die Nadeln von Strickreihe zu Strickreihe. In einer Woche werden zwei Schlafsäckchen fertig. Hat sich genug angesammelt, bringt Heweling die Kleidung zur Station, die Eltern suchen dann aus. "Meine Mutter ist handwerklich fit und hat gute Augen", weiß sie.

Mit 90 geht es Maria Kopmann auch gut, weil sie etwas für ihre Gesundheit tut und am Gemeinschaftsleben teilnimmt. Jeden Dienstag geht es zum Beispiel zur Reha-Sportgruppe, beim Altennachmittag im katholischen Pfarrheim ist sie immer dabei. "Ich lebe sehr gerne in Mehrhoog. Hier ist meine Heimat", sagt die Jubilarin, die ursprünglich aus Dingden stammt.

Quelle: RP
 
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