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Wesel/Hamminkeln
Abfluss - Die Idee vom Issel-Lippe-Kanal

Wesel/Hamminkeln: Abfluss - Die Idee vom Issel-Lippe-Kanal
Jürgen Schildberger stößt bislang meist auf taube Ohren. FOTO: Schubert
Wesel/Hamminkeln. Der Obrighovener Jürgen Schildberger regt eine preiswerte Entlastungsrinne von der Bärenschleuse zur Lippe an. Von Fritz Schubert

Hier Überflutungsflächen, dort neue Dämme: Mit je nach Örtlichkeit verschiedenen Lösungen soll endlich die Hochwasser-Gefahr der Issel gebannt werden. Es gibt ein Konzept und eine Preisvorstellung. Von gut 40 Millionen Euro ist die Rede, wenn der Vorschlag des Büros Pro Aqua zum Tragen kommt. Aber geht es nicht auch anders? Einfacher und schneller? Jürgen Schildberger hat dazu eine Idee und erste Pläne entwickelt. Der 71-jährige Obrighovener war im Berufsleben als Bauingenieur tätig. "Ich glaube an die Mathematik", sagt er und erläutert, wie Hamminkeln vor zu schnell herabrauschenden Isselfluten geschützt werden könnte: mit einem Kanal von der Bärenschleuse bis zur Lippe. Das Gelände fällt ausreichend ab. An der RWE-Straße, etwa in Höhe der Lippefähre "Quertreiber" oder der Umspannanlage, könnte er münden. Jürgen Schildberger hat auch vorsichtig Berechnungen zu den Kosten angestellt. Er meint, dass man mit 15 Millionen Euro auskommen könnte.

Unter dem Begriff Kanal mus man sich in diesem Fall eine einfache, offene Abflussrinne vorstellen, welche die meiste Zeit trocken in der Landschaft liegt. Nur im absoluten Notfall, sollte diese laut Schildberger geöffnet werden, um kontrolliert etwa die Hälfte des anströmenden Wassers abzuleiten. Warum aktuell "so viel Theater" um Lösungen für die Issel gemacht wird, versteht er nicht. Es könnte so einfach sein. Allerdings stößt der Obrighovener meist auf taube Ohren.

Vor dem Hintergrund der dramatischen Ereignisse im Sommer 2016 war der Obrighovener bereits im November bei Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski. Der habe sich alles angehört und gesagt, dass er das Thema weiterreicht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz betrachtet die Idee positiv. Auch dem Kreis Wesel ist das Thema nicht mehr fremd. Der bezieht sich jedoch unter anderem auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie, welche eine Verrohrung verbietet. Jüngste Korrespondenz mit dem Kreis macht deutlich, dass die Behörde zwar die technische Möglichkeit sieht, die Umsetzung aber auf rechtliche Bedenken stößt. Zudem könne so ein Vorhaben nicht vom Kreis initiiert werden. Zuständig wären Isselverband, Lippeverband und Bezirksregierung.

Von Bedenkenträgerei, Verweisen auf Zuständigkeiten, einem Dschungel verschiedener Interessenvertretungen, Erklärungen, dass man keinen Auftrag habe, und Formulierungen, die eine Nichtbeschäftigung mit dem Thema vermuten lassen, lässt Jürgen Schildberger sich nicht abschrecken. Er möchte, dass Fachleute sich der Sache wenigstens einmal ernsthaft annehmen. Es könne ja sein, dass er mit seinem Plan falsch liege, aber nach umfassender Prüfung richtig erläutert habe ihm dies bislang keiner. Schildberger hat sich nun an die Bezirksregierung Düsseldorf gewandt. Um einen Verwaltungsknoten durchzuschlagen, sei überdies die Politik gefragt, sagt er.

Die Idee von einem Abfluss ab der Bärenschleuse hatten im frühen 17. Jahrhundert übrigens schon die Spanier. Mit einer Anhebung der Sohle war genug Gefälle da, um von dort aus mit einer Rinne die Festungsgräben der Stadt Wesel zu fluten. Es hat funktioniert.

Quelle: RP
 
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