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Niederrhein
Abschied vom Kohlestrom

Niederrhein: Abschied vom Kohlestrom
Das Heizkraftwerk III mit seinem charakteristischen grün angestrahlten Kühlturm soll als moderne Anlage für die Fernwärmeerzeugung erhalten bleiben. FOTO: Christoph Reichwein
Niederrhein. Im März wird mit dem Heizkraftwerk I in Hochfeld das letzte kohlebasierte Werk der Duisburger Stadtwerke stillgelegt. Vorher bietet das Unternehmen noch einen öffentlichen Besichtigungstermin an. Von Tim Harpers

Die kohlebasierte Stromerzeugung der Duisburger Stadtwerke findet in diesem Jahr ihr Ende. Im März geht das Heizkraftwerk I an der Bungertstraße in Hochfeld vom Netz. Die Abschaltung ist Teil der neuen Fernwärmestrategie der Stadtwerke, die dem Unternehmen den Kostendruck bei der Stromerzeugung nehmen soll. Das Steinkohlewerk in Walsum, das von der Essener Steag betrieben wird, wird dann das letzte aktive Kohlekraftwerk in Duisburg sein.

Wegen Veränderungen im Energiemarkt schreiben die Stadtwerke mit ihren beiden Heizkraftwerken in Hochfeld (HKW I) und Wanheim (HKW III) hohe Verluste. Grund dafür ist, dass nach der neuen Gesetzeslage Strom aus erneuerbaren Energien an der Strombörse bevorzugt wird. Das heißt: Wenn viel Wind weht und die Sonne scheint, sinken die Preise für konventionell erzeugten Strom. Einfach ausschalten können die Stadtwerke ihre Heizkraftwerke in diesen Perioden aber nicht, weil von ihnen derzeit noch die Fernwärmeversorgung von 70.000 Haushalten abhängt. "Das führt dazu, dass wir mit dem HKW I ständig ein Werk in Betrieb haben, dessen Strom sich nicht gewinnbringend verkaufen lässt", erklärt Stadtwerke-Sprecher Thomas Kehler das Problem.

Eine Besuchergruppe im Heizkraftwerk I in Hochfeld. Am 21. Januar gibt es noch einmal einen Besichtigungstermin. FOTO: Stadtwerke Duisburg

Der Energieversorger betreibt zurzeit noch zwei Anlagen auf Basis effizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Das heißt, dass die bei der Stromerzeugung entstehende Prozesswärme nicht ungenutzt verloren geht, sondern zur Erhitzung von Wasser und damit als Fernwärme genutzt wird. Das Wasser wird dann mit einer Temperatur von bis zu 130 Grad Celsius als Wärmeträger durch speziell isolierte Rohre zu den Haushalten geschickt.

Das HKW III soll als moderne Anlage insbesondere für die Fernwärmeerzeugung erhalten bleiben. Für die Stromerzeugung lässt sich das Gaskraftwerk schneller an- und abfahren als das HKW I. Neben dem Erhalt des Kraftwerks sieht die neue Erzeugungsstrategie eine Flexibilisierung der Fernwärmeerzeugung vor. Hierzu wird derzeit in Wanheim neben dem HKW III für 20 Millionen Euro ein Fernwärmespeicher gebaut, in dem heißes Wasser zwischengelagert werden kann. Der Bau soll Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. "Da liegen wir gut in der Zeit", sagt Kehler. "Wir rechnen damit, dass wir 2019 den Probebetrieb aufnehmen können." Darüber hinaus entsteht zwischen Rheinhausen und Homberg ein Anschluss des Fernwärmenetzes der Stadtwerke Duisburg an die Fernwärmeschiene Niederrhein. So kann im Bedarfsfall zusätzliche Wärme bezogen werden. Der Vorteil: Die Stadtwerke können künftig deutlich flexibler entscheiden, ob sich der Betrieb des Stromkraftwerkes rechnet.

Bevor das HKW I vom Netz geht, haben Interessierte am Sonntag, 21. Januar, von 11 bis 17 Uhr noch einmal die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Werks zu werfen. Bislang haben 50.000 Besucher aus Duisburg und der Region an Besichtigungen teilgenommen. Bei den Führungen zeigt das Versorgungsunternehmen, wie es bislang Energie produziert hat. Zudem erfahren die Gäste, inwiefern Kraft-Wärme-Kopplung das Klima schont. Auf dem Besucherparkplatz neben dem Kraftwerk informieren die Stadtwerke Duisburg an diesem Tag außerdem über Elektromobilität und stellen verschiedene Fahrzeuge vor, die mit Strom betrieben werden. Darüber hinaus beraten Experten des Unternehmens zum Thema Energieeffizienz im Haushalt. Für eine Teilnahme an den Kraftwerksführungen ist keine Anmeldung erforderlich. Kostenfreie Parkplätze stehen am Veranstaltungsort zur Verfügung.

Quelle: RP
 
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