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Hamminkeln
Alarm für die Ohren

Hamminkeln: Alarm für die Ohren
Dieter Nötzel und seine Nachbarn an der Karlstraße in Mehrhoog finden den Lärm unerträglich und fordern die Verlegung des Sirenenstandorts. FOTO: Malz
Hamminkeln. Die Sirene in Mehrhoog ist genau auf Dieter Nötzels Haus gerichtet. Von Thomas Hesse

Punkt 10.08 Uhr schrillt der Dauerton der neun Meter vom Haus entfernten Sirene durch Haus, Garten und das gesamte Wohngebiet an der Mehrhooger Karlstraße. Der durchdringende Ton schockt das Nervensystem und macht jedes Gespräch sinnlos. Dieter Nötzel verzieht das Gesicht, seine Frau hat mit dem Hund längst das Weite gesucht. Sie weiß, dass das Tier durchdreht bei dem Lärm.

Es ist mal wieder Probealarm, wie üblich zwei Mal im Jahr und mit dem ganzen Repertoire von Dauerton und auf- und abschwellender Entwarnung. Monatliche Wartung mit lautem Testlauf gehört ebenso zum Programm. Dazu kommt der Sirenenruf bei Unfällen und Bränden, das sei nicht immer nachvollziehbar in Zeiten, in denen Einsatzkräfte mit Piepser zu erreichen sind, wie Nötzel findet. Er fordert, den Sirenenmast, auf dem zwei kleine Schalltröten direkt auf sein Haus gerichtet sind, ins nahe Gewerbegebiet zu verlagern. Darin sei er sich mit den Nachbarn einig.

Nötzel ist eingekreist vom Krach. Hinter dem Haus wird der Netto-Markt an der B 8 mit schwerem Gerät abgebrochen. An Mittagsruhe ist nicht zu denken. Zwischendurch bricht die Sirene ein ins beschauliche Leben im Nötzelschen Gartenparadies mit Blumenmeer, Apfelbäumen und Selbstversorger-Gewächshäuschen. Sonntag hatte sich Nötzel darauf gefreut, ausschlafen zu können. Doch die Sirene tönte ab 6.34 Uhr sechs Mal hintereinander "und keiner wusste warum". Der Mehrhooger sagt: "Wir möchten eine Diskussion anstoßen, um sinnlose Aktionen zu unterbinden." Die Sache wird kompliziert, wie die Aussage der Kreisleitstelle gestern ahnen lässt: "Bei dem Einsatz um 6.34 handelte es sich um einen Zugunfall, zu dem die Einsatzkräfte still und per Sirene alarmiert wurden. Die Sirenen sind teilweise mit analogen und digitalen Empfängern ausgestattet. Wenn beide angesteuert werden, werden beide Alarmierungsarten nacheinander von der Sirenentechnik umgesetzt. Dadurch kann es zur Verdoppelung der Sirenensignale kommen."

Im Kern geht es Nötzel um den Maststandort. Die Stadt, die verantwortlich ist, habe immerhin dafür gesorgt, dass der Schall auf 95 Dezibel gesenkt und Sirenenzeiten verkürzt wurden. Doch Nötzel, beruflich Informatiker und Elektrotechniker, will mehr. Im kleinen Mehrhoog gebe es fünf Sirenen - "zu viel". Die vor seinem Haus hält er für falsch aufgestellt, weil die Beschallungsfläche teils ins Niemandsland gerichtet ist, teils sich mit anderen überschneidet. Eigentlich müsse es einen Gesamtbeschallungsplan fürs Dorf geben. "Schallwellen kann man passend konstruieren", weiß er aus beruflicher Erfahrung. Doch im Rathaus gab es keinen solchen Plan.

Sinn des Probealarms zweifelt Nötzel grundsätzlich an. "Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, keiner konnte sagen, was die Tonfolge bedeutet. Wenn jeder Haushalt einen Flyer mit Informationen zu den verschiedenen Tönen bekommt, sollte es reichen", meint er. Die Kreisleitstelle weiß von Nötzels Sorgen und verweist auf die Stadt: "Die Zuständigkeit für Alarmierung der Einsatzkräfte und auch für die Warnung der Bevölkerung liegt beim Träger des Feuerschutzes (Kommune) und wird durch die Kreisleitstelle nach Vorgaben der Kommune umgesetzt. Für Mehrhoog wurde von der Stadt Alarmierung über Funkmeldeempfänger (stille Alarmierung) und Sirenenalarmierung vorgegeben."

Quelle: RP
 
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