| 00.00 Uhr

Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - Präsentiert Von Altana (folge 8)
Als Chemikantin immer in Bewegung

Wesel. Statt im Labor oder im Büro arbeitet Anika Nebel (20) aus Aldekerk bei der Byk Chemie in Wesel lieber in der Produktion. Der Job gilt bei Frauen als unpopulär und wird von ihnen selten gewählt, ist aber gut bezahlt und macht ihr richtig Spaß. Von Fritz Schubert

Kreis Wesel Tagtäglich beweisen Frauen im Berufsleben, was sie alles können. Bestimmte Vorurteile und Benachteiligungen sind dennoch schier unausrottbar. Auch beim weiblichen Geschlecht selbst, das in der Mehrzahl eben doch scheinbar typische Jobs ausüben möchte. Oder einfach davor zurückscheut, sich auf vermeintliche Männerstellen zu bewerben. Dabei gibt es etliche Beispiele, die jungen Damen Mut machen sollten, sich alles zuzutrauen. Anika Nebel (20) aus Aldekerk ist ein Beispiel dafür, dass der Blaumann auch einer Frau gut steht. In ihrem Fall müsste die Arbeitskluft eigentlich Rotmann heißen. Denn die Farbe Rot ist in der Produktion bei der Byk Chemie in Wesel derzeit en vogue. Sie dient der Sicherheit, weil man darin besser zu sehen ist als beispielsweise in Blau. Nachteil: Ist die Kleidung zehnmal gewaschen, wird sie rosa, was auch nicht jeder mag.

Das Experimentieren mit der Farbe der Anzüge wird bei Byk wohl weitergehen. Die Suche nach dem richtigen Job hat für Anika Nebel indes ein Ende. Sie hat ihre Berufung gefunden und wird Chemikantin. Sie ist erst die dritte Frau, die bei Byk dazu ausgebildet wird. Auch in der 100-köpfigen Belegschaft von Abfüllung und Produktion sind maximal drei zu finden, sagt Ausbilder Michael Hoch. In der mit 24 Leuten besetzten Berufsschulklasse in Uerdingen ist sie eine von fünf jungen Frauen. Das alles wusste sie vorher - und hat es trotzdem gemacht.

2014 hatte Anika Nebel ihr Abitur an der Liebfrauenschule Geldern, einem Berufskolleg des Bistums Münster, gemacht und anschließend ein Studium aufgenommen. An der Fachhochschule Rhein-Waal in Kleve versuchte sie sich zwei Semester lang im Studiengang Qualität, Sicherheit, Umwelt und Hygiene. Da kam sie auch mit Chemie in Berührung. "Nur im Labor stehen wollte ich nicht. Ich suchte mehr Bewegung, körperliche Arbeit", sagt die 20-Jährige. Die Eltern regten eine Ausbildung an. Der Vater ging auf die Suche nach Möglichkeiten, und beim Durchforsten des Internets kristallisierte sich für Anika Nebel schließlich der Versuch einer Bewerbung bei der Byk Chemie heraus. Die zog sie 2015 erfolgreich durch und hat nun bald das erste Lehrjahr hinter sich.

Der Job mag für Frauen als unpopulär gelten, ist aber wegen des Chemietarifvertrags gut bezahlt und bei Byk auch recht abwechslungsreich. Je nach herzustellender Charge wechseln die Zusammensetzungen der Additive für Lacke und Kunststoffe. Und damit auch die Aufgaben. Vom Drei-Schichten-System sind Auszubildende noch ausgenommen. Bei Byk wird übrigens eine teilkontinuierliche Wechselschicht gefahren. Das heißt, dass montags bis freitags gearbeitet wird und die Wochenenden frei sind.

Den Schritt in die Ausbildung zur Chemikantin hat Anika Nebel nicht bereut. "Man darf keine Angst vor einer Männerdomäne haben und sich nicht einschüchtern lassen. Man kann sich als Frau genausogut durchsetzen wie ein Mann", sagt sie. An ein späteres Studium denkt sie derzeit nicht. "Ich bin ganz froh über die Ausbildung. Ich brauche das Praktische. Nur zu lernen, das ist nichts für mich."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - Präsentiert Von Altana (folge 8): Als Chemikantin immer in Bewegung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.