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Hamminkeln
Als der König den Streit "höchst mißfällig" fand

Hamminkeln: Als der König den Streit "höchst mißfällig" fand
Klaus Braun zeigt die Abendmahlskanne, die die Unionsmedaille von 1818 ziert. Sie wird in der Ausstellung am Sonntag zu sehen sein. FOTO: Markus Weissenfels
Hamminkeln. In Hamminkeln wurde am 4. Januar 1818 die Union der lutherischen und der reformierten Kirchengemeinde gefeiert. Preußens König dankte mit einer Goldmedaille. Sie ziert heute die Abendmahlskanne. Von Thomas Hesse

Mitten im Ortskern von Hamminkeln steht auf einer kleinen Erhebung die "weiße Kirche", ein weithin sichtbares Zeichen für den Glauben. Die evangelische Kirche zählt zu den ältesten Gotteshäusern am Niederrhein. Jetzt wird in ihr an ein besonderes Ereignis und einen blutigen Konflikt in Hamminkeln vor 200 Jahren erinnert. Dessen Ende wurde mit demonstrativer Einigkeit besiegelt: Am 4. Januar 1818 wurde mit einem Gottesdienst die Union der lutherischen und reformierten Gemeinde gefeiert. Die Pfarrer reichten sich gegenseitig das Abendmahl, und die Gemeinden feierten dies zum ersten Mal gemeinsam. Die Evangelische Kirchengemeinde gedenkt dem mit einem Gottesdienst am Sonntag, 7. Januar, 9.30 Uhr, und einer kleinen Ausstellung.

Archivar Klaus Braun kennt sich aus mit der Auseinandersetzung, die in den Kontext großer Kirchen- und Machtpolitik eingebettet war. Basis bieten die außergewöhnlich gut gefüllten Schränke der Kirchengemeinde. Seit 1568 tobte der Religionskrieg zwischen Spanien und den niederländischen Provinzen. Der Krieg, der bis 1648 dauern sollte, hatte am Niederrhein verheerende Folgen. Durch niederländische Einflüsse hatte der calvinistische Glaube sich ständig ausgebreitet. In vielen Orten, besonders in Wesel, führten Einflüsse niederländischer Glaubensflüchtlinge dazu, dass lutherische Gemeinden zur reformierten Glaubensform wechselten. Der Einfluss der Niederländer, die Wesel besetzten, drang bis nach Hamminkeln.

"Es müssen schlimme Zeiten gewesen sein", sagt Braun. So wurde 1641 in Brünen ein reformierter Prediger mit Gewalt eingesetzt, der lutherische Pfarrer aus Kirche und Pfarrhaus vertrieben. Es ging um Geld und Kirchennutzung. "Katalog der Bösartigkeiten" zwischen den beiden Gruppen sind die Beispiele von 1614 bis 1816 überschrieben, die von Braun aufgelistet wurden. Der Ärger drang bis zu König Friedrich Wilhelm I. von Preußen durch, der 1738 nach Wesel kam. Der lutherische Pfarrer Bartels klagte ihm sein Leid. Der König fand den Streit "höchst mißfällig". Später verfügte er aus Potsdam, eine Commission die Probleme um Kirchenvermögen und Kirchennutzung klären zu lassen. Erst 1767 einigte man sich.

Die Union, die am Sonntag gefeiert wird, kam noch viel später. Friedrich Wilhelm III. betrieb 1817 die Vereinigung der beiden evangelischen Glaubensrichtungen - 300 Jahre nach der Reformation. Der Aufruf ging an alle Gemeinden, die selbst entscheiden durften. Hamminkeln reagierte schnell. Am 4. Januar 1818 reichten sich die Pfarrer Gottlieb Hesse und Friedrich Wilhelm Müller unter reger Anteilnahme der Gemeinde gegenseitig das Abendmahl. Die Unionsurkunde wurde erst am 20. August 1819 unterschrieben. Hesse erlebte das nicht mehr, er war noch 1818 gestorben. Müller wurde der erste Pfarrer der unierten Gemeinde. Diese erhielt die Unionsmedaille als königliches Ehrengeschenk. In Gold, was ei ne besondere Auszeichnung war, denn davon gab es nur 60 Stück. Sie zeigt Luther und Calvin sowie auf der Rückseite die aufgeschlagene Bibel im Strahlenkranz. Die Medaille schmückt bis heute den Deckel der Abendmahlskanne.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag wird im Gemeindezentrum etwa gegen 10.30 Uhr die Schau eröffnet. Zu sehen sind unter anderem die Urkunde von 1819 sowie das Mahnschreiben des Königs von 1738.

Quelle: RP
 
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