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Hamminkeln
Alter Sportplatz: Projekt bedroht Kirmes

Hamminkeln. Mit bis zu 75 Wohneinheiten soll der alte Sportplatz an der Brüner Straße bebaut werden. Das soll aus einem Guss als großes Gesamtprojekt geschehen. Doch es gibt Kritik vom Verkehrsverein und am angepeilten Kaufpreis. Von Thomas Hesse

Wenn sich am Montag, 4. Juli, Investoren und Planer im Ratssaal einfinden, geht es um viel Geld - und um ein altes Hamminkelner Streitobjekt. Der alte Sportplatz an der Brüner Straße, für den ehrgeizige Pläne für eine Öko-Vorzeige-Wohnsiedlung ebenso zerplatzten wie die Forderung nach einem Discounter-Standort, wird jetzt offiziell angeboten. Die Stadt will eigene Flächen zur Bebauung ausschreiben, darunter auch den Parkplatz, und möglichst soll das Plangebiet im Ganzen entwickelt werden - mitsamt Erschließung und anderen öffentlichen Flächen.

Lautlos wird es bei dem Vorhaben, das nun Gebiet für unterschiedliche Wohnformen sein soll, nicht abgehen. Zum einen verliert der Hamminkelner Verkehrsverein (HVV) mit dem Parkplatz Fläche für die Traditionskirmes, was er gegenüber der Verwaltung kritisiert. Zum anderen ist kein Plan bekannt, wie es mit Ersatz für den Verlust der auch von Rathausmitarbeitern genutzten Stellplätze aussieht. Zum dritten will die Stadt 1,6 Millionen einnehmen, was zum Beispiel Johannes Flaswinkel (Grüne) für zu wenig hält.

Planungsrechtlich ist das Areal vermarktungsreif - ausgenommen Spielplatz Kerschenkamp und die Fläche für Fuß- und Radweg. Insgesamt geht es um 20.778 Quadratmeter. Im Rathaus geht man von einer bebaubaren Fläche von 11.890 Quadratmetern aus. Zum Paket gehört auch der Stellplatz. "Steht er nicht mehr zur Verfügung, wäre das ein Schlag für die Kirmes, das größte Volksfest in der Stadt", sagt HVV-Chef Stefan Tidden. Hier, auf einem von vier größeren Plätzen im Ort, drehen sich Dschungel-Express und Kinderkarussell. Tidden erwartet eine "klare Attraktivitätsminderung", Großfahrgeschäfte seien wichtig für den wachsenden Zuspruch zur Kirmes. Tidden hält es deshalb für richtig, wenn die Stadt den Parkplatz nicht veräußert. Ein Verkauf aus wirtschaftlichen Gründen sei gegen die Kirmes-Tradition. Die Zufahrt zum neuen Wohngelände sei ja gesichert dort, wo noch das alte Vereinsheim steht.

"Die Verwaltung hält einen Kaufpreis von 1,6 Millionen für angemessen. Er ist marktfähig", schreibt sie. Weil die Stadtplaner ein geschlossenes Baugebiet vorsehen, haben sie auch die Qualitätsansprüche festgelegt. Die Kriterien sehen so aus: 60 bis 75 Wohneinheiten; davon 15 Prozent Einfamilienhäuser, 85 Mehrfamilienhäuser und von diesen ein Anteil von 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnungsbau. 70 Prozent der Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern sollen barrierefrei sein, zwei Vollgeschosse plus Dach- oder Staffelgeschoss sind vorgesehen. In maximal fünf Jahren soll das komplette Vorhaben realisiert sein. Planungsänderungen durch Investoren sind jedoch möglich, wenn sich diese innerhalb der vorgegebenen Spielräume bewegen. Nach der Präsentation am Montag soll der Zuschlag zügig in der Sitzungsperiode nach den Sommerferien erfolgen.

Unklar war im Planungsausschuss, ob die Fläche um den Parkplatz verringert werden soll. Verwaltungschef Romanski sagte, dies sei eine politische Entscheidung. Preislich (Flaswinkel: "Ich sehe eine ganz andere Wertigkeit") erkannte er aber die politische Erwartungshaltung. "Es geht um einen Investorenwettbewerb, somit ist kein Endpreis festgelegt", sagte der gelernte Betriebswirt.

Quelle: RP
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