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Wesel
An Bord der alten Dame

Wesel: An Bord der alten Dame
Kapitän Oliver Bertsch an Bord seines Schiffs. Der 48-Jährige kommt aus einer Seefahrerfamilie. FOTO: Jana Bauch
Wesel. Top für die Ferien: Seit Ostern legt die "River Lady" wieder zu Rundfahrten ab, für Kapitän Oliver Bertsch geht es in die 17. Saison. Das Programm auf dem Raddampfer hat sich verändert: Tanzfahrten allein ziehen nicht mehr. Von Ludwig Krause

Der Rhein hat sich tief ins Bett zurückgezogen, am Himmel hängen die Wolken so schwer, dass die Spaziergänger am Ufer ihre Mantelkrägen hochschlagen. Oliver Bertsch (48) beunruhigt weder das eine noch das andere. Sein Boot, die "River Lady", läuft mit gerade mal einem Meter Tiefgang hier so schnell nicht auf Grund. Und in seiner 17. Saison als Kapitän des Raddampfers hat er so ziemlich jedes Wetter erlebt. "Auch wenn ich Ostern natürlich lieber mehr Sonnenschein gehabt hätte", sagt er.

Seit Ostern läuft die neue Saison des Mississipi-Dampfers aus Wesel. Erst gemächlich, im Sommer auf Hochtouren. Bis zu 16 Mitglieder zählt die Crew dann. Den Winter über hat sie das Schiff fitgemacht: Öl gewechselt, Innen- und Außenbereich gepinselt. Im Oktober stand sogar die Inspektion des Rumpfes an, dafür haben sie die "River Lady" trockengelegt.

Mittlerweile ist alles da, wo es hingehört. Auf den vielen Tischen im Gästebereich sind fein säuberlich die Deckchen ausgelegt, darauf steht jeweils ein Leuchtturm im Miniaturformat. Bertsch sitzt unter Deck, blickt durch die Panoramafenster nach draußen, im Hintergrund fährt die "Connemara" vorbei. Ein Tanker, wie Bertsch sie früher selbst über die Flüsse gesteuert hat. "Ich komme aus einer typischen Seefahrerfamilie", sagt er. Dann stieg er um - von Fracht auf Personenschifffahrt. Wie lange er noch fahren will? "So lange es noch läuft und Spaß macht", sagt er. Am Steuer sitzt der Kapitän natürlich immer noch stilecht in Uniform. Aber ohne Mütze: "Die trägt man im Schiff nicht."

Auch wenn es für Bertsch Saison Nummer 17 ist: Die "River Lady" ist schon deutlich länger unterwegs. 1970 ging sie als ganz normales Ausflugsschiff in Betrieb, neun Jahre später wurde sie aufwendig umgebaut. Den originalen Flaschenkopf der Taufe kann man immer noch an einer Wand an Deck bestaunen. Seither kommt das Schiff wie ein Raddampfer aus Amerikas Wildem Westen daher. Zumindest äußerlich. Denn vom knallroten Wasserrad wird das Schiff nicht wirklich angetrieben. Trotzdem ist und bleibt die "River Lady" ein Anziehungspunkt. Bis zu 20.000 Fahrgäste befördert sie pro Saison, 150 bis 200 Fahrten macht das. Kurzfahrten und Tagesausflüge stehen genauso auf dem Programm wie Kombifahrten. In die Düsseldorfer Altstadt geht es, nach Duisburg, Bonn, Arnheim oder Nimwegen. Mit dem stilechten Aussehen alleine lockt man heute aber keine Besucher mehr an Bord - und mit Tanzfahrten erst recht nicht. "Die Zeiten sind längst vorbei", sagt Bertsch.

Heute funktionieren die Brunch-Fahrten am besten. "Die Menschen wollen nicht mehr so lange an Deck bleiben. Drei Stunden Fahrtzeit, dazu ein Büfett. Das läuft", sagt er. Außerdem beliebt: alles, was knallt. Die Feuerwerksfahrt zu Ruhrort in Flammen am 18. und PPP am 5. August, Emmerich im Lichterglanz am 29. Juli oder der Japantag in Düsseldorf am 20. Mai sind am schnellsten ausverkauft. Die längste Fahrten der Saison führen durch drei Schleusen in die Niederlande. Bis zu 14 Stunden bleiben die Passagiere dann an Bord. Das macht nicht jeder mit. "Aber ohne Stammbesucher würde es hier auch kaum funktionieren", sagt Bertsch. "Wir sind ja nicht in Köln oder Düsseldorf."

Apropos: Sieben Stunden braucht die 500 PS starke Maschine, um von Wesel nach Düsseldorf zu fahren. Zurück ist es nur die Hälfte der Zeit, Strömung sei Dank. Die alte Dame ist eben kein Schnellboot.

www.river-lady.de

Quelle: RP
 
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