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Wesel
Ansturm der Flüchtlinge auf Tafel-Laden

Wesel: Ansturm der Flüchtlinge auf Tafel-Laden
Vor allem Milchprodukte sind äußerst rar, beklagt Rosi Götzke, die Leiterin des Tafelladens am Mühlenweg 10. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Weseler Hilfsverein kann die Nachfrage von Bedürftigen nicht decken und hofft nun verstärkt auf private Spender. Von Klaus Nikolei

Horst Maiß tut es in der Seele weh, die Hoffnungen bedürftiger Menschen zu enttäuschen. Aber er hat keine Chance. "Wir müssen", so beklagt der Vorsitzende des Weseler Tafel, "zahlreiche Flüchtlinge und Asylbewerber abweisen, weil wir einfach zu wenig Ware haben und die Zahl derer, die zu uns kommen, in jüngster Zeit kräftig gestiegen ist." Erstmals, so Maiß, seien jetzt auch Bewohner der Notunterkunft am Lippeglacis zur Tafel gekommen. Verwunderlich vor dem Hintergrund, dass die Flüchtlinge dort täglich drei Mahlzeiten erhalten.

Wie dem auch sei. Jedenfalls hat der Hilfsverein die Notbremse gezogen und einen vorläufigen Aufnahmestopp ausgesprochen. Das heißt, dass aktuell niemand neues in die Kundenkartei des Tafel-Ladens am Mühlenweg in der Feldmark aufgenommen wird. "Ansonsten könnten wir den gut 350 Menschen, die schon länger zu uns kommen, kaum noch etwas geben."

Es sind vor allem Asylbewerber, die im Übergangswohnheim an der Fluthgrafstraße oder dezentral in der Stadt untergebracht sind, die einmal wöchentlich den Laden am Mühlenweg aufsuchen. Unter ihnen viele Familien vom Balkan, vereinzelt auch EU-Bürger aus Ungarn und Griechenland. Vergleichsweise gering ist der Anteil der Kunden, die von Hartz IV leben müssen. Noch vor zwei Jahren, so erinnert sich Maiß, "da haben sich die Leute hier halb totgeschleppt". Doch davon ist jetzt keine Rede mehr. Die Gründe sind vielfältig.

"Zum einen kalkulieren die Supermärkte besser. Dann ist die Konkurrenz durch neue Tafel-Vereine in den umliegenden Kommunen gestiegen. Und nicht zuletzt werden Waren von den Märkten kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu einem deutlich günstigeren Preis angeboten, so dass weniger für uns bleibt." Vor allem Milchprodukte fehlen den ehrenamtlich tätigen Tafel-Mitgliedern bei den nachmittäglichen Verteilaktionen.

Doch was tun? Mit den Supermärkten in der Region nochmals Kontakt aufnehmen und um Hilfe bitten? "Alles schon mehrfach passiert", sagt Horst Maiß. Die Stadt auf die Probleme hinweisen und auch dort um Unterstützung bitten? "Das haben wir auch schon mehrfach versucht - ohne Erfolg. Da habe ich längst die Hoffnung aufgegeben." Was nicht heißt, dass er kurz davor ist, das Handtuch zu werfen.

Denn es gibt zum Glück den einen oder anderen Weseler, der mit einer Geldspende und dem ausdrücklichen Wunsch "Nur für den Kauf von Lebensmitteln" der Tafel ein wenig unter die Arme greift. "Und wir freuen uns auch, wenn uns Bürger Lebensmittelspenden zur Verfügung stellen, die wochentags bei uns im Laden am Mühlenweg 10 von 9 bis 14 Uhr abgegeben werden können", sagt Maiß. Ebenso erfreut wäre er, wenn sich engagierte Bürger dem Verein für einen Jahresbeitrag von 31 Euro anschließen würden.

Infos bei Horst Maiß unter Telefon 0281 62815. Unter dieser Nummer können sich auch Interessenten melden, die als ehrenamtliche Fahrer für die Tafel tätig werden wollen. Die Bankverbindung lautet: Weseler Tafel, Verbands-Sparkasse , IBAN: DE 30 356 50000 0000 2506 70; www.weseler-tafel.de

Quelle: RP
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