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Kreis Wesel
Archäologen finden Keimzelle Alpens

Kreis Wesel. Befund der Ausgrabung im Neubau-Gebiet Alpen Ost: Erste Siedler im frühen ersten Jahrhundert waren ziviler Natur. Von Bernfried Paus

Noch ehe die Häuslebauer Besitz ergreifen vom Baugebiet Alpen-Ost haben sich Wissenschaftler ins Erdreich gegraben - auf der Suche nach Spuren, die weit zurückführen in die Geschichte des Ortes. Und die Archäologen wurden fündig. Ihr Befund: "Die Anfänge Alpens liegen zwar in der römischen Epoche, sind aber ziviler Natur." Damit gilt der Weseler Historiker und reformierte Prediger Hermann Ewich (auch Ewichius 1601-1673) als widerlegt. Er hatte vermutet, dass der Ort Alpen seinen Ursprung in einem Lager der römischen Legion XXX Ulpia Victrix hat.

Die Ausgrabungen auf dem Feld an der Graf-Gumprecht-Straße haben jetzt die aktuelle Politik erreicht. Der Bau-Ausschuss schlägt vor, einen Stichweg im Neubaugebiet Cugerner-Weg zu benennen, damit die Anwohner künftig nicht vergessen, dass ihr Haus da steht, wo Alpens erste Siedler gehaust haben. Damit das auch Besucher erfahren, so lautet der Vorschlag, soll eine Info-Tafel über die historische Stelle aufklären, die die Gemeinde so viel Geld gekostet hat.

Dirk Hedemerten von der Ausgrabungsfirma Archbau hat für Rat und Verwaltung die Dinge zusammengefast, die der Archäologe Peter Motsch und sein Team freigelegt haben. Danach haben an der Stelle schon im frühen ersten Jahrhundert nach Christus Cungerer gesiedelt. Herdemerten schreibt: "Diese Siedlung ist mutmaßlich die Keimzelle des heutigen Alpen."

Tiberius, Bruder des Drusus, der auf tragische Weise vom Pferd gestürzt war und seinen Verletzungen erlag, war zuvor Oberbefehlshaber der römischen Truppen in Germanien. Kurz vor der Zeitenwende hat er 40.000 Sugambrer von der Rheinfront des heutigen Ruhrgebietes zwangsweise auf die andere Seite des Stromes umgesiedelt. Fortan waren sie als Cungerer oder auch Gugerner bekannt. Bei Ausgrabungen, so der Archäologe, sei nachgewiesen worden, dass in den Siedlungen nach und nach das von den Sugambrern benutzte Koch- und Essgeschirr von römischem Tafelgeschirr abgelöst worden sei - klares Indiz dafür, dass die Umgesiedelten, die römische Art zu leben, rasch aufgegriffen haben.

Motsch hat an der Graf-Gumprecht-Straße das steinerne Fundament eines Gebäudes ausgegraben, das zwischen dem frühen zweiten bis Mitte des dritten Jahrhunderts bewohnt gewesen sein muss. Darauf deuten die Funde von Gebrauchsgeschirr und einer Silbermünze aus dem Umfeld einer Turmruine hin. Noch sei nicht abschließend geklärt, ob es sich bei dem Gebäude um eine militärische Station an der Römerstraße gehandelt habe oder doch um ein ziviles Gebäude.

"Doch unabhängig von der Deutung", so der Wissenschaftler, "belegt der Fund eine Nutzung des Siedlungsplatzes Alpen nach dem Aufstand der Bataver." Die Schlussfolgerung lautet daher: "Die Siedlung der Cungerer ist als Beginn einer dauerhaften Besiedlung Alpens anzusehen." Populär ausgedrückt: Die ersten Alpener kamen aus dem späteren Ruhrpott. Das vorläufige Ende der Cungerer-Siedlung sei "in den Wirren um den Tod des Kaisers Nero zu suchen". Damals verfiel das Römische Reich in einen Bürgerkrieg. Die Nordwest-Provinzen unter dem Bataver-Fürsten Julius Civilis lehnten sich gegen Rom auf. Die Cungerer schlossen sich den Aufständischen an. Daraufhin wurden ihre Dörfer von römischen Truppen geplündert und niedergebrannt. Dieses bittere Schicksal dürfte um 70 nach Christus auch der Siedlung im Baugebiet-Ost nicht erspart geblieben sein.

Quelle: RP
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