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Schermbeck
Armutszeugnis für die kleine Stadt

Schermbeck. Prof. Dr. Margret Wensky informierte über Schermbeck im 18. Jahrhundert. Von Helmut Scheffler

Zu einem Ausflug in das Schermbeck des 18. Jahrhunderts hatte jetzt der Heimat- und Geschichtsverein Schermbeck ins Heimatmuseum eingeladen. Der Vorsitzende Rolf Blankenagel konnte mehr als 40 Zuhörer begrüßen.

Kompetente Führerin durch ein Jahrhundert, in dem Schermbeck bis auf ein kurzes Intermezzo der französischen Fremdherrschaft an der Wende zum 19. Jahrhundert zum brandenburgisch-preußischen Territorium gehörte, war die Honorarprofessorin Dr. Margret Wensky. Sie war von 1974 bis 2014 als Historikerin beim Landschaftsverband Rheinland tätig.

Nach einem Exkurs über die Städtepolitik und Städtereform im absolutistischen Preußen seit 1713 begann der für die Heimatforscher interessanteste Teil des Vortrags. Eine Reihe historischer Berichte der Stadt Schermbeck, von denen die meisten bislang in Schermbeck unbekannt waren, hatte Wensky im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und im Landesarchiv NRW gefunden. Der Bericht über Schermbeck aus dem Jahre 1721 enthielt in 19 Punkten neben einer ausführlichen Landschaftsschilderung eine Beschreibung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die unter dem Strich zu einem Armutszeugnis für das Städtchen wurden. 107 Häuser wurden registriert. Handwerker für den alltäglichen Bedarf wohnten im Ort, der zum Typ der Ackerbürgerstädte gehörte. Die Tuchmacherei war sehr schwach ausgeprägt. Die Gastronomie innerhalb der Stadtmauern war sehr schwach entwickelt und erlebte eine starke Konkurrenz durch das außerhalb befindliche Lokal Schwarzer Adler. Als dürftig wurde auch der Brandschutz bewertet. In einem Bericht aus dem Jahre 1724 gab es Informationen über die kirchlichen Verhältnisse, die lateinische Schule und das eigene städtische Gericht gegeben wurden. Die Bewohner lebten meist vom Ackerbau.

Aus einem bislang unbekannten "Policey-Bereisungsprotokoll" der Stadt Schermbeck aus dem Jahre 1769 zitierte Wensky ausführlich. Schermbeck hatte damals 571 Einwohner. Um den Handel war es schlecht bestellt. Von zwei Wassermühlen war nur noch eine im Betrieb. Fremde Bettler und Vagabunden waren nicht geduldet. In einem ganz schlechten Zustand befand sich die Stadtmauer. Von größerer Bedeutung war inzwischen die Tuchmacherei geworden.

Vom Angebot, Fragen zu stellen, machte übrigens am Ende des Vortrags kein Zuhörer Gebrauch.

Quelle: RP
 
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