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Hamminkeln
Asylbewerber kehrt freiwillig zurück

Hamminkeln: Asylbewerber kehrt freiwillig zurück
FOTO: NN
Hamminkeln. Die andere Flüchtlingsgeschichte: Hussain Ikbal Shah, ein junger Mann aus Bangladesh, geht in seine Heimat zurück. Er dankt dem Hamminkelner Sultan Masood Dakik für seine Hilfe in Deutschland. Von Thomas Hesse

Hussain Ikbal Shah (28) ist ein stiller, zurückhaltender, umgänglicher Mensch. Der 28-jährige Asylbewerber aus Bangladesh überlegt genau, wenn er sich im höflichen Tonfall äußert. Überlegt hat er auch bei einer weitreichenden Entscheidung. Lange überlegt. Einen Monat lang hat er sich Zeit genommen, um nach Gesprächen mit dem Hamminkelner Sultan Masood Dakik, den er wegen seiner Hilfsbereitschaft respektvoll "Onkel" nennt, den umgekehrten Weg zu gehen. Statt zur Untätigkeit verdammt noch Jahre in der Ringenberger Unterkunft in der Belenhorst zu leben, weil sein Asylantrag wahrscheinlich abgelehnt wird, kehrt er in sein Heimatland zurück. Er ist überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns, freut sich auf die Familie und will ein neues Fundament für sein Leben schaffen. "Ja, ich freue mich", sagt er schlicht. Eine etwas andere Flüchtlingsgeschichte und einmalig im Kreis Wesel. Bei der Ausländerbehörde ist seine freiwillige Rückkehr ein seltener Fall.

Sultan Massod Dakik, der für seine Unterstützung von Flüchtlingen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist (RP berichtete), hat Shah beim Besuch in der Belenhorst kennengelernt. Sie haben über die Zukunft des jungen Mannes, der Analphabet ist und kein Deutsch spricht, geredet. "Er wird nicht viel Zukunft in Deutschland haben. Sein Herkunftsland ist sicher, wenn auch sehr arm. In Bangladesh sieht es für ihn besser aus, er kennt die Kultur, ist eingebettet in seine Familie. Ich habe ihm den Wert seiner Heimat nahegebracht und will ihm über meine Kontakte bei der Arbeitssuche helfen. Er will als Fahrer tätig sein", sagt Dakik. Shah nickt und erzählt mit Hilfe eines Dolmetschers, dass man zwei Monate gesprochen habe und er einen Monat ohne äußeren Druck hin- und her überlegt habe. Dann stand seine Entscheidung schließlich fest.

Doch was muss für eine freiwillige Rückkehr formal geschehen? Beide suchten Rat bei Bürgermeister Holger Schlierf, der Türen öffnete. Die Ausländerbehörde beim Kreis war erst überrascht von dem Ansinnen des Asylbewerbers und dann sehr kooperativ. Shah zog seinen Asylantrag offiziell zurück. Nun müssen die Ausweispapiere aus Bangladesh kommen, die deutsche Botschaft des Landes wurde eingeschaltet. Dann folgt der Rückflug.

"Sultan Masood Dakik ist der Wegweiser für mich, er hat mir die Augen geöffnet. Ich danke auch Hamminkeln, hier hat man mich menschlich behandelt", sagt Shah. Die Zeit des Zweifelns, ob seine Asylsuche in Deutschland richtig war, ist vorbei. Er sei ein einfacher Mann, und wie er wüssten viele Asylanten nicht, was in der Ferne auf sie wartet und hätten keine Vorstellung, was dort geht und was nicht.

"Ich werde für Euch beten", sagt er. Dakik will ihm über seine geschäftlichen Beziehungen zu Bangladesh helfen, wieder in der Heimat Fuß zu fassen. Ein Neuanfang steht bevor.

Quelle: RP
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