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Wesel
Auch das Trichinoskop fand einen Abnehmer

Wesel. Schätze für Sammler und Dekofreunde gab es beim 1. Antik- und Trödelmarkt in Hünxe.

Mit alten Weisen begrüßte der Leierkastenmann am Sonntag die Besucher am Eingang des Heimatmuseums "Alte Bergschule Hünxe" - und stimmte sie darauf ein, was sie auf dessen Hof erwartete: "Dütt on Datt" gab es beim 1. Antik- und Trödelmark - und der Schwerpunkt lag eindeutig auf Antikem. Sachen gab es da, die es heute nirgendwo mehr gibt: echte Schätze für Sammler und Dekofreunde.

Manche Dinge finden sich einfach nur in Kellern ländlicher Häuser - oder steht bei Ihnen noch ein Trichinoskop im Untergeschoss? Bei Annegret Berger-Lohr schon. Das Mikroskop brachte der Amtstierarzt immer zur Trichinenschau mit, anno Tobak. Auf dem Markt fand es gestern am Stand der Hünxer Landfrauen schnell einen Freund.

Anderes wurde lange liebevoll verwahrt - kam nun aber doch unter den Hammer. Es komme in "gute Hände" versicherte die Dame und übernahm Birgit Piepers altes, wunderschönes, verziertes Silberbesteck. Das lag auf Samt und hatte zudem eine tolle Beigabe: ein "Koch- und Schmörgelbuch für Junggesellen", mit nützlichen Hinweisen für den Mann von früher - und möglicherweise auch von heute: Wie man Kartoffeln und Nudeln kocht, steht da, und dass Blumenkohl ein hervorragendes Gemüse ist, weil er kaum Arbeit macht. Nur das Kapitel über das Schlagen mit dem Beil, das bereitete der Käuferin doch ein wenig Sorgen. "Eine ganze Din-A-5-Seite" könne man mit dem Schreibset mit den Glaskielen schreiben, erklärt Birgit Pieper und weist auf das verzierte Metall - ein Gang über den Antikmarkt kann auch Demut lehren.

Auch die Jugend. Kinderbücher etwa hatten früher nur Text. Keine Bilder. Karussells hatten Holzpferdchen - Eberhard Hoppe verkaufte gestern eins. Brillen hießen Monokel und hatten keine Bügel - wie etwa die von Anne Te Heesens Großmutter. Eine alte Singer-Nähmaschine wartet bei Edith Ostermann-Schellekes auf einen Liebhaber, locker 100 Jahre alt, schätzt sie. Wer oben nähen wollte, musste unten treten und die Maschine so antreiben. Von früheren Zeiten erzählte auch die Apothekerwaage von Familie Giesen. Das dazugehörige Eichmaß trug das Datum vom 25. Juni 1886 - und war ruckzuck verkauft. Wie alt der Kugelgießer ist, wusste auch die Verkäuferin nicht: "Aber wann hat man denn noch Kugeln für Karabiner mit der Hand gegossen?" fragt sie. Heute dient das Stück friedlicheren Zwecken - der Dekoration.

Ebenso wie der prächtige Spiegel mit belgischem Rahmen, der hinter Marlies Strych hängt. Einst war ein röhrender Hirsch in dem Rahmen und wurde durch einen Spiegel ersetzt - heute "kann man sich selber anröhren", lacht die Verkäuferin. Überhaupt hatten die Damen viel Spaß auf dem Markt, allein schon deswegen, "weil man so viele Leute trifft." Über eine Wiederholung des Antik- und Trödelmarkts dachte der Verein bereits am Sonntag nach.

(aha)
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