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RP-Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - präsentiert von Altana (Folge 6)
Auch mit Abi kann das Handwerk locken

RP-Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - präsentiert von Altana (Folge 6): Auch mit Abi kann das Handwerk locken
Günter Bode, Obermeister der Maler und Lackierer im Kreis, mit dem bald startenden Abiturienten Alexander Neumann und dem frischgebackenen Gesellen Kevin Hoffmann (von links) FOTO: Martin Büttner
Wesel. Alexander Neumann entschied sich für die Ausbildung zum Maler und Lackierer, die Kevin Hoffmann gerade beendete. Von Hendrik Gaasterland

KREIS WESEL Alexander Neumann und Kevin Hoffmann trennt nicht nur ein Altersunterschied von neun Jahren. Auch in der beruflichen Laufbahn ist der 28-jährige Kevin Hoffmann aus Millingen dem Dinslakener ein Stück voraus. Während Alexander Neumann zum 1. August seine dreijährige Ausbildung zum Maler und Lackierer erst beginnen wird, hält Kevin Hoffmann in diesen Tagen sein Abschlusszeugnis in den Händen und kann ab Montag in seinem Job als Handwerker loslegen.

Dass Neumann ins Maler- und Lackiererhandwerk gehen wird, ist nicht ganz alltäglich. Der 19-Jährige baute in diesem Jahr an der Ernst-Barlach-Gesamtschule sein Abitur und hätte auch ein Studium beginnen können. "Mein Vater Dirk hat aber einen eigenen Betrieb und mein Traum oder Wunsch ist es, dass ich ihn in der dritten Generation irgendwann einmal übernehmen werde", sagt der Abiturient.

Obermeister Günter Bode kann diesen Schritt nur gutheißen, denn er weiß, dass Facharbeitermangel herrscht und dass das Personal in den Firmen immer älter wird: "Das führt dazu, dass es immer weniger Betriebe geben wird, auch weil die Nachfolge nicht geregelt ist. Dass Alexander als Abiturient ins Handwerk geht, kommt aber leider nicht so oft vor. Das ist meist nur der Fall, wenn, wie bei ihm, ein Betrieb im Hintergrund vorhanden ist."

Für Alexander Neumann war es aber nicht ausschlaggebend, dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters und Opas treten kann. Er wollte schon immer ins Maler- und Lackiererhandwerk und wurde nicht durch die Familientradition dazu gedrängt. Nach ersten Erfahrungen durch ein Praktikum will er in den nächsten drei Jahren im Betrieb von Ingo Bülow in Hamminkeln das ganze Spektrum des Berufs kennenlernen und den Umgang mit der Privatkundschaft erleben: "Nach der Ausbildung möchte ich noch meinen Meister machen und vielleicht auch noch ein BWL-Studium dranhängen. Aber soweit denke ich noch nicht. Ich fange erstmal bei null an. Alles andere wird die Zukunft zeigen."

Was dem Dinslakener noch bevorsteht, hat Kevin Hoffmann schon hinter sich gebracht. Er bereut es nicht, auch erst mit 25 Jahren noch die Ausbildung begonnen zu haben, weil er durch sie jetzt im Beruf fest angekommen ist. "Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ich kann die Ausbildung nur weiterempfehlen, weil sie sehr vielseitig ist, man viel unterwegs ist und man immer neue Leute kennenlernt. Die Innenarbeiten haben mir persönlich am besten gefallen, aber eigentlich hat alles Spaß gemacht - die Praxis aber natürlich mehr als die Theorie in der Schule, weil man sich in der Praxis ausleben konnte", erzählt der 28-Jährige.

Wie bei ihm, ist auch Alexander Neumann der Umgang mit immer neuen Menschen in seinem zukünftigen Job wichtig: "Das war ein Aspekt, warum ich die Ausbildung machen wollte."

Während der 19-Jährige noch seinen Meister und eventuell ein Studium plant, ist Kevin Hoffmann mit dem jetzt Erreichten zufrieden. "Ich glaube, dass ich ein Indianer bleiben werde", sagt er, nachdem Günter Bode zuvor meinte, dass die Branche nicht nur Häuptlinge an den Firmenspitzen benötige, sondern auch verlässliches Personal als Indianer, das neben den Grundtugenden wie Pünktlichkeit das handwerkliche Geschick schon mitbringen müsse.

"Durch ein Praktikum erfährt man immer am besten, ob der Beruf etwas für mich ist. Wenn man dort Wille zeigt und in das Team hineinpasst, hat man die Lehrstelle fast schon sicher", erklärt der Obermeister. Er kann jedem Berufseinsteiger, der noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, nur raten, sich entweder bei den Betrieben direkt über freie Stellen zu informieren oder die Internetportale der Jobbörse der Arbeitsagentur oder der Handwerkskammer Düsseldorf zu besuchen. "Man darf nicht vergessen, dass sich bei guten Noten und Leistungen die Ausbildungszeit verkürzen lässt, die Abbrecherquote ganz gering ist und dass die Verdienstmöglichkeiten im Maler- und Lackiererhandwerk gut sind. Wer arbeiten will, kann im Handwerk immer noch gutes Geld verdienen", erklärt Günter Bode, der damit junge Männer, aber auch Frauen anspricht.

"In diesem Jahr hatten wir von insgesamt 38 Prüflingen im Kreis Wesel sieben Mädels dabei. Sie holen deutlich auf - zu meiner Zeit noch, war keine einzige Frau dabei", sagt der Obermeister Günter Bode.

Quelle: RP
 
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