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Schermbeck
Auf diesem Markt kennt jeder wirklich jeden

Schermbeck. Der Schermbecker Wochenmarkt ist klein, aber auch sehr fein - und auch beliebt. Das bestätigen die vielen Stammkunden, die donnerstags gerne zum Overkämping-Parkplatz an der Mittelstraße kommen.

So schnell vergeht die Zeit. Seit 1977 verkauft Familie Wember aus Dorsten Obst und Gemüse in Schermbeck. "Fast 40 Jahre lang", überlegt Peter Wember. Im Einzelhandel ist das eine halbe Ewigkeit. "Früher haben wir eine Tomatensorte verkauft. Heute sind es elf." Coeur de Boeuf, Torino, Dulcita, daneben deutscher Anbau, grüne, gelbe, rote, orangefarbene Leckereien in Schälchen. Oder lieber Weintrauben aus Kreta, Nektarinen aus Spanien, Rosé-Knoblauch aus Frankreich?

Stunden könnte man dastehen und die Auslagen bestaunen. Wenn da nicht jene Betriebsamkeit wäre, die Wember und Kollegen seit Jahren an das kleine Schermbeck bindet. Donnerstag ist Markttag, da kommen die Stammkunden in Scharen. Und wir stehen im Weg. Claudia Becker vom Fischhandel bestätigt: "Das ist ein kleiner, überschaubarer Markt. Aber ein starker!"

Wer schon länger in Schermbeck wohnt, erinnert sich: Früher lag der Wochenmarkt an der Dreifachsporthalle an der Schlossstraße. Als dort Bauarbeiten begannen, zogen die Verkäufer zur Mittelstraße um. Eine gute Entscheidung der Gemeinde. Im Zentrum fühlten sich die Händler wohler. Und so ist es beim Overkämping-Parkplatz geblieben - auch mit dem Ziel, die Mittelstraße zu beleben.

Auch Fisch Kobus aus Haltern verkauft schon 30 Jahre in Schermbeck. Claudia Becker hatte gestern in ihrem Wagen allerhand zu tun. Sieht aus, als würde sie alle Kunden persönlich kennen, nebst Lebens- und Familiengeschichte. "Backfisch wie immer?", ruft sie einer Kundin zu. Becker belegt Brötchen mit Matjes Sylter Art ("Der ist nicht so salzig"), füllt Schalen mit köstlich angemachten Heringshappen - Preiselbeere, Dill, Senf - und hat trotzdem noch Zeit, sich mit einem Paar über die vorige Woche auszutauschen. Marktverkäufer, lernen wir, müssen fix sein. Becker ist seit drei Uhr auf den Beinen, hat Salate gemacht, den Hänger beladen und ist losgedüst. Sie kommt gern her. "Ich kenne jeden. Das ist ja das Nette hier."

Bernhard und Doris Sievering können das bestätigen. Das Ehepaar wohnt in Altschermbeck. Wenn Markttag ist, ist es dabei. "Ein schöner Treffpunkt!", freut sich Bernhard Sievering. Aktuell stehen die zwei vor der Metzgerei Bellendorf aus Lembeck, die aus dem Wagen heraus verkauft. Bellendorf schlachtet und wurstet noch selbst, heute eine Seltenheit. Der Knochenschinken ist beliebt, ebenso die kesselfrische Fleischwurst. "Wir gehen auf die Kunden ein", sagt Verkäuferin Beate Bylski. Hauchdünn geschnitten bedeutet hauchdünn geschnitten - und ein paar Scheibchen werden ebenso gern verkauft wie ein Stück Schinken. Die Sieverings, die mit Erich Timmermann, ebenfalls Marktkunde, ins Gespräch gekommen sind, übernehmen. "Das ist einfach eine Superqualität!"

"Man muss etwas bieten", bestätigt Peter Wember am Obst- und Gemüsestand. "Wirsing führt heute jeder Lebensmittelladen. Bei uns gibt es etwas Besonderes. Wer gern isst und Spaß an Lebensmitteln hat, ist hier gut aufgehoben."

(kui)
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