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Hamminkeln
Aus dem Schlossgraben zurück auf die Spitze

Hamminkeln: Aus dem Schlossgraben zurück auf die Spitze
Thomas Boiting ist eigentlich ein Baumkletterer. Gestern erstieg der Loikumer das Dach des Schlossturms, um die Wetterfahne wieder aufzuhängen. FOTO: Malz
Hamminkeln. Wie es Christian Keiten schaffte, die vom Sturm "Niklas" verwehte Wetterfahne wieder auftauchen zu lassen, und Baumkletterer Thomas Boiting sie gestern auf das Ringenberger Schlossdach brachte. Von Thomas Hesse

Christian Keiten ist manchmal ein Wasserläufer. Vor wenigen Tagen watete er durch Schlamm und Schlick, um die vom Sturm verwehte Wetterfahne des Ringenberger Schlosses doch noch zu finden. Es gelang. Thomas Boiting ist eigentlich ein Baumkletterer. Der Loikumer erstieg gestern wie in Filmklassikern, in denen Meisterdiebe scheinbar unüberwindliche Mauern erklettern, um an die Kronjuwelen zu kommen, das Dach des Schlossturms. So kam nach dem Sturmtief "Niklas" Ende März und nach der Beseitigung der Schäden am 11. Juni mit dem Aufbau der rund vier Meter hohen Krone, aber ohne Wetterfahne, doch noch das letzte verwehte Stück aufs Schloss. Eine bemerkenswerte Geschichte mit Happy End

Zum glücklichen Ende wäre es ohne Keiten vom Heimatverein Ringenberg nicht gekommen. Die beim Sturm in den Wassergraben abgestürzte Wetterfahne war einfach nicht zu finden. Die Dingdener Feuerwehr war das Gewässer mit Boot und Suchstange abgefahren. Vergeblich. Es wurde gerätselt. Hatte die Wetterfahne schon einen neuen Besitzer gefunden, war die geheimnisumwitterte "weiße Frau" von Schloss Ringenberg getaucht und hatte sich ihren Besitz gesichert? Die Antwort war ganz und gar irdischer Natur, dem beharrlichen Ur-Ringenberger Keiten sei Dank.

Am 15. Juli beschloss er, seine Gummistiefel ganz hoch zu ziehen und ins Wasser zu gehen. Bei der Suche nach der Fahne watete er durch Schlick und Schlamm, drohte sogar stecken zu bleiben oder abzurutschen. Keiten ging systematisch vor, barg erst etliche Dachziegel und jubelte dann. Die alte Wetterfahne war gefunden. Am nächsten Tag brachte er das vom Dreck befreite Stück zur Stadtverwaltung, die auch als Untere Denkmalbehörde fungiert. Dort waren Siegfried Neuhaus (Kultur) und Anna Kamperschroer, zuständig für städtische Immobilien, begeistert, schließlich musste keine neue Fahne mehr hergestellt werden. Dann wurde die von Wasser und Wetter malträtierte Fahne aufgearbeitet und mit goldfarbenem Lack versehen. Zum Happy End fehlte nur noch das Hamminkelner Gemeinschaftswerk, das gestern vollendet wurde. Kletterer Thomas Boiting aus Loikum, bekannt durch seine mitunter spektakulären Einsätze bei der Baumpflege, ging erst im Turm hoch, um anschließend durchs Fenster zu steigen und sich in spektakulärer Weise ums Turmdach zu winden, um die letzten Meter zur einsam aufragenden Kronenspitze vorzudringen. Ein Griff zur mitgeführten Fahne, schwupp, war die hülsenartige Führung über die bis dato leere Spitze gestülpt. Das Quartett der vier, sich auf mehreren Dächern drehenden güldenen Fahnen war wieder komplett. Boiting hatte eine souveräne, knapp über eine halbe Stunde dauernde Kletterpartie hingelegt.

Quelle: RP
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