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Wesel
Autorenduo erfindet Pippi Langstrumpf neu

Wesel: Autorenduo erfindet Pippi Langstrumpf neu
Annika Kuhn und Martin Grolms FOTO: Hemsteg
Wesel. Mittels Crowdfunding will ein Weseler Autorenduo ein Buch auf die Beine stellen. Erscheinen soll es im Oktober. Von Moritz Hemsteg

Im Oktober erscheint zum dritten Mal ein außergewöhnliches Kinderbuch von Martin Grolms (40) und Annika Kuhn (34). Die beiden Weseler lernten sich während des Studiums in Aachen kennen und es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass sie für Kinder und Kinderbücher brennen. Zwei Bücher und ein Kochbuch sind bereits erschienen, auch Projekte wie ein Hörbuch oder ein Brettspiel sind nicht ausgeschlossen.

Bis das erste Abenteuerbuch der Titelheldinnen Greta und Pinipa im Jahr 2015 erschien, hatte das Paar bereits einen steinigen Weg durch das deutsche Verlagswesen hinter sich, berichten Grolms und Kuhn. Die großen Verlage haben sie abgewiesen. Pinipa sei mit ihren zerzausten roten Haaren und der Latzhose für viele Verlage nicht mädchenhaft genug, um am Markt bestehen zu können. Hinzu kamen Fragen eines sozial und ökologisch vertretbaren Drucks: Keine Lacke zum Färben, die am Ende in chinesischen Flüssen landen, keine Kinderarbeit beim Binden der Bücher, keine Abholzung von unbedingt schützenswerten Waldbeständen. Das Autorenduo gründete den Gruhnling-Verlag. "Wir waren im Verwandtenkreis schon immer die Gruhnlings - eine Kombination aus unseren Nachnamen Kuhn und Grolms."

Der Aufwand lohnt sich. Zumindest sind Grolms und Kuhn Feuer und Flamme für ihr Projekt und opfern in den letzten Wochen vor Druck jede Minute ihrer Freizeit für das bald erscheinende Buch. Und Pinipa hat einiges zu bieten, sowohl für junge Leser als auch für deren Eltern. Grolms und seine Lebensgefährtin, die selbst als freiberufliche Grafikdesignerin arbeitet, haben sich mit der Pinipa-Reihe einen Bildungsauftrag gesetzt.

"Pinipa macht, was sie will, aber nicht so krass wie Pippi Langstrumpf." Der Vergleich liegt auf der Hand - etwas anarchistisch veranlagt, tollkühn die Welt erkundend und als rothaariges Mädchen vorurteilsfrei den Menschen begegnend, verhalten sich sowohl Pippi als auch Pinipa. So sehr Eltern allerdings den Lindgren-Klassiker schätzen, so wenig wollten sie, dass ihre Kinder die Jugendheldin aus der Villa Kunterbunt nachahmten. Pinipa hingegen sei ein Vorbild für Mädchen wie Jungen. Gleichzeitig sei es leichter, sich von ihr zu distanzieren, da sie ja mal mehr und mal weniger in Raum und Zeit greifbar sei. "Es ist denkbar, dass Pinipa in kommenden Bänden ins Mittelalter oder ins Weltall reist", wirft Kuhn ein.

Der imaginären Pinipa stehe Romanheldin Greta gegenüber, seit etwa vier Jahren ein typischer Name für junge Mädchen, sagt Grolms. Die Tiere in Pinipas Reich haben dem Lateinischen entlehnte Namen. So heißt der im Ruhrpott-Slang sprechende Maulwurf "Talp" von "Talpida" (lat.: Maulwurf) und die Elster einfach "Pica". Viele Anspielungen bleiben den Kindern gleichwohl verborgen und fordern eher die vorlesende Elterngeneration heraus. So erschien im Stadtpanorama von Paris im zweiten Band neben Eiffelturm und Notre-Dame auch das Moulin Rouge. Oder die hanseatisch tönende Panik-Möwe Udo, die Pinipa in Hamburg trifft. Martin Grolms betont allerdings, dass er nicht unbedingt Lindenberg-Fan sei.

Im dritten Band wird Gretas imaginäre Freundin Pinipa nun Detektivin. Auf mysteriöse Weise verschwindet eine kostbare Silbergabel vom Gartentisch und Pinipa geht dem nach. Nachdem das Erstlingswerk von 2015 den Fokus auf diverse Abenteuerstandorte in der Bundesrepublik legte und das zweite Buch von 2016 die abendländische Pfannkuchenkultur in ganz Europa in den Blick nahm, geht es nun ganz um den heimischen Garten.

Wieder kommt Grolms' Begeisterung für Bildung durch. Als der Kommunikationswissenschaftler seine Magisterarbeit schrieb, fragte er sich, warum die Werbeforschungserkenntnisse nicht für Kinderbücher eingesetzt würden. So könne man Inhalt mittels intrinsischer, also von den Kindern ausgehender Motivation, vermittelt werden. Kinder von heute wüssten teilweise nicht mehr, dass "Äpfel nicht im Supermarkt wachsen." Auch dass es ganz normal sei, dass ein Stück Land von abertausenden Regenwürmern bevölkert werde, oder dass es nicht egal sei, dass die Bienen ausstürben. All das lässt Grolms nicht kalt und er möchte auf kinderfreundliche Art einen Einblick in die wunderbare Welt des Gartens vermitteln. Gretas Freundin Pinipa begegnet auf ihrer Suche nach der Kuchengabel allen möglichen Kreaturen der niederrheinischen Fauna, für die den Autor während seines Zivildienstes die Begeisterung packte. Übrigens: Inspiration für "die Gartendetektivin und die verschwundene Silbergabel" fanden die Jungautoren im Weseler Garten von Grolms Mutter.

Bis zum 8. Oktober werden noch mehrere Tausend Euro für den Druck benötigt. Infos zur Finanzierung unter www.startnext.de/pinipa3. Ab einem Beitrag von fünf Euro kann man dabei sein. Unterstützer des Drucks erhalten exklusive Pinipa-Gimmicks wie etwa Lupen oder Landkarten.

Quelle: RP
 
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