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Petra Klisch
"Bald nur noch eine Hauptschule im Kreis"

Wesel. Acht Jahre lang war Petra Klisch als Schulamtsdirektorin für die Haupt- und Grundschulen im rechtsrheinischen Kreisgebiet zuständig. Nun geht die Krefelderin mit 65 in Pension. Ihre Nachfolgerin steht schon fest: Nicole Wardenbach aus Duisburg.

Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht Lehrerin geworden wären?

Petra Klisch Ich hatte kurzzeitig vor, Biologie oder Medizin zu studieren. Aber dann habe ich mich doch entschieden, Hauptschullehrerin zu werden.

Warum wollten Sie nicht Grundschul- oder Gymnasiallehrerin werden?

Klisch Ich wollte unbedingt etwas mit älteren Kindern machen. Das Studium mit den Fächern Sport, Chemie und Mathematik war damals mit drei Jahren recht kurz. Als ich 1975 meine erste Stelle in Köln antrat, war ich 24 Jahre. Die ältesten Schüler in meiner Klasse waren gerade mal sieben Jahre jünger.

Warum sind Sie nicht in Köln geblieben. Ist doch eine tolle Stadt.

Klisch Stimmt. Aber ich bin aus privaten Gründen wieder zurück in meine Heimatstadt Krefeld, wo ich viele Jahre an der Hauptschule in Gartenstadt tätig war. Zuerst als Lehrerin, dann später in der Schulleitung.

Apropos Hauptschule. Die Weseler Martini-Hauptschule läuft in wenigen Jahren aus - was sicher nicht in Ihrem Sinne ist, oder?

Klisch Ich finde diese Entwicklung traurig, denn ich bin eine Verfechterin dieser Schulform. Die gute Arbeit, die in den Hauptschulen ganz allgemein geleistet wurde und wird, haben die Eltern nicht honoriert. Allerdings waren viele, die diese Schulform wählen mussten, hinterher froh, dass ihre Kinder dort gelandet sind und zu einem Schulabschluss geführt wurden. Interessant ist vielleicht, dass es zu Beginn meiner Arbeit in der Schulaufsicht im Kreis Wesel noch 15 Hauptschulen gab. Mittlerweile sind es nur noch acht, zum 1. August nur noch fünf. Und nur die Justus-von-Liebig-Hauptschule in Moers ist die einzige, die wohl dauerhaft erhalten bleiben soll.

Wissen Sie schon, wie Ihr letzter Tag im Kreishaus von Wesel aussehen wird?

Klisch Es wird eine kleine Feier mit allen Mitarbeitern des Schulamtes für den Kreis Wesel geben, bei der ich dann auch die Entlassungsurkunde der Bezirksregierung erhalten werde. Und das war's dann auch.

Viele Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, erfüllen sich anschließend einen lang gehegten Traum. Sie auch? Vielleicht eine Weltreise?

Klisch (lacht) Nein. Ich bin froh, dass ich jetzt mehr Zeit habe, um mein schönes Zuhause in vollen Zügen zu genießen. Ich werde mehr Zeit im Garten verbringen und mich auch intensiv um meine vierjährige Enkelin kümmern - das ist mein größtes Hobby. Aber natürlich werde ich auch mehr reisen. Zum Beispiel auch mit Freunden, die schon länger zusammen unterwegs sind.

Die Freunde sind also alle etwas älter?

Klisch Nicht unbedingt, einige sind auch deutlich jünger. Aber es gibt kaum jemanden, der mit 65 Jahren noch arbeitet. Ich muss sagen, dass mir die Arbeit immer Freude bereitet hat. Unter anderem, weil ich immer gute Bedinungen vorgefunden habe. Klar, dass es manchmal auch sehr anstrengend war. Aber das kennt ja jeder, der mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat.

Können Sie jungen Menschen mit gutem Gewissen raten, ein Lehramtsstudium zu beginnen?

Klisch Auf jeden Fall. Meine Tochter hat's gemacht - und ist sehr glücklich.

Wer übernimmt Ihre Stelle?

Klisch Nun, da alles amtlich ist, kann ich den Namen verraten. Nicole Wardenbach, die in Duisburg-Baerl die Städtische evangelische Grundschule Waldstraße leitet, wird zum 1. Juni meine Nachfolgerin. Ich wünsche ihr, dass sie genauso viele Freude an der Arbeit hat, wie ich.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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