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Niederrhein
Bande sprengte Geldautomaten in Serie

Niederrhein: Bande sprengte Geldautomaten in Serie
Zwei der vier Angeklagten wurden gestern in Handfesseln in den Gerichtssaal geführt. FOTO: Stade Klaus-Dieter
Niederrhein. Vier Angeklagte müssen sich seit gestern in Kleve vor Gericht verantworten. Sie gestanden, Geldautomaten am gesamten Niederrhein in die Luft gejagt zu haben - unter anderem auch in Wesel. Beute blieb aus. Schaden beträgt 850.000 Euro. Von Marc Cattelaens

Es war eine bislang beispiellose Serie von Geldautomaten-Sprengungen, die von März 2015 bis zum Weihnachtsfest die Menschen am Niederrhein erschütterte. Insgesamt zwölf Mal schlugen die Täter zu, machten auch vor Filialen, über denen Menschen wohnen, nicht Halt. Gestern bekannten sich vier Angeklagte aus Bedburg-Hau und Kleve zu den Taten.

Versuchter schwerer Bandendiebstahl, Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen und Sachbeschädigung in mehreren Fällen lauten die Tatvorwürfe, die Oberstaatsanwalt Guido Schulz den 27, 28, 28 und 34 Jahre alten Angeklagten zur Last legte. Obwohl keine einziger ihrer vielen Sprengungen und -versuche den erwünschten Erfolg brachte - die Angeklagten erbeuteten nicht einen Cent - machten sie immer weiter.

Kurz vor Weihnachten 2015 war auch der Geldautomat der Sparkassen-SB-Filiale in Wesel-Lackhausen in die Luft geflogen. Der Schaden war groß. FOTO: Malz

Offenbar hatten die Angeklagten, die sich teils untereinander kaum kannten, zur gleichen Zeit begonnen, Häuser zu bauen, und sich bei den Kosten gehörig verkalkuliert. Einer spielte regelmäßig im Casino. Ein anderer hatte gerade seinen Job als Lagerist verloren. Man brauchte Geld.

Der älteste der Bande, der 34-Jährige M. aus Kleve, fühlte sich als Metallfacharbeiter ausreichend qualifiziert, die schwer gepanzerten Automaten zu knacken. Mit einem Bohrer, so der Plan, wollte man den Geräten zu Leibe rücken, dann Gas einleiten und schließlich eine Explosion herbeiführen. Den Rest besorgte Youtube: Bevor sie zur Tat schritt, schaute sich die Bande auf dem Internet-Videoportal Filme von Automaten-Sprengungen an. Detailliert war dort zu sehen, wie dabei vorzugehen sei.

FOTO: Stade Klaus-Dieter

Doch offenbar hatten die Angeklagten nicht genau genug hingeschaut. Bereits der erste Sprengversuch am 23. März 2015 an einem SB-Center der Sparkasse in Kranenburg scheiterte, die Explosion blieb aus. Weder am 6. Juni in der Sparkasse am Baumannshof in Bedburg-Hau, noch am 19. Oktober erneut am SB-Center der Sparkasse Kranenburg, noch am 27. Oktober in einer Volksbank-Filiale in Goch zündete das Gasgemisch. Trotzdem war bereits da mit insgesamt 17.000 Euro der Schaden an den Geldautomaten beträchtlich.

Der erste große Knall geschah, nachdem die Bande beschlossen hatte, die Zusammensetzung des Gasgemisches zu ändern. Am 30. Oktober sprengten die Täter den Pavillon der Sparkasse an der Flutstraße in Kleve in die Luft, der Schaden betrug 100.000 Euro. Am 18. November schlugen sie in der Volksbank-Filiale an der Dorfstraße in Kevelaer-Twisteden zu. Der Schaden lag bei rund 150.000 Euro, zusätzlich verbrannte Bargeld im Wert von 143.000 Euro.

Zuletzt sprengte die Bande beinahe täglich Automaten. An Geräten und Gebäuden von Banken in Kalkar-Wissel, Kevelaer-Winnekendonk, Xanten, Wesel, und Nettetal richteten die Täter einen Gesamtschaden von rund 450.000 Euro an. Insgesamt beträgt der Schaden rund 850.000, die Beute null Euro.

Eine Sonderermittlungskommission des Landeskriminalamtes schnappte die Bande schließlich tags vor Weihnachten. Einer der Täter hatte bei den Sprengungen stets sein Handy an. Das wurde geortet.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
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