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Wesel
Bauverein-Kritiker lassen Regress prüfen

Wesel. Mehr als zwölf Stunden lang dauerte gestern im Welcome-Hotel die Hauptversammlung der Bauverein AG, die versucht hat, mehr als 180 Fragen von kritischen Aktionärsvertretern zu beantworten. Bauvereins-Anwalt Venn rechnet mit Klage. Von Klaus Nikolei

Die Hoffnung vieler Kleinaktionäre, dass die neu angesetzte Hauptversammlung der Bauverein AG nach wenigen Stunden über die Bühne sein würde, erfüllte sich nicht. Abgesehen von kurzen Pausen wurde gestern im Welcome-Hotel hinter verschlossenen Türen mehr als zwölf Stunden getagt. Doch anders als am 29. Juni, als der Bauverein von Fragen kritischer Aktionärsvertreter überrascht und die Hauptversammlung abgebrochen wurde, hatte er nun mehrere Anwälte und einen Notar engagiert. Die hatten in einem Nebenraum reichlich mit der Beantwortung von mehr als 180 Fragen zu tun.

Zu Beginn wurde der Antrag von Aktionärsvertreter Karl-Heinz Berchter (Düsseldorf), die Versammlung "aus Gründen der Transparenz" für die Presse zu öffnen, abgelehnt. Es reichte die Stimme von CDU-Fraktionschef Jürgen Linz als Vertreter der Hauptgesellschafter Stadt und Hohe-Haus-Stiftung, die zusammen mehr als 70 Prozent der Anteile besitzen.

Berchter, Geschäftsfreund des mit einer Vollmacht der Volksbank Rhein-Lippe ausgestatteten Meerbuscher Unternehmers Rolf Hauschildt, erklärte in einer Pause, dass man wegen einer Reihe ungeklärter Fragen erneut gegen den Bauverein klagen werde. Unter anderem beanstanden die Aktionärsvertreter Berchter, Hauschildt und der Kölner Anwalt Markus Linnerz, dass zunächst SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, später dann auch Linz als Gesellschaftervertreter an Versammlungen des Aufsichtsrates teilgenommen und pro Sitzung mehr als 200 Euro erhalten hätten. "Das geht gar nicht. Wir wollen prüfen lassen, ob wir gegen Vorstand und Aufsichtsrat Regressansprüche geltend mache können", so Berchter. Und nicht nur das. Auch soll gerichtlich geklärt werden, ob man die Verantwortlichen nicht auch in Regress nehmen könnte für die Kosten, die in Zusammenhang mit der Anerkennung der ersten Klage (Berchter: "Das hat allein 33.000 Euro Anwaltskosten verursacht") und der Wiederholung der Hauptversammlung entstanden sind. Laut Berchter über 90.000 Euro. "Ergebnis schuldhaften Versagens. Und jetzt will man uns Aktionärsvertretern das in die Schuhe schieben, nur weil wir berechtigte Fragen stellen."

Die Summe von gut 90.000 Euro wollte Rechtsanwalt Lothar Venn so nicht bestätigen. Es seien etwa 5000 bis 10.000 weniger. Zusammen mit Bauvereins-Vorstand Anett Leuchtmann erklärte er am Abend, dass die Versammlung "ruhig, diszipliniert und sehr professionell" durchgeführt worden sei. Man habe alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet und werde vor allem die Vorwürfe des kritischen Aktionärsvertreter-Trios in aller Ruhe juristisch prüfen lassen. Gleichwohl, so Venn, rechne man mit einer Klage der Volksbank. Die Voba ist juristisch Eigentümerin von knapp 400 vinkulierten Namensaktien, die Hauschildt vor 24 Jahren erworben hatte.

Quelle: RP
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