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Richard Theissen
"Bedarf an Rechtsberatung steigt stetig"

Wesel. Kaum ein Verein verzeichnet so hohe Mitgliederzuwächse wie der VdK. Der Ortsverband Wesel-Mitte, der seit 20 Jahren von gerade wiedergewählten Vorsitzenden Richard Theissen geführt wird, erwartet in den nächsten Tagen das 1000. Mitglied.

wesel Kürzlich wurde Richard Theissen (68) in seinem Amt als Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Wesel-Mitte bestätigt. Seit nunmehr 20 Jahren bekleidet er das Ehrenamt, für das er bei den nächsten Wahlen in vier Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen wird. "Und zwar definitiv", wie er sagt. Ein Gespräch über die vielfältigen Aufgaben, mit denen sich der Sozialverband befasst, über die kontinuierlich steigende Zahl der Mitglieder und deren vielschichtigen Probleme.

Herr Theissen, was war für Sie seinerzeit Anlass, sich einem Kriegsopferverband anzuschließen, obwohl Sie doch erst ein Jahr nach Kriegsende geboren sind?

Richard Theissen Ich bin vor 42 Jahren Mitglied des VdK geworden, der sich in sechs Jahrzehnten zu einem modernen Verband gemausert hat, der sich um die sozialen Belange seiner Mitglieder kümmert, die heute nur noch ganz vereinzelt aus den Reihen der Kriegsopfer kommen.

Nochmals die Frage, warum Sie als junger Mann den Mitgliedsantrag ausgefüllt haben?

Theissen Ich war damals mit 23 eines der jüngsten Wehrdienstopfer. Als Gebirgsjäger hatte ich mit bei einem Seilabsturz Schädelverletzungen zugezogen. Der VdK hat mir geholfen, meine Rechte durchzusetzen. Wenige Jahre später bin ich dann dem Verband beigetreten, in dem seit 33 Jahren Vorstandsarbeit betreibe.

Sowohl Kriegs- als auch Wehrdienstopfer dürften doch nur noch ganz vereinzelt die Hilfe des VdK in Anspruch nehmen. Wer kommt heute hauptsächlich zu Ihnen? Alte und Kranke?

Theissen Ja, ganz richtig. Unsere Juristen beraten aber generell Menschen aller Altersgruppen mit Handicap. Das können Menschen nach einem Arbeits- oder Autounfall sein, die nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können. Wir helfen bei Fragen zu Themen rund ums Schwerbehindertenrecht, bei Problemen mit dem Medizinischen Dienst, beziehungsweise bei allen Fragen rund ums Thema Pflege und der Feststellung von Behinderungsgraden.

Kann man sich für ein Beratungsgespräch anmelden?

Theissen Nein, das geht nicht. Alle, die Hilfe benötigen, können jeden Montag zu unserer Sprechstunde kommen, die von 10 bis maximal 18 Uhr im St. Bonifatius-Haus der Caritas am Weseler Bahnhof stattfindet. Einer der fünf Juristen des VdK-Kreisverbandes kümmert sich um maximal 40 Besucher. Von den vier Weseler Ortsverbänden sind immer zwei oder drei Vorstandsmitglieder montags im Bonfatius-Haus, um Termine zu vergeben, beim Ausfüllen von Anträgen zu helfen und erste Tipps zu geben.

Wenn man also telefonisch keinen Termin absprechen kann, was kann man tun, bis man an der Reihe ist?

Theissen Unsere Mitglieder, die eine juristische Beratung möchten, stellen sich darauf ein. Einige gehen nach Hause und kommen wieder, andere haben in der Stadt zu tun.

Wenn vom VdK die Rede ist, dann geht es meist um stetig steigende Mitgliederzahlen. Was macht die Mitgliedschaft so attraktiv?

Theissen Wir haben derzeit bei uns im Ortsverband 995 und erwarten in den nächsten Tagen das 1000. Mitglied. In ganz Wesel sind es 1600 - Stand Ende 2014, im Kreis 22 800. Attraktiv ist zum einen der günstige Monatsbeitrag von fünf Euro. Wobei man sagen muss, dass es Menschen gibt, die austreten müssen, weil sie diese fünf Euro nicht haben. Als Mitglied bekommt man nicht nur die rechtliche Beratung, wir vertreten sie auch in Antrags-, Widerspruch- und Klageverfahren vor den Sozialgerichten in Duisburg und Essen. Und wenn es sein muss, auch vor dem Bundessozialgericht.

Benötigen denn alle Mitglieder eine juristische Beratung?

Theissen Nein, wir haben auch immer mehr passive Mitglieder, die sich bei der Organisation von Festen und Ausflügen einbringen und an diesen Veranstaltungen auch gerne teilnehmen.

Wenn Juristen die rechtliche Beratung durchführen, was tun dann die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder?

Theissen Wie gesagt, wir sind bei den Sprechstunden vor Ort und hören uns die Sorgen und Nöte der Menschen an und versuchen, Problem unbürokratisch zu lösen. Wobei ich sagen muss, dass wir im Bereich Erb- und Familienrecht, Jugendhilfe sowie Miet- und Steuerrecht nicht aktiv werden. Da sind Anwälte, Ämter, das Jobcenter oder die Verbraucherzentrale die richtigen Ansprechpartner.

Aber die Vorstandsmitglieder sind doch bestimmt nicht nur bei den Sprechstunden aktiv, oder?

Theissen Wir besuchen auch treue Mitglieder jenseits des 65. Lebensjahres bei Geburtstagen oder bei Krankenhausaufenthalten, bringen zur Weihnachtszeit kleine Präsente vorbei. Und nicht zuletzt neben wir die Organisation der schon erwähnten Feiern und des alljährlichen Ausflugs in die Hand. Am 7. Mai fahren wir übrigens in den Affenpark ins niederländische Apeldoorn mit einem anschließenden Abendessen. 150 Mitglieder fahren mit.

So viele?

Theissen Für so manchen, der wirklich sehr wenig Geld zur Verfügung hat, ist das eine Möglichkeit, wenigsten einmal im Jahr einen größeren Ausflug zu machen. Noch mehr Gäste haben bei unserem Sommerfest und im Advent, wenn wir zu Kaffee und Kuchen einladen. Dann kommen mehr als 200 Mitglieder.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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