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Schermbeck
Bedeutende dörfliche Begegnungsstätte

Schermbeck: Bedeutende dörfliche Begegnungsstätte
Mit einem Gottesdienst, in dessen Verlauf auch einige Besucher vom Pfarrer Christian Hilbricht zu ihren Erinnerungen an Erlebnisse im Umfeld des Gahlener Pastorates befragt wurden, begann am Sonntag die Feier des 250-jährigen Bestehens des neuen Pastorates. FOTO: RP-Foto Scheffler
Schermbeck. Am Sonntag wurde das 250-jährige Bestehen des neuen Gahlener Pastorates mit einem Festakt gefeiert. Anwohner berichteten von ihren Erlebnissen rund um das geschichtsträchtige Gebäude. Von Helmut Scheffler

Ein ungewohntes Bild bot sich am Sonntagmorgen im Lippedorf Gahlen. Während die Glocken der Dorfkirche zum Gottesdienst riefen, gingen die Gahlener über den Kirchplatz schnurstracks am Mühlenteich vorbei zum Widemweg. Trotz Temperaturen in Frostnähe wurde der Sonntags-Gottesdienst diesmal auf dem Platz unter der Linde vor dem Pastorat gefeiert. Grund dafür: Das Pastorat wurde nach einem Brand im Jahre 1763 vor genau 250 Jahren, am 23. Oktober 1766, wieder eingeweiht.

Neben einem mobilen hölzernen Kirchenportal, durch das die Teilnehmer die Bankreihen vor dem Altar und in einem leicht beheizten Zelt aufsuchten, wiesen 31 Windlichter, die in ihrer Zusammenstellung die Ziffern 2, 5 und 0 ergaben, auf das Alter des Pastorats hin, in dem nacheinander die Pfarrer mit ihren Familien wohnten.

Zum Jubiläum hatte die Nachbarschaft am Freitag einen Kranz gebunden und über der Tür des Pfarrhauses befestigt. Für die musikalische Untermalung der Gesänge von etwa 200 Teilnehmern sorgte der von Kirchenmusikerin Annelie Twachtmann dirigierte Posaunenchor der Kirchengemeinde Gahlen. Um deutlich zu machen, dass ein Gebäude mehr ist als die Summe von Steinen oder Balken, sondern von vielfältigem Leben erfüllt ist, wurden im Gottesdienst einzelne Ziegelsteine mit aufgeklebten Schildern zu einer Mauer zusammengefügt. Darauf waren unter anderem die Namen der 13 Pfarrer zu lesen, die das Haus seit seiner Gründung bewohnt hatten.

Pfarrer Hilbricht bat einige Gottesdienstbesucher um Berichte von persönlichen Erinnerungen an das Pastorat. Der Pfarrer-Sohn Erhard Borgards, der aus Offenburg angereist war, wurde 1932 im Pfarrhaus geboren. "Es war eine wunderschöne Zeit", erinnerte Borgards an das Wohnen mit seinen Eltern und den vier Geschwistern im Pfarrhaus, von einer Kuh, zwei Schweinen und etwa 20 Hühnern, die im ehemaligen Stallgebäude untergebracht waren. Vom Pfarrhaus fuhren die Kinder jahrelang mit dem Fahrrad nach Dorsten zum Gymnasium.

Gerhard Becks berichtete von den vielen Schneeglöckchen auf der Pastoratswiese, mit denen er im Jahre 1955 mit Erlaubnis der Pastorats-Haushälterin "Tante Dina" seine Mutter bei Besuchen im Schermbecker Krankenhaus erfreute, und von einer unfreiwillig verbrachten Nacht im Dachgeschoss des Pastorates, das er während eines Umbaus betreten hatte, um für das Hochzeitspaar Hartmut und Gisela Binnenhei das Glöckchen zu läuten. Nach dem Läuten fand er in der Dunkelheit den Weg nicht wieder zurück.

Auch nach dem Ende des Gottesdienstes, an dem Friedhelm Waldhausen als Superintendent des Kirchenkreises Dinslaken teilnahm, standen Besucher noch lange vor dem Pfarrhaus zusammen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Dass Friedhelm Hansen Hermann Borgards, den Vater des Pastors Borgards, versehentlich aufs Kreuz legte und dafür nachsitzen musste, sorgte ebenso für Gelächter wie Gerhard Becks Frage an den Pfarrer, ob im "Kindergarten" Kinder mit dem Kopf oder mit den Füßen in die Erde gepflanzt würden.

Dass im Umfeld eines Pastorates auch Betrügereien stattfinden können, machte Jürgen Höchst deutlich, als er an jene Tage erinnerte, als Pastor Borgards die Konfirmanden anwies, zum Heizen immer Holz von zu Hause mitzubringen. Damals habe Werner Walbrodt das heimische Holz bisweilen vergessen und schnell in Pastors Scheune Ersatz besorgt. "Er war nicht der Einzige", bestätigte ein Mittsiebziger spontan.

Die Kollekte am Sonntag darf mit Genehmigung des Superintendenten diesmal ausnahmsweise für die Instandhaltung des Pfarrhauses verwendet werden.

Quelle: RP
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