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Wesel
Begrabene Geusenbecher: Zwei Zeitzeugen berichten

Wesel. Der Bericht über den im September 1944 kriegssicher auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße beerdigten Silberschatz der Stadt und seine Bergung, die sich am Donnerstag zum 70. Male jährt, weckte Erinnerungen bei RP-Lesern.

Willi Meesters (83) erzählte, dass sein Großvater Gerhard Schwirtz in der ehemaligen Komturei Hausmeister war und er selbst als junger Mensch dort Zeuge der "Beerdigung eines unbekannten Soldaten" wurde. Als der Sarg dann weggetragen worden war und viele Pflastersteine fehlten, vermutete Meesters, man habe sie zum Beschweren genommen, weil eigentlich Exponate des Weseler Museums vor Kriegsfolgen in Sicherheit gebracht worden waren. Für eine "richtige" Beisetzung wären diese Stücke wohl zu leicht gewesen.

Gerda Tenbruck (89) hatte ganz dicht mit der Exhumierung der berühmten Geusenbecher von 1578 und der anderen Silberobjekte zu tun. Ihr Vater Wilhelm Groos war der Bürgermeister, der am 28. Januar 1946 die Bergung der kostbaren Kunstgegenstände und ihren illegalen Abtransport nach Duisburg in Sparkassen-Versteck leitete. Illegal, weil die britische Militärregierung hätte in Kenntnis gesetzt werden müssen. Tenbruck hat es als (erste städtische) Mitarbeiterin ihres Vaters - wie ihre Mutter- auch erst später erfahren. Großvater Jean Groos, erster Nachkriegsbürgermeister, hat Sohn Wilhelm es nicht gesagt, "weil er sonst einen Herzinfarkt bekommen hätte".

(fws)
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