| 00.00 Uhr

Wesel
Beide Notunterkünfte schließen

Wesel. Zum 1. März benötigt die Bezirksregierung die mehr als 800 Plätze für Flüchtlinge auf dem Ex-Trapp-Areal und am Lippeglacis nicht mehr. Folge: Wesel werden künftig verstärkt Asylbewerber zugewiesen, die dauerhaft bleiben. Von Klaus Nikolei

Weder im Weseler Rathaus, noch im Kreishaus waren die Verantwortlichen wirklich überrascht über die Nachricht, die ihnen von der Bezirksregierung übermittelt wurde: Die Amtshilfeverpflichtung zur Erstaufnahme von Flüchtlingen läuft, wie im Sommer 2015 vereinbart, zum 29. Februar aus und wird nicht verlängert. Bedeutet im Klartext: Spätestens am 1. März werden die Notunterkünfte an der Trappstraße (Ex-Trapp-Verwaltungsgebäude, betrieben vom Kreis Wesel) und am Lippeglacis leergezogen sein. Wobei die beiden Ex-Landers-Hallen am Lippeglacis, für die die Stadt zuständig ist, schon seit Wochen leerstehen. Allerdings wird das eingezäunte Areal nach wie vor rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. An den beiden Standorten waren zu Hochzeiten im Herbst vergangenen Jahres mehr als 800 Flüchtlinge für einige wenige Wochen untergebracht. Aktuell sind es noch 41.

Die Aufgabe der vom Land komplett finanzierten Notunterkünfte wird zur Folge haben, dass der Stadt in den nächsten Monaten verstärkt Menschen zugewiesen werden, die als Asylbewerber anerkannt sind. Wesel, so sieht es derzeit aus, ist auf Flüchtlinge, die Monate, Jahre oder vielleicht auch für immer bleiben, vorbereitet. "Jedenfalls kämen wir in den ersten Wochen klar", sagt Sozialdezernent Daniel Kunstleben auf Anfrage. In allen drei Übergangswohnheimen der Stadt gebe es freie Plätze. Zudem sei man in der Lage, Familien in Mietwohnungen überall im Stadtgebiet unterzubringen. "Unsere Strategie der dezentralen Unterbringung wollen wir beibehalten", sagt Daniel Kunstleben.

Dass gleich beide Großeinrichtung Ende Februar schließen hat vor allem damit zu tun, dass zu diesem Zeitpunkt die Mietverträge mit den Firmen Wessels (Trapp-Gebäude) und Landers (Lippeglacis) enden. "In NRW gibt es nämlich derzeit 85.130 Plätze für Flüchtlinge in Notunterkünften und Erstaufnahmeinrichtungen, von denen aktuell nur etwas mehr als 35.000 besetzt sind", sagt Lars Rentmeister. Klar, dass das Land die Kapazitäten runterfahren möchte und zunächst die Unterkünfte schließt, deren Mietverträge in nächster Zeit enden.

Lars Rentmeister, Vorstandsmitglied beim Kreis Wesel und zuständig für Gefahrenabwehr und Ausländerangelegenheiten, versucht im RP-Gespräch möglichst alle Fragen der Redaktion zu beantworten. Doch einige Male muss er passen. Zum Beispiel bei der Frage, was mit den vielen Hundert extra angeschafften Betten und Matratzen geschieht. "Weil alles mit Landesmitteln bezahlt wurde, muss das Land auch entscheiden, was damit passiert." Die Wohncontainer auf dem Firmenareal an der Trappstraße sind angemietet und werden zurückgegeben. Die mit Spenden Weseler Bürger bestens bestückte Kleiderkammer wird aufgelöst. Nach Angaben von Lars Rentmeister hat die Flüchtlings-Unterkunft im ehemaligen St.-Marien-Hospital in Orsoy Interesse angemeldet.

Doch was passiert, wenn im Laufe des Jahres die Zahl der Flüchtlinge wieder rapide steigt und die Länder aufgefordert werden, die Hilfesuchenden aufzunehmen? Wird der Kreis auf Wunsch der Bezirksregierung erneut das Ex-Trapp-Verwaltungsgebäude anmieten? Lars Rentmeister lacht kurz. "Eine gute Frage. Ehrlich gesagt, können wir das nicht ausschließen. Das Problem ist, dass wir keine belastbaren Informationen bekommen."

Nichts, so sagt Jurist Rentmeister, wäre schlimmer, als wenn es im Frühjahr plötzlich heißen würde, dass man man alles wieder "hochfahren" solle. "Ich weiß nicht, wie man dann noch Helfer motivieren sollte. Aber ausschließen kann dieses Szenario niemand, auch das Land nicht. Denn keiner weiß, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln."

Nennenswerte Probleme hat es nach Angaben von Rentmeister in der vom Kreis betreuten Notunterkunft nicht gegeben. "Klar haben sich einige Flüchtlinge nicht verstanden. Die haben wir dann in anderen Einrichtungen untergebracht."

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.