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Wesel
Beifall für "Verbasstes" beim Bislicher Sonntagskonzert

Wesel. Die Musiker der Berliner Camerata Instrumentale waren jetzt zu Gast in der St. Johannes-Kirche. Von Hanne Buschmann

Der Begriff "Verbasstes" mit dem Foto eines Kontrabasses kündigte die Programm-Rückseite des Bislicher Konzertsonntags das Thema an. Simone Heumann stimmte ihr Instrument, strich dann mit dem Bogen oder zupfte mit den Fingern auf den vier Saiten einzelne Töne, die sich fortschreitend zu einem identitätsdarstellenden Klangbild, zur "Ikona", des Instruments fügten. Der zeitgenössische Komponist Miloslav Gaydos entwarf diese Quasi-Hommage an die oft nur beiläufig wahrgenommene tiefe Konzertstimme. Vorgestellt wurde diese, bevor (!) Renate Droste von der Veranstalter-Gruppe Pro Musica die Hörer und die Musiker der Berliner Camerata Instrumentale in der St. Johannes-Kirche begrüßte. Originell.

Faurés tänzerische Sicilienne für Kontrabass (Kb) und Streicher - Violine (Ludwig Heumann), Viola (Uwe Gaffrontke), Violoncello (Tobias Münch) - sorgte sogleich für eine gelöste Atmosphäre. In der entfaltete sich Bachs geniales Ersinnen von Klang-Strukturen in den beiden Bourrée-Sätzen seiner dritten Suite für Cello Solo, hier übertragen für den sonoren tiefen Bass. Das Trio für Violine, Viola und Cello G-Dur von dem Mozart-Schüler Johann Nepomuk Hummel erfreute mit kapriziösen Wendungen und einem rauschenden Finale. Überragenden Spaß gab's mit dem Auftritt des Elefanten aus Saint-Saëns' "Karneval der Tiere". Das Trapsen der mächtigen Rüssler bestimmte den Takt ebenso wie die Unbekümmertheit kleinerer tierischer Hüpfer. Da brauchte es nicht die Fantasie von Loriot, die der Cellist eingangs vorgelesen hatte. Wegen eines eigensinnigen Mikrofons war es eh kaum zu verstehen, wurde aber nach der Pause in bestem Einvernehmen geregelt: Bitte natürliche Stimme einsetzen. So gut läuft's in kleinen Konzert-Zusammenkünften.

In Gaydos' "Reflexe II" für Solo-Kontrabass schwang ein Klang die Saiten hinauf und formulierte dann hinüber-, auf- und abgleitend eine elegante Melodie. Von Bottesini, Hoffmeister und Eybler, dem vielleicht begabtesten Mozart-Schüler, wurden faszinierende Mosaikstückchen zum Thema Kb dargeboten; mit einem großen Solo in a endete das Konzert. Lange hallte dankbarer Applaus durch die Kirche.

Quelle: RP
 
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